Spielabbruch nach Platzsturm Schwere Fan-Krawalle im Athener Olympiastadion

Der griechische Traditionsclub AEK Athen steht vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte: Beim Heimspiel gegen Panthrakikos Komotini stürmten Hunderte Anhänger den Platz. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein, die Partie wurde abgebrochen.

DPA

Hamburg - Als das 0:1 fiel, hielt es die AEK-Anhänger nicht mehr auf den Rängen: Das Spiel der Athener gegen Panthrakikos Komotini musste in der 87. Minute nach dem Führungstreffer für Panthrakikos unterbrochen werden. Hunderte aufgebrachte AEK-Hooligans hatten das Spielfeld des Olympiastadions gestürmt.

Wie TV-Bilder zeigten, flohen Schiedsrichter, Trainer und Spieler in die Katakomben. Die Polizei versuchte, die aufgebrachten Fans mit Tränengas und Blendgranaten zu vertreiben. Später wurde das Stadion geräumt. Auch außerhalb der Arena soll es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Randalierern gekommen sein, berichten Augenzeugen.

"Wir durchleben gerade eine sehr schwierige Phase", sagte Trainer Traianos Dellas. "Ich würde dazu gerne vieles sagen, aber ich will die Sache nicht noch schlimmer machen."

Rund eineinhalb Stunden nach der Unterbrechung reisten die Spieler von Panthrakikos ab. Damit war das Spiel endgültig abgebrochen. Mit Spannung wird die für Donnerstag angekündigte Entscheidung der Disziplinargremien des griechischen Fußballverbands erwartet.

AEK droht Punktabzug - und damit der Abstieg

Der Verband wird wohl Komotini den Sieg zusprechen, AEK Athen droht der Abzug von drei Punkten - und damit der Abstieg. Der Traditionsverein wäre bei einer Strafe einen Spieltag vor dem Ende der Meisterschaft nicht mehr zu retten, auch ein Sieg im Saisonfinale gegen den Fünftplatzierten, Atromitos Athen, würde dann nicht mehr genügen.

Denn der Club hätte im Falle eines Punktabzugs vor dem letzten Spiel bereits fünf Punkte Rückstand auf Aris Saloniki und OF Iraklion, die beide derzeit 32 Punkte haben. Komotini hätte, falls das Disziplinargremiun den Club nachträglich zum Sieger des abgebrochenen Duells erklärt, 33 Punkte - und zudem ein besseres Torverhältnis als AEK.

Panathinaikos Athen waren bei einem vergleichbaren Platzsturm gegen Olympiakos Piräus in der vergangenen Saison fünf Punkte abgezogen worden, das Spiel wurde 0:3 gewertet, und der Club musste vier Spiele ohne Fans austragen.

Es wäre der erste Abstieg in der Geschichte der AEK, die elfmal die Meisterschaft feiern konnte. Der griechische Club hatte in dieser Saison schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Mitte März hatte Mittelfeldspieler Giorgos Katidis mit seinem Hitlergruß-Torjubel einen Eklat provoziert. Vor einer Woche war der deutsche Trainer Ewald Lienen beurlaubt worden.

bka/leh/dpa/AP

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ziegenzuechter 14.04.2013
1. Solche
entsetzlichen Szenen drohen auch Deutschland, wenn nicht endlich hart durchgegriffen wird. Die Chaos- und Hooliganhorden, verharmlosend "Ultras" genannt werden von Jahr zu Jahr militanter und gewalttätiger. Busse anderer Fans werden mit Steinen angegriffen, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz gelten als Kavalierdelikt, Prügeleien und Suff sowie Amphetamingebrauch sind an der Tagesordnung. Der normale Zuschauer traut sich (wenn überhaupt) nurnoch aufgrund extremen Polizeieinsatzes in die Stadien. Bereitet dem Spuk ein Ende bevor es zuspät ist.
tecasiba 15.04.2013
2. Athen ist eben nicht Düsseldorf
Sicher, Athen ist nicht Düsseldorf. Schon deswegen nicht, weil es weiter südlich liegt. Und schon gar nicht, weil der Klub aus Athen nicht über die „sozialen Netzwerke“ verfügt, wie es der Verein aus dem Rheinland wohl hatte. Wir erinnern uns: Der Protest der Berliner gegen die Wertung des Rückspiels des Relegationsspiels der letzten Saison aufgrund des Platzsturms der Zuschauer wurde mit überwiegenden Bestrafungen der Berliner geahndet. Begründet wurde dies, da es sich um einen „positiven Platzsturm der Düsseldorfer Fans “gehandelt habe und dass die (zurecht) erbosten Berliner in der Hitze des Gefechts wohl etwas überreagiert hätten. In der Bananenrepublik Deutschland ist das halt möglich. Und wenn der Club aus Athen auch das Glück haben würde, dass der Präsidenten des griechischen Fussballverbandes zum Beispiel J. Niersbachpopoulos heißen würde und rein zufällig glühender Fan der Fortuna und treues Vereinsmitglied des Clubs aus Athen gewesen wäre…., ja dann hätten sie das dort mit Sicherheit auch nur als “positiven Platzsturm“ gewertet. Aber Athen ist eben nicht Düsseldoof….
Hank the voice 15.04.2013
3. da ist viel Frust drin
bei über 57% Jugendarbeitslosigkeit ist die Frustrationstoleranz recht niedrig. Irgendwo muss der Dampf abgelassen werden, dies soll keine Entschuldigung für dumme Gewalt sein.
legastenie 15.04.2013
4. Oje
Übermut tut gar nicht gut. AEK hat gerade mal ne mittelmäßige Zweitligatruppe und holt mal schnell den Wundertrainer. Besser mal die Realitäten sehen und neu anfangen. Am besten mit Lienen, der weiß wie das in Europas Armenhaus geht.
ypw 15.04.2013
5.
Da kommt ein Artikel zu Griechenland und der erste Kommentar handelt von Ultras in Deutschland. Peinlicher Mensch da oben. Zum Artikel : Naja, ist halt Griechenland. Auf der einen Seite stehen die Fans für eine unglaubliche Leidenschaft, aber das kann auch mal schnell ins Negative kippen. Man muss sich die Tabellensituation vor Augen führen um das zu begreifen. Da spielst du am vorletzten gegen deinen Konkurrenten um den Nicht Abstiegsplatz und dann kriegst du kurz vor Schluß das 0-1. Verständlich, dass bei einigen die Sicherungen durchgebrannt sind, auch wenns ärgerlich ist. Kämpfen AEK, kämpfen Original 21.
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