Schiedsrichter mit Feuerzeug beworfen Pokalspiel-Abbruch in Osnabrück

Der VfL Osnabrück hatte gegen RB Leipzig die Sensation vor Augen - dann wurde Schiedsrichter Martin Petersen von einem Feuerzeug getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen und könnte für die Leipziger gewertet werden.

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Spielabbruch im DFB-Pokal: Dem VfL Osnabrück fehlten gegen RB Leipzig 20 Minuten bis zur Überraschung - doch dann wurde Schiedsrichter Martin Petersen von einem Zuschauer mit einem Feuerzeug beworfen und am Kopf getroffen, er musste behandelt werden. Die Partie wurde beim Stand von 1:0 für Osnabrück abgebrochen. Wie schwer Petersen verletzt wurde, war zunächst unklar.

Der Abbruch stand schon wenige Minuten nach der Unterbrechung durch Petersen fest, die Zuschauer wurden zunächst allerdings nicht informiert. Erst als Präsident Hermann Queckenstedt knapp 30 Minuten später den Rasen betrat, herrschte an der Bremer Brücke Klarheit. Queckenstedt sprach vom "bittersten Tag" seiner Amtszeit. Zudem bat er die Zuschauer, das Stadion zügig und ohne Gewalt zu verlassen. Der Abbruch schade dem VfL und dem gesamten Fußball.

Vor dem Feuerzeugwurf war es zu einem Wortgefecht zwischen Leipzigs Davie Selke und dem Osnabrücker Ersatzspieler Michael Hohnstedt gekommen, der sich hinter dem Tor der Gastgeber aufwärmte. Schiedsrichter Petersen wollte die Situation schlichten und wurde am Kopf getroffen.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat unmittelbar nach dem Abbruch Ermittlungen aufgenommen. "Über die Spielwertung wird dann das DFB-Sportgericht entscheiden. Daneben geht es um die sportrechtliche Sanktion gegen den Verein, dem der Vorfall zuzurechnen ist", teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker mit.

Herbert Fandel, der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission, meinte zu Petersens Entscheidung: "Bei dem Vorgang in Osnabrück handelt es sich um einen tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter. Der Spielabbruch ist dann die logische und notwendige Konsequenz."

Im Jahr 2006 gab es im Pokal einen vergleichbaren Fall: In der Partie zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC wurde ein Linienrichter in der 86. Minute beim Stand von 2:0 für Hertha von einem Gegenstand getroffen. Das Spiel wurde nachträglich für die Berliner gewertet.

Leipzig spielt behäbig

In Osnabrück lag der große Aufstiegsfavorit der zweiten Bundesliga zuvor bereits nach 23 Sekunden zurück. Nach einem Einwurf von der rechten Seite rutschte Leipzigs Zugang Willi Orban aus, der Osnabrücker Stürmer Halil Savran drehte sich und ließ Torhüter Fabio Coltorti mit einem wuchtigen Schuss keine Chance. Der Favorit wirkte beeindruckt und fand bis zur Pause nicht ins Spiel. Die Gastgeber verdienten sich die Führung mit ihrer aggressiven Spielweise und hätten durch Addy-Waku Menga sogar erhöhen können (41. Minute).

Leipzigs Trainer Ralf Rangnick wechselte zweimal früh: Für den von einem Platzverweis bedrohten Atnic Nukan kam Lukas Klostermann (40.), Yussuf Poulsen sollte für Stefan Ilsanker die Offensive beleben (46.). Doch auch zu Beginn der zweiten Halbzeit enttäuschte RB spielerisch, ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen. Doch dann kam der Spielabbruch und so können die Leipziger doch darauf hoffen, in der zweiten Runde des DFB-Pokals dabei zu sein.

Spielabbrüche nach Wurfattacken
  • DPA
    10. August 2015 (DFB-Pokal):
    VfL Osnabrück - RB Leipzig
    Grund: Schiedsrichter Martin Petersen wird von einem Feuerzeug aus dem Osnabrücker Block am Kopf getroffen, Spielstand nach 71 Minuten 1:0
    1. April 2011 (Bundesliga): FC St. Pauli - Schalke 04
    Grund: Schiedsrichterassistent Thorsten Schiffner wird von einem Bierbecher am Kopf getroffen, Spielstand nach 86 Minuten 0:2, Wertung 0:2
    Oktober 2006 (DFB-Pokal): Stuttgarter Kickers - Hertha BSC
    Grund: Schiedsrichterassistent Linienrichter Kai Voss wird von einem gefüllten Bierbecher getroffen, Spielstand nach 86 Minuten 0:2, Wertung 0:2
    27. November 1976 (Bundesliga): 1. FC Kaiserslautern - Fortuna Düsseldorf
    Grund: Flaschenwürfe der Zuschauer; Spielstand nach 76 Minuten 0:1, Wertung 0:2
    Quelle: sid

Arminia Bielefeld - Hertha BSC 0:2 (0:0)

Die Arminia war mit zwei torlosen Remis in die Zweitliga-Saison gestartet. Gegen den Bundesligisten aus Berlin, so feixte Trainer Norbert Meier vor dem Anpfiff vor den TV-Kameras, wäre Bielefeld mit einem 0:0 nach 120 Minuten ebenfalls nicht unzufrieden. Sein Team machte anschließend genau das, was man angesichts dessen erwarten durfte: es verteidigte.

