Smartphone-Apps der Bundesliga-Clubs: Ein Bier per Klick

Von Kathrin Schmidt

Getränke per Smartphone ordern oder Wetten auf das nächste Tor abschließen: Die Bundesliga-Clubs planen neue Applikationen für Handy-Besitzer. Das Magazin "SPONSORS" erklärt, wie sie funktionieren sollen und woran es noch hapert.

Bierbestellung übers Handy: Bundesliga-Clubs planen neue Apps für Stadionbesucher Zur Großansicht
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Bierbestellung übers Handy: Bundesliga-Clubs planen neue Apps für Stadionbesucher

Die Vorstellung ist verführerisch. Man sitzt auf seinem Platz im Stadion, verfolgt das Geschehen unten auf dem Rasen, verspürt plötzlich Durst, zieht sein Smartphone aus der Hosentasche und ordert per Klick ein Bier. Wenig später bringt ein Catering-Mitarbeiter das Frischgezapfte direkt zum Platz. Keine verpasste Spielminute, kein lästiges Schlangestehen am Stadionkiosk.

Nicht nur für Fans, auch für Fußballclubs können solche speziell für den Besuch im Stadion entwickelten mobilen Dienste interessant sein. Schließlich schaffen sie Mehrwerte für Fans und können dabei in die bestehende Applikation (App) eines Vereins integriert werden. Denkbar wäre etwa ein spezieller Messenger-Dienst, mit dem sich Anhänger im Stadion untereinander austauschen. Oder das Abrufen einer vorangegangenen Spielszene. In England beispielsweise überlegen zurzeit einige Premier-League-Clubs zusammen mit Sportwettenanbietern, wie Fans im Stadion per Handy Live-Wetten etwa auf das nächste Tor abschließen können.

Probleme mit der Praxistauglichkeit

Ideen gibt es viele, welche davon in der Praxis taugen, erproben nun die ersten Vereine. In Dortmund beispielsweise hat die Marketingabteilung der Borussia das eingangs beschriebene "Call-a-Beer"-Szenario bereits auf dem Papier durchgespielt, zeigt sich aber von einer möglichen Umsetzung wenig überzeugt. Das Problem: Der Service würde nur mit einer Sitzplatzregistrierung funktionieren, Fans auf Stehplätzen könnten aus logistischen Gründen nicht bedient werden. Damit wären allein die rund 25.000 Fans auf der BVB-Südtribüne ausgeschlossen. Fair wäre das nicht.

Beim Deutschen Meister sucht man daher weiter nach Ideen, um Fans Mehrwerte bei ihrem Besuch im Stadion zu schaffen. Allerdings gibt es einige Hürden, die eine rasche Einführung solcher Services in Deutschland erschweren. Erstens die fehlenden technischen Voraussetzungen. "Die aktuell verfügbare Mobilfunktechnik lässt nicht zu, dass mehrere zehntausend Menschen auf engem Raum mit ihren Handys große Datenmengen empfangen können", erklärt Stefan Leibhard, Geschäftsführer der BTD Gruppe, einem Systemdienstleister. Dieses Problem kann jedoch nicht von Clubs, sondern nur von Mobilfunkanbietern gelöst werden. Eine Möglichkeit könnte der neue Technikstandard LTE sein, der in naher Zukunft für ein schnelleres mobiles Internet mit Datenübertragungen von bis zu 100 Megabits pro Sekunde sorgen soll und bereits die Testphase erreicht hat.

Eine zweite Hürde ist juristischer Natur. So können etwa spezielle Services wie das Abrufen von Wiederholungen einzelner Spielszenen auf dem Smartphone während des Spiels nicht umgesetzt werden, da die Bewegtbildrechte bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) liegen. Auch Live-Wetten wie bei Fußballspielen in England sind in Deutschland per Gesetz verboten. Die dritte und wohl am leichtesten zu nehmende Hürde ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Clubs müssen entscheiden, welche Mehrwerte sie ihren Fans bieten und wie viel Geld sie dafür ausgeben wollen.

"Man darf keine Wunderdinge erwarten"

In Bremen ist man hier auf einem guten Weg und hat diese dritte Hürde bereits genommen. Seit vier Monaten plant und entwickelt Bundesligist Werder Bremen zusammen mit der BTD Gruppe seine erste Vereins-App, die zum Herbst als Hybridlösung für unterschiedliche Betriebssysteme eingeführt werden soll. Im ersten Schritt will Werder dabei neben gängigen Inhalten wie Live-Ticker, Bildergalerien, Fanshop und Werder-TV auch von Beginn an Services anbieten, die ausschließlich für den Besuch im Stadion bestimmt sind. So sollen Fans im Weserstadion in wenigen Monaten etwa ihre neu eingeführte Bezahlkarte nicht nur an den Aufladeterminals im Stadion oder am PC aufwerten können, sondern auch vom Handy aus. Abgerechnet wird per Kreditkarte.

