Sperre gegen BVB-Profi Piszczek: "Wir wollen ein Zeichen setzen"

Für Lukasz Piszczek sieht es nicht gut aus. Wegen Spielmanipulation droht dem Dortmunder Verteidiger eine Sperre im Nationalteam bis 2012. Im Interview begründet der polnische Funktionär Artur Jedrych, warum er sogar eine noch härtere Strafe für angemessen hält.

Dortmunder Piszczek: Für Polens Länderspiele bis Februar 2012 gesperrt Zur Großansicht
dapd

Dortmunder Piszczek: Für Polens Länderspiele bis Februar 2012 gesperrt

SPIEGEL ONLINE: Herr Jedrych, Sie haben Lukas Piszczek wegen seiner Verstrickung in einen 2006 stattgefunden Korruptionsskandal für alle Länderspiele der polnischen Nationalmannschaft bis Februar 2012 gesperrt. Nun fordern Sie sogar, dass Piszczek in diesem Zeitraum auch keine Vereinspartien bestreiten soll. Warum?

Jedrych: Eine weltweite Sperre wäre für uns nur die logische Entscheidung. Das Urteil, welches die polnische Disziplinarkommission gegen Piszczek verhängt hat, ist das Urteil eines Nationalverbandes. Es gibt in den Fifa-Statuten den Artikel 136, der festschreibt, dass die nationalen Urteile international umgesetzt werden müssen. Dementsprechend sollte die Fifa unserem Urteil folgen und Piszczek ein halbes Jahr für alle Wettbewerbe sperren.

SPIEGEL ONLINE: Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund unterstellen Ihnen, dass Sie an Piszczek nur ein Exempel statuieren wollen. Ist seine Bestrafung nicht zu hart?

Jedrych: Piszczek ist Nationalspieler. Dieser Status fällt besonders ins Gewicht. Piszczek ist dadurch ein Vorbild für andere, dessen muss er sich bewusst sein. Wir wollen hier sicherlich auch ein Zeichen setzen.

SPIEGEL ONLINE: Aber 2006, als Piszeczek etwa 2500 Euro bezahlt hat, um das gewünschte Ergebnis beim Spiel seines damaligen Clubs Zaglebie Lubin bei Cracovia Krakau zu kaufen, war er noch kein Nationalspieler.

Jedrych: Das stimmt nicht. Piszczek war damals schon U21-Nationalspieler und hat Polen repräsentiert.

SPIEGEL ONLINE: An dem manipulierten Spiel, dessen finanzielle Beteiligung Piszczek durch eine Selbstanzeige zugegeben hat, hat er aber gar nicht selbst mitgewirkt.

Jedrych: Aber nur nicht, weil er zeitgleich für die polnische U21-Nationalmannschaft gespielt hat. Und das macht den Fall doch erst so zynisch. Auf der einen Seite hat er für ein Spiel bezahlt, auf der anderen Seite wusste er, dass er daran nicht teilnehmen wird.

SPIEGEL ONLINE: Der polnische Verbandspräsident Grzegorz Lato bezeichnet Piszczeks Tat als "Jugendsünde".

Jedrych: Piszeczek war zum Tatzeitpunkt 20. Ist das ein Alter, in dem man nicht weiß, was man tut? Er hat bei vollem Bewusstsein das Geld bezahlt und wusste, welche Auswirkungen das haben wird.

SPIEGEL ONLINE: Piszczek soll jetzt die Möglichkeit bekommen, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Allerdings dauern Berufungsverfahren in Polen häufig bis zu zweieinhalb Jahre. Das wäre ein sehr langer Zeitraum, in dem Piszczek nicht spielen dürfte.

Jedrych: Die Gefahr, dass es so lange dauert, ist theoretisch da. Aber in der Praxis kann ich mir das nicht vorstellen. Das Berufungsverfahren in seinem Fall wird wohl eher zwei bis drei Monate dauern.

SPIEGEL ONLINE: Aber selbst dann ist nicht klar, ob Piszczeks Strafe verkürzt wird.

Jedrych: Das stimmt. Zumal wir ihm schon das bisher geringste Strafmaß gegeben haben, das es in unseren Regularien für einen solchen Verstoß gibt.

SPIEGEL ONLINE: Präsident Lato macht sehr viel Druck gegen Sie und möchte die Strafe gegen Piszczek unbedingt verringern.

