Skandalspiel in Amsterdam: Verband nimmt Rote Karte gegen Torhüter zurück

Das Skandalspiel zwischen Amsterdam und Alkmaar hätte nicht abgebrochen werden müssen. Zu diesem Schluss ist der niederländische Verband gekommen. Die auslösende Rote Karte gegen den AZ-Torwart war nicht notwendig. Zudem wurden neue Hintergründe über den Angreifer bekannt.

Eklat in den Niederlanden: Spielabbruch nach Prügelei auf dem Platz Fotos
AFP

Hamburg - Einen Tag mach dem tumultartigen Abbruch des Pokalspiels zwischen Ajax Amsterdam und AZ Alkmaar ist die Rote Karte für ungültig erklärt worden, die der Auslöser war. Die Anklagevertretung beim niederländischen Fußballverband KNVB befand am Donnerstag, die gewalttätige Reaktion von AZ-Torhüter Esteban Alvarado auf die Attacke eines Fans hätte nicht zwingend mit einem Platzverweis bestraft werden müssen.

Ob das Spiel wiederholt werden soll, blieb unklar. Aber die eigentlich mit der Roten Karte verbundene Sperre wurde aufgehoben, teilte der KNVB mit. Dem Keeper wurde zugutegehalten, er sei "hinterrücks überfallen worden und konnte den Angreifer nicht sehen".

Bei der Achtelfinalbegegnung zwischen Ajax und Alkmaar in der Amsterdam Arena war ein mutmaßlich angetrunkener 19-Jähriger auf das Spielfeld gerannt und auf Alvarado zugestürmt. Der Schlussmann aus Costa Rica verteidigte sich. Schiedsrichter Bas Nijhuis schickte den Keeper dennoch mit Rot vom Platz. Begründung: Alvarado habe noch zweimal nach dem Fan getreten, als dieser bereits am Boden lag.

Angreifer hatte bereits Stadionverbot

Daraufhin rief Alkmaars empörter Trainer Gert Jan Verbeek sein Team zusammen, und die Gästespieler gingen beim Stand von 0:1 in der 37. Minute geschlossen vom Feld. "Ich habe gesehen, dass Esteban attackiert wurde und sich verteidigt hat", sagte der verständnisvolle Ajax-Coach Frank de Boer. "Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, aber ich kann ihn mit seinem südamerikanischen Temperament verstehen."

Der Angreifer wurde festgenommen. Später stellte sich heraus, dass er gar nicht in der Amsterdam Arena hätte sein dürfen, weil ihm wegen früherer Vorfälle längst ein Stadionverbot erteilt worden war. Neben einem Strafverfahren droht ihm nun ein lebenslanges Verbot, niederländische Fußballstadien zu betreten.

Nach dem Spielabbruch kam es am Mittwochabend zu Ausschreitungen wütender Fußball-Fans. Die Polizei rückte vor dem Stadion mit Wasserwerfern an und nahm acht mutmaßliche Randalierer fest - vier wegen Gewaltanwendung und vier wegen des illegalen Einsatzes von Feuerwerkskörpern.

Ajax Amsterdam entschuldigte sich am Donnerstag: "Das ist ein schrecklicher Vorfall, den wir als Verein sehr bedauern. Wir bieten unsere ehrlich gemeinte Entschuldigung an. Wir finden das sehr schlecht und das wird der Junge zu spüren bekommen", sagte Ajax-Finanzdirektor Jeroen Slop auf der Internetseite des Clubs. Die Fanvereinigung von Ajax schloss sich dem an.

leh/dpa

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1.
MAC876 22.12.2011
Relativ einfach, das Spiel wird für AZ gewertet und Ajax für nä. Saison aus dem Pokal ausgeschlossen. Gleiches würde ich bei Stuttgart anwenden. Das sind in beiden Fällen keine Fußballfans. Frohes Fest
2.
franko_potente 22.12.2011
Zitat von MAC876Relativ einfach, das Spiel wird für AZ gewertet und Ajax für nä. Saison aus dem Pokal ausgeschlossen. Gleiches würde ich bei Stuttgart anwenden. Das sind in beiden Fällen keine Fußballfans. Frohes Fest
Ist aber keine Ostmannschaft. Daher sind wohl eher sinnvolle und überlegte Aktionen, wenn überhaupt, zu erwarten.
3. Ad oculos demonstrare!
frank_w._abagnale 22.12.2011
Ich denke, dass die Rücknahme der roten Karte nicht korrekt ist. Esteban hat in seiner Aktion gegen Fan einen sogenannten Notwehrexzeß begangen. Er hat den Angriff nicht nur abgewehrt, sondern den Fan auch anschließend noch mit dem beschuhten Fuß angegriffen. Nach deutschem Recht könnte er wegen gefährlicher Körperverletzung belangt werden. Insofern ist auch ein unsportliches Verhalten evident. Ergo ist die rote Karte berechtigt. Der Fußball verkommt immer mehr zum Komödiantenstadl.
4. Karte zurückgezogen?
fussball.manni 22.12.2011
Zitat von frank_w._abagnaleIch denke, dass die Rücknahme der roten Karte nicht korrekt ist. Esteban hat in seiner Aktion gegen Fan einen sogenannten Notwehrexzeß begangen. Er hat den Angriff nicht nur abgewehrt, sondern den Fan auch anschließend noch mit dem beschuhten Fuß angegriffen. Nach deutschem Recht könnte er wegen gefährlicher Körperverletzung belangt werden. Insofern ist auch ein unsportliches Verhalten evident. Ergo ist die rote Karte berechtigt. Der Fußball verkommt immer mehr zum Komödiantenstadl.
Bin auch der Meinung, dass die Rücknahme der roten Karte nicht gerechtfertigt ist. Er wurde angegriffen, er warf ihn zu Boden, aus meiner Sicht bis zu diesem Zeitpunkt alles o.k. Was danach abgelaufen ist, ist reine Selbstjustiz. Der hat ihn nicht zu treten. Der Hool hätte schon seine Gerechte Strafe bekommen. Wird er hoffentlich, indem er niewieder ein Stadion betreten darf...
5. klar doch
mw33 22.12.2011
Zitat von fussball.manniWas danach abgelaufen ist, ist reine Selbstjustiz. Der hat ihn nicht zu treten. Der Hool hätte schon seine Gerechte Strafe bekommen. Wird er hoffentlich, indem er niewieder ein Stadion betreten darf...
Und? Der hatte schon Stadionverbot, was nützt denn dann ein lebenslanges Verbot?
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