Keine zwei Minuten waren gespielt, da sah Stürmer Fabian Klos bereits die erste Gelbe Karte. Nach vorne gab es kaum einmal nette Ansätze. Klos agierte im Strafraum gegen Fabian Lustenberger zu langsam und verpasste einen Torschuss (24.). Aufreger der ersten Hälfte: Bielefelds Christian Müller hätte im Zweikampf mit Herthas Torwart Thomas Kraft sehr gerne einen Elfmeter bekommen. Schiedsrichter Benjamin Brand pfiff nicht, ein Kontakt zwischen den Spielern lag nicht vor (28.). Die Berliner, theoretisch so etwas wie der Favorit, enttäuschten weitgehend.

Besser wurde es in der zweiten Hälfte. Valentin Stockers Versuch - harmlos (48.). Gefährlich dann die Aktion von Vladimir Darida, der Bielefelds Torwart Wolfgang Hesl zu einer Parade zwang (49.). Salomon Kalou, Herthas vermeintlicher Torjäger, vergab nach rund einer Stunde die Großchance zur Gäste-Führung, als er einen Abpraller nicht kontrolliert traf. Zuvor hatte Jens Hegeler an den Pfosten geköpft (59.).

Zum Sieg reicht es, weil Hertha-Trainer Pal Dardai geschickt wechselte. Nico Schulz, der den Verein verlassen will und erst wenige Minuten zuvor auf den Platz gekommen war, setzte sich auf der linken Seite durch und legte frei vor dem gegnerischen Tor quer. Kalou stolperte den Ball über die Linie (73.). Darida machte mit dem 0:2 dann alles klar (88.).

VfR Aalen - 1. FC Nürnberg 0:0 n.V. (1:2 i.E.)

Zweitligist 1. FC Nürnberg hat erstmals seit vier Jahren die zweite Pokalrunde erreicht. Der viermalige Pokalsieger setzte sich nach drei Erstrundenniederlagen in Folge bei Drittligist VfR Aalen 2:1 im Elfmeterschießen durch. In 120 Minuten zuvor war kein Tor gefallen.

Den entscheidenden Elfmeter für die Mannschaft von Trainer René Weiler verwandelte der eingewechselte Stefan Kutschke, zuvor waren Hanno Behrens, Miso Brecko und Even Hovland am starken VfR-Keeper Daniel Bernhardt gescheitert. Aalen schoss jedoch drei Elfmeter über das Tor, einer ging an die Latte.

krä/chp/sid/dpa

insgesamt 137 Beiträge
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petruz 10.08.2015
1. Der Wurf..
war für Selke gedacht, dass war ganz klar zu erkennen. Ist zwar bedauerlich, gerade wegen des Spielstands, aber sowas kommt vor, kann bei jedem Verein passieren. Auch wenn das die modernen Fußballfans hier im Forum sicher wieder als Grund nehmen, Traditionsvereine schlechtzureden.
mvp81 10.08.2015
2. Selten dämlich :-(
Spielabbruch gerechtfertigt, soviel steht fest. Trotzdem ganz schwache Leistung der Dosenkicker und deren Anhang, die den Abbruch ordentlich abfeiern... Festzuhalten bleibt: mit Geld kann man vieles aber eben auch nicht alles kaufen. Mir tut es leid für die Kicker aus Osnabrück die alles rausgehauen haben aber wahrscheinlich mit leeren Händen dastehen
lacrima74 10.08.2015
3. Spielabbruch in Osnabrück
Wie bescheuert seid ihr "Fans" von Osnabrück? Ist euch eure Tradition zu Kopf gestiegen? Mensch, eure Mannschaft hätte fast gewonnen!! Zu RB schreien:"Ihr macht unseren Sport kaputt..." und dann so eine Aktion! Mein Herz schlägt für RB und doch habe ich eurer Mannschaft die Daumen gedrückt.
Desobediencia_Civil 10.08.2015
4.
Wenn das Spiel jetzt gegen Osnabrück gewertet wird, zeigt das mal wieder die komplette Realitätsferne der Verbände.
stanislas 10.08.2015
5. ...rein hypothetisch
über die Verwerflichkeit der Tat sind wir uns ja sicher alle einig. Wer hat nun aber das Feuerzeug geworfen? Ein Fan von Osnabrück, oder von Leipzig? Wer profitiert nun vom Spielabbruch und der mutmaßlichen Wertung für Leipzig? Wenn das nur mal keine Schule macht... Im Interesse des Sports kann man nur auf Aufklärung über den Werfer hoffen.
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