Skandalprofi Brinkmann "Da kommt nicht mal mehr MacGyver raus"

Von der Kneipe in den Porsche und dann auf den Rücksitz eines Streifenwagens: Ansgar Brinkmann lernte in seiner Zeit als Profi so manchen kennen. Nach einem Saufgelage in Osnabrück mit Flucht vor der Polizei entging er trotzdem seiner gerechten Strafe.

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Von Bastian Henrichs


Der Abend begann ähnlich wie der ein paar Jahre zuvor in Gütersloh. Nur dass ich nun beim VfL in Osnabrück spielte und wir nicht im Café Alex feierten, sondern im Plan B. Der Name der Kneipe war Programm für den gesamten Verlauf des Abends. Wir hatten ein Auswärtsspiel in Chemnitz gewonnen und waren äußerst erfreut darüber. Nach unserer Rückkehr am Samstagabend zog fast die gesamte Mannschaft noch in die Altstadt und versackte im Plan B.

Nach und nach machten sich viele Mannschaftskollegen auf den Heimweg, nur ein harter Kern schien auf den Hockern vor der Theke festzukleben. Guido Spork war dabei, Daniel Thioune und noch ein paar andere. Es war einer der Abende, an denen man anfängt zu trinken, an denen man ausgelassen ist und endlose Gespräche führt. Es kam einfach so.

Niemand war mit dem Vorsatz in die Bar gegangen, später herauszutorkeln. Das Gelage war so nicht geplant. Auch ich ließ mich dann allerdings von der Stimmung anstecken und trank viel mehr, als ich es gewohnt war. Nach drei, vier Stunden, es war weit nach Mitternacht, hatten wir genug und wollten nach Hause. In diesem Moment unterlief mir der größte Fehler des Tages: Ich setzte mich ans Steuer.

Damals fuhr ich einen Porsche Boxster, den ich mir in Berlin zugelegt hatte. In Berlin sieht man so ein Ding häufiger mal über die Straßen brummen, in Osnabrück fiel ich damit auf. Ich hätte niemals fahren dürfen, aber keiner von meinen Trinkbrüdern hielt mich davon ab. Im Gegenteil, alle stiegen in ihre Karren und brausten los. Insgesamt waren es drei Autos, ich mit meinem schwarzen Porsche hinterher. Neben mir saß ein Mädel. Ich kannte sie nur flüchtig. Sie hatte mich in der Kneipe angesprochen und gefragt, ob ich sie nach Hause fahren könne. Sie wohnte nicht weit entfernt, und ich war nicht rücksichtsvoll genug, um Nein zu sagen.

Ein Streifenwagen hielt direkt neben mir

Ich fühlte mich sicher, nicht zu betrunken, um Auto zu fahren, eben so, wie sich alle alkoholisierten Autofahrer fühlen, wenn sie den Motor anlassen. Wir waren noch keine zwei Minuten unterwegs, als ich an einer Ampel links abbiegen wollte. Die anderen drei Autos hatten die Grünphase gerade noch erwischt, ich dagegen wollte das Schicksal nicht zusätzlich herausfordern und hielt an der Ampel an. Plötzlich, wie aus dem Nichts, schob sich ein Polizeiwagen vor mich und blockierte meinen Weg. Ein anderer Streifenwagen hielt direkt neben mir.

"Na, Halleluja", dachte ich und kurbelte die Scheibe runter. Der Polizist fragte sehr direkt: "Herr Brinkmann, haben Sie Alkohol getrunken?" Er wusste genau, wen er da vor sich hatte. "Wenn ich Auto fahre, trinke ich nie", antwortete ich scheinheilig und merkte, wie sich in meinen Blutbahnen der Alkohol mit Adrenalin mischte. An meinem Tonfall und an der Art und Weise, wie ich das sagte, musste der Polizist sofort merken, dass ich nicht die Wahrheit sagte. "Steigen Sie mal aus Ihrem Auto aus und bei uns hinten ein", sagte er.

Ich tat ihm den Gefallen, immer noch der festen Überzeugung, dass ich denen weismachen könne, nichts getrunken zu haben. Erst als ich in den zweiten Wagen und in die grinsenden Gesichter der beiden Polizisten blickte, ahnte ich, was auf mich zukommen würde. Ich setzte mich in den Polizeiwagen und bekam noch mit, wie meine Beifahrerin, von der ich nicht mehr weiß, wie sie hieß, und die ich danach auch nie wiedergesehen habe, anfing, mit den anderen beiden Beamten zu diskutieren. Sie wollte wissen, wie sie denn nun nach Hause kommen sollte, und ich dachte nur, dass sie wenigstens versuchen könnte, so zu tun, als wüsste sie nicht, dass ich weit mehr Promille hatte als erlaubt.

Im Polizeiwagen passierte erst mal nichts. Vorn saßen die beiden Männer in Grün und bereiteten irgendwas vor, wahrscheinlich einen Alkoholtest. Dann sagte der Ältere von beiden, der hinterm Lenkrad saß: "Der Porsche muss hier von der Straße." Sein Beifahrer stieg aus, ging zu meinem Porsche, setzte sich ohne meine Erlaubnis rein und fuhr den Wagen nach rechts von der Straße. Der zweite Wagen folgte dem Porsche. Sie wollten schnellstmöglich von der Kreuzung.

Auf einmal saß nur noch ein Polizist bei mir im Wagen, und ein weiterer stand auf der Kreuzung und regelte den Verkehr. Unwillkürlich trat Plan B in Kraft. Ich war wie fremdgesteuert, dachte selbst gar nicht mehr nach, sondern handelte nur noch. Zuerst probierte ich vorsichtig, die Autotür aufzumachen. Das ging natürlich nicht. Kindersicherung. Währenddessen erzählte ich dem Polizisten vorn im Auto irgendeinen Schwachsinn, plapperte einfach drauflos, um die Geräusche zu übertönen.



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Seite 1
Gungosh 17.06.2011
1. Held
Zitat von sysopVon der Kneipe in den Porsche und dann auf den Rücksitz eines Streifenwagens: Ansgar Brinkmann lernte in seiner Zeit als Profi so manchen kennen. Nach einem Saufgelage in Osnabrück mit Flucht vor der Polizei entging er trotzdem seiner gerechten Strafe. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,763109,00.html
Was für ein Held. Blechschaden, Krankenhausaufenthalt und schlechte Presse hätten mir allerdings besser gefallen.
Thomas33613, 17.06.2011
2. Der schon wieder ....
Das schlimme an Brinkmann ist, das er früher wie heute absolut unbelehrbar und uneinsichtig war/ist.
kitzingmarko 17.06.2011
3. Sommerloch
Es ist bei SPON angekommen: das Sommerloch.
Auxbürger, 17.06.2011
4. ...
Kam doch niemand zu schaden. Und daher eine lustige Geschichte, hab mich amüsiert... Frau Käßmann hätte es nie auf ein Garagendach geschafft ;-)
matthias schwalbe, 17.06.2011
5. ...
So sind sie halt, die "weißen" Brasilianer...kennen nur McD,) http://de.wikipedia.org/wiki/Ansgar_Brinkmann
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