Spieler zum Schnäppchenpreis: "Das wäre eine traurige Entwicklung"

Stars wie Klose und Frings trotz laufenden Vertrages zum Sonderangebot: Ein Artikel in den Fifa-Statuten soll das möglich machen. Horst Heldt, Manager des VfB Stuttgart, versteht die Aufregung nicht und appelliert im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE an die Ehre der Spieler.

SPIEGEL ONLINE: Herr Heldt, haben Sie Angst um Ihre begehrten Spieler?

Heldt: Nein. Wir sehen das gelassen. Diesen Artikel im Fifa-Recht gibt es ja schon eine längere Zeit. Und wer ihn genauer betrachtet, sieht, dass hier keine direkte Gefahr für die Vereine bestehen muss. SPIEGEL ONLINE: Das sehen manche Medien anders.

Heldt: Es ist schon ärgerlich, wenn nicht richtig recherchiert wird. Denn es muss schon Einiges passieren, bis ein Spieler diesen Schritt wirklich geht und sagt: Ich will weg.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie das präzisieren?

Heldt: Das Verhältnis zwischen Verein und Spieler muss bei so einem Vorgang grob gestört sein. Da reichen normale Meinungsverschiedenheiten nicht aus. Wenn ein Spieler sechs Monate nicht gespielt hat oder Strafen gegen ihn ausgesprochen wurden, dann könnte das vielleicht relevant werden.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie die Bestimmungen dennoch verstehen?

Heldt: Das Arbeitsrecht lässt sich nicht einfach eins zu eins übersetzen. Der Artikel bezieht sich auf EU-Recht und stimmt grundsätzlich nicht mit den Gepflogenheiten des Profifußballs überein. Laut EU-Recht könnte ein Spieler ja auch vor das Arbeitsgericht ziehen, wenn er wegen einer Roten Karte wochenlang gesperrt ist. Macht ja aber auch keiner. Deswegen denke ich nicht, dass dieser Paragraph bei uns so zum Tragen kommt.

SPIEGEL ONLINE: Selbst wenn Sie dadurch billiger an Spieler herankommen könnten?

Heldt: Sicherlich nicht. Wir respektieren Verträge.

SPIEGEL ONLINE: Auch wenn es um Millionen geht?

Heldt: Im Endeffekt profitiert doch niemand davon. Der Spieler schadet seinem alten Verein und auch der neue Club steht nicht gut da. Außerdem sind auch Fußballer mündige Personen, die mit einem Vertragsabschluss zwar Rechte erwerben, aber auch Pflichten eingehen. Und diese Pflichten sind unter anderem, die Vertragsdauer zu respektieren. Und wenn jetzt diese Sache am Fall Torsten Frings aufgemacht wird, kann ich nur sagen: Der Spieler hat doch auch dem Verein viel zu verdanken. Da kann ich mir ein Vorgehen nach diesem Artikel, der in Deutschland mehrere Jahre nicht angewandt wurde, seitens des wechselwilligen Profis bei bestem Willem nicht vorstellen. Das wäre eine traurige Entwicklung, mit der ich aber nicht rechne.

Interview: Frieder Pfeiffer

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