SPIEGEL ONLINE: Herr Jedrych, Sie haben Lukas Piszczek wegen seiner Verstrickung in einen 2006 stattgefunden Korruptionsskandal für alle Länderspiele der polnischen Nationalmannschaft bis Februar 2012 gesperrt. Nun fordern Sie sogar, dass Piszczek in diesem Zeitraum auch keine Vereinspartien bestreiten soll. Warum?
Jedrych: Eine weltweite Sperre wäre für uns nur die logische Entscheidung. Das Urteil, welches die polnische Disziplinarkommission gegen Piszczek verhängt hat, ist das Urteil eines Nationalverbandes. Es gibt in den Fifa-Statuten den Artikel 136, der festschreibt, dass die nationalen Urteile international umgesetzt werden müssen. Dementsprechend sollte die Fifa unserem Urteil folgen und Piszczek ein halbes Jahr für alle Wettbewerbe sperren.
SPIEGEL ONLINE: Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund unterstellen Ihnen, dass Sie an Piszczek nur ein Exempel statuieren wollen. Ist seine Bestrafung nicht zu hart?
Jedrych: Piszczek ist Nationalspieler. Dieser Status fällt besonders ins Gewicht. Piszczek ist dadurch ein Vorbild für andere, dessen muss er sich bewusst sein. Wir wollen hier sicherlich auch ein Zeichen setzen.
SPIEGEL ONLINE: Aber 2006, als Piszeczek etwa 2500 Euro bezahlt hat, um das gewünschte Ergebnis beim Spiel seines damaligen Clubs Zaglebie Lubin bei Cracovia Krakau zu kaufen, war er noch kein Nationalspieler.
Jedrych: Das stimmt nicht. Piszczek war damals schon U21-Nationalspieler und hat Polen repräsentiert.
SPIEGEL ONLINE: An dem manipulierten Spiel, dessen finanzielle Beteiligung Piszczek durch eine Selbstanzeige zugegeben hat, hat er aber gar nicht selbst mitgewirkt.
Jedrych: Aber nur nicht, weil er zeitgleich für die polnische U21-Nationalmannschaft gespielt hat. Und das macht den Fall doch erst so zynisch. Auf der einen Seite hat er für ein Spiel bezahlt, auf der anderen Seite wusste er, dass er daran nicht teilnehmen wird.
SPIEGEL ONLINE: Der polnische Verbandspräsident Grzegorz Lato bezeichnet Piszczeks Tat als "Jugendsünde".
Jedrych: Piszeczek war zum Tatzeitpunkt 20. Ist das ein Alter, in dem man nicht weiß, was man tut? Er hat bei vollem Bewusstsein das Geld bezahlt und wusste, welche Auswirkungen das haben wird.
SPIEGEL ONLINE: Piszczek soll jetzt die Möglichkeit bekommen, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Allerdings dauern Berufungsverfahren in Polen häufig bis zu zweieinhalb Jahre. Das wäre ein sehr langer Zeitraum, in dem Piszczek nicht spielen dürfte.
Jedrych: Die Gefahr, dass es so lange dauert, ist theoretisch da. Aber in der Praxis kann ich mir das nicht vorstellen. Das Berufungsverfahren in seinem Fall wird wohl eher zwei bis drei Monate dauern.
SPIEGEL ONLINE: Aber selbst dann ist nicht klar, ob Piszczeks Strafe verkürzt wird.
Jedrych: Das stimmt. Zumal wir ihm schon das bisher geringste Strafmaß gegeben haben, das es in unseren Regularien für einen solchen Verstoß gibt.
SPIEGEL ONLINE: Präsident Lato macht sehr viel Druck gegen Sie und möchte die Strafe gegen Piszczek unbedingt verringern.
Jedrych: Wir haben in weniger als einem Jahr die Europameisterschaft im eigenen Land. Piszczek ist einer der wichtigsten Spieler der Nationalmannschaft. Sportlich ist das ein großer Verlust. Aber es gibt Dinge, die sind wichtiger als Sportergebnis.
SPIEGEL ONLINE: Welche meinen Sie?
Jedrych: Für uns geht es hier darum, dem polnischen Fußball mal wieder ein wenig mehr Ethos zuzuführen. Die Korruption ist im polnischen Fußball sehr tief verwurzelt, wir müssen mit der Aufarbeitung des Falles klar machen, dass wir so etwas nicht dulden. Anderenfalls ist unser Sport über kurz oder lang zerstört.
Das Interview führte Rafael Buschmann
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