Jedrych: Wir haben in weniger als einem Jahr die Europameisterschaft im eigenen Land. Piszczek ist einer der wichtigsten Spieler der Nationalmannschaft. Sportlich ist das ein großer Verlust. Aber es gibt Dinge, die sind wichtiger als Sportergebnis.

SPIEGEL ONLINE: Welche meinen Sie?

Jedrych: Für uns geht es hier darum, dem polnischen Fußball mal wieder ein wenig mehr Ethos zuzuführen. Die Korruption ist im polnischen Fußball sehr tief verwurzelt, wir müssen mit der Aufarbeitung des Falles klar machen, dass wir so etwas nicht dulden. Anderenfalls ist unser Sport über kurz oder lang zerstört.

Das Interview führte Rafael Buschmann

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1. Manipuliert er auch beim BVB
kellitom 30.08.2011
Wer einmal manipuliert hat, manipuliert vielleicht auch beim BVB. Eine Vereinssperre wäre daher richtig!
2. Das sehe ich anders
Medien-Kritiker 30.08.2011
Zitat von kellitomWer einmal manipuliert hat, manipuliert vielleicht auch beim BVB. Eine Vereinssperre wäre daher richtig!
Auch wenn Sie im Prinzip recht haben sehe ich den Fall Piszczek etwas anders gelagert.Es ist ja nicht so, dass er gekauft wurde, sondern er hat selbst bestochen.Wenn man ihm das positiv auslegt könnte an ihn schlicht und einfach für überehrgeizig halten ^^ Aber Spaß beiseite: Ich halte es (auf Grund der extrem hohen Gehälter) für ausgeschlossen, dass in der Bundesliga ähnliches möglich ist, sprich dass Spieler sich gegenseitig bestechen.Eine Sperre in der Nationalelf finde ich daher als Strafe ausreichend.
3. nö
Putzer 30.08.2011
Zitat von kellitomWer einmal manipuliert hat, manipuliert vielleicht auch beim BVB. Eine Vereinssperre wäre daher richtig!
Recht so. Immer feste drauf. Ich bin dafür, dass alle Vereine, die jemals in Manipulationen verwickelt waren, nie mehr eine Lizenz für den Profifußball erhalten.
4. nö
Putzer 30.08.2011
Zitat von kellitomWer einmal manipuliert hat, manipuliert vielleicht auch beim BVB. Eine Vereinssperre wäre daher richtig!
Ich ergänze: natürlich sollten auch die nationalen Fußballverbände, in deren Bereich manipuliert wurde, auf immer und ewig aus UEFA und FIFA ausgeschlossen werden. Vielleicht liegt in diesen Verbänden noch mehr im argen. Also raus mit den Polen und Italienern. Wenn schon ausmisten im Namen des Ethos, dann aber richtig ...
5. Richtig
flower power 30.08.2011
Zitat von kellitomWer einmal manipuliert hat, manipuliert vielleicht auch beim BVB. Eine Vereinssperre wäre daher richtig!
Und deswen gleich Schiedsrichter Stark ( Bayern ) sperren. National und International.
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Zur Person
  • Gorzawski & Jedrych
    Artur Jedrych, Jahrgang 1968, ist Vorsitzender des Disziplinarausschusses des polnischen Fußballverbandes PZPN. Der Jurist leitet mit einem Partner mehrere deutsch-polnische Anwaltsbüros. Für den PZPN ist er seit vielen Jahren tätig, 2008 hat Jedrych den Vorsitz des Disziplinarausschusses übernommen. Berühmtheit erlangte er durch seine rigorosen Urteile im polnischen Korruptionsskandal. Wegen seines Urteils gegen Lukasz Piszczek von Borussia Dortmund steht Jedrych aber unter Druck. Verbandspräsident Grzegorz Lato und Nationaltrainer Franciszek Smuda setzen sich für eine Reduzierung von Piszczeks halbjähriger Spielsperre ein. Da der Verteidiger derzeit einer der wichtigsten Spieler der polnischen Auswahl ist, wäre seine Sperre ein Jahr vor der EM im eigenen Land für das Team eine erhebliche Schwächung. Die Disziplinarkommission weicht derzeit aber nicht von ihrer Entscheidung ab. Es droht deshalb ein Machtkampf zwischen sportlicher Führung und Verbandsgerichtsbarkeit.

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