Dem Bremer Verein geht es bei den neuen Diensten primär darum, Mehrwerte für Fans zu schaffen. Die Frage, wie sich mit solchen Diensten neue Erlösquellen für den Club erschließen lassen, ist aus Sicht von Oliver Rau, Direktor Marketing und Vertrieb bei Werder, sekundär. "Man darf im ersten Schritt keine Wunderdinge erwarten. Wir werden dadurch erst einmal keine signifikanten Mehrerlöse generieren", sagt Rau. Vielmehr wolle man eine zukunftsfähige Lösung anbieten, die die junge Zielgruppe im Stadion erreicht. "Aber es wird auch weiterhin alle traditionellen Möglichkeiten im Stadion geben."

Wie schwer greifbar das Thema stadionbezogene mobile Services derzeit noch ist, zeigt auch die Tatsache, dass beispielsweise der FC Bayern München nach eigenen Angaben bislang noch keine Pläne in diese Richtung hegt - obwohl mit Hauptsponsor Deutsche Telekom ein enger Bezug zur Thematik bestünde.

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insgesamt 6 Beiträge
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    Seite 1    
1. Blödsinn!
maipiu 22.08.2011
Entweder ich gehe ins Fußballstadion, um mir ein Spiel live anzuschauen oder in ein Restaurant, um mich bedienen zu lassen. Alle die Service-Mitarbeiter, die dann zwischen den Zuschauerreihen rumrennen, um den Leuten Getränke (oder vielleicht sogar eine Wurst?) zu bringen, will ich mir gar nicht erst vorstellen. Das stört doch nur. Die bargeldlose Bezahlkarte trägt dazu bei, die Zeit am Bierstand in der Pause zu verkürzen, da zeitraubendes Geldzählen entfällt. Das reicht aber auch.
2. So schön
mrdude 22.08.2011
Zitat von maipiuEntweder ich gehe ins Fußballstadion, um mir ein Spiel live anzuschauen oder in ein Restaurant, um mich bedienen zu lassen. Alle die Service-Mitarbeiter, die dann zwischen den Zuschauerreihen rumrennen, um den Leuten Getränke (oder vielleicht sogar eine Wurst?) zu bringen, will ich mir gar nicht erst vorstellen. Das stört doch nur. Die bargeldlose Bezahlkarte trägt dazu bei, die Zeit am Bierstand in der Pause zu verkürzen, da zeitraubendes Geldzählen entfällt. Das reicht aber auch.
es auch ist mit dem Zuschauerzuwachs in der Bundesliga - aber viele davon sind eben "Eventfans". Die meinen wahrscheinlich sogar so nen Quatsch zu brauchen. Es gibt doch nix schöneres als gerade am Bierstand angekommen zu sein und plötzlich fällt mal wieder ein Tor und man hat es verpasst...und ärgern und ärgern. ;-))) Gestern bei Zeigler zeigt sie die Stuttgarter Toilettenganglösung...so ne Art Schiessschartern als Gucklöcher: ist halt nur noch nicht gerade zwergenoptimiert.
3. Technik
MoeWHV 22.08.2011
Das Problem mit der Bandbreite liesse sich doch einfach beheben: Ein offenes W-LAN Netz innerhalb des Stadions bei dem der Zugriff auf die erforderlichen Datendienste innerhalb dieses Netzes erfolgt. Den Verbindungsaufbau, die Einstellungen etc können ja die eigenen Fan-Apps übernehmen. Der Zugriff auf das Internet kann ja sogar unterbunden werden um Missbrauch zu verhindern. Einziger Nachteil: Würde nur mit WLAN fähigen Smartphones funktionieren...
4. Ich
mrdude 22.08.2011
Zitat von MoeWHVDas Problem mit der Bandbreite liesse sich doch einfach beheben: Ein offenes W-LAN Netz innerhalb des Stadions bei dem der Zugriff auf die erforderlichen Datendienste innerhalb dieses Netzes erfolgt.
habe anscheinend ein komisches Technikverständnis: erklären Sie mir mal warum ein offenes W-Lan das Bandbreitenproblem lösen würde? Die aktuell mögliche Bandbreite ist DAS Problem, das nur durch Erhöhung des Standards (z.b. durch LTE) gelöst werden könnte. Ach ist mir auch egal - ist eh alles Quatsch mit Soße.
5. ...
Crom 22.08.2011
Zitat von mrdudehabe anscheinend ein komisches Technikverständnis: erklären Sie mir mal warum ein offenes W-Lan das Bandbreitenproblem lösen würde?
Weil man dadurch ein separates Netzwerk aufbauen kann und eben nicht erst den Umweg über UMTS-Provider gehen muss. Man könnte das WLAN ja auch so konfigurieren, dass es nur für die Anwendungen im Stadion zur Verfügung steht und z.B. keine Anbindung ans Internet existiert. Tickets könnten dann mit einem Bar-Code oder QR-Code versehen werden, so dass leicht herausfindbar ist, wo der Fan sitzt, der jetzt ein Bier möchte. Er müsste einfach den Code bei der Bestellung einscannen.
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