Spitzenreiter München Die Bammel-Liga macht es Bayern leicht

Der FC Bayern München beherrscht die Bundesliga derzeit nach Belieben. Das spricht für die Mannschaft und Trainer Jupp Heynckes, aber noch viel mehr gegen die Konkurrenz. Die Gegner trauen sich gegen den Tabellenführer einfach viel zu wenig zu. 

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dapd

Ob irgendwer am Wochenende mal an Arjen Robben gedacht hat? Es ist nicht lange her, da war der Niederländer unverzichtbar fürs Spiel des FC Bayern München. Robben war der Heilsbringer. Wenn er verletzt war - und das war oft genug der Fall - wurden die ärztlichen Bulletins zum Stand seiner Genesung annähernd wie Evangelien aufgenommen. Am Samstag saß der Stürmer-Star wieder einmal angeschlagen auf der Tribüne, und unten auf dem Platz feierten seine Teamkollegen beim 4:0 über Hertha BSC den siebten Sieg im neunten Ligaspiel. Wie zuletzt immer ohne Gegentreffer. Souverän, locker, leicht.

Niemand hat Robben vermisst, und niemand bezweifelt derzeit, dass die Bayern in diesem Jahr Meister werden. Die "Bild"-Zeitung schreibt: "Bayern spielt nur noch gegen die eigenen Rekorde." Die Spielzeit ist noch nicht einmal zu einem Drittel vorbei, aber die Ersten basteln bereits an der Formulierung ihrer Glückwunschkarten.

Das Team von Jupp Heynckes hat die Liga erfolgreich eingeschüchtert. Es wirkt wie in den alten Zeiten, als die Gästeteams schon in dem Bewusstsein nach München fuhren, es gehe allein darum, die sichere Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten. Die "Süddeutsche Zeitung" hat nach dem bangen Auftritt der Berliner Hertha in München einen Aufruf an alle Clubs gestartet, überhaupt einmal aufs Bayern-Tor zu schießen. Die Gegner der vergangenen Wochen, ob Freiburg (7:0), der Hamburger SV (5:0) oder Hertha, hatten darauf weitgehend verzichtet.

Der Spielplan meint es gut mit dem FC Bayern

Freiburg, HSV, Hertha - damit ist allerdings auch die Kategorie der Teams benannt, über die sich der FC Bayern seine beeindruckende Bilanz von 22 Punkten und 25:1 Toren herausgearbeitet hat - das einzige Gegentor stammt aus der allersten Partie, der Auftaktpleite gegen Borussia Mönchengladbach. Der Spielplan der Hinrunde meint es durchaus gut mit dem Rekordmeister. Auf dem Papier war das Auswärtsspiel auf Schalke die bisher am schwersten zu meisternde Herausforderung. Als die Bayern in Gelsenkirchen aufliefen, trafen sie auf ein Team, das sich mehr mit sich selbst als mit dem Gegner zu beschäftigen hatte. Mit einem Trainer, der Tage später aufgrund eines Burnouts seinen vorläufigen Abschied vom Spitzenfußball erklärte.

Die ganz schweren Aufgaben blieben dem Spitzenreiter bisher erspart. Und das wird zunächst auch so bleiben: Die vermeintlichen Herausforderer, Titelverteidiger Borussia Dortmund und das wiedererstarkte Werder Bremen, müssen in den kommenden Wochen noch in der Münchner Arena antreten. Im Gegenzug dürfen die Bayern nach Augsburg und Mainz reisen. Erst die Rückrunde mit den Auswärtspartien in Mönchengladbach, Leverkusen, Dortmund und Bremen gibt Aufschluss darüber, wie dominant der FC Bayern in dieser Saison tatsächlich ist.

So wird das Gastspiel der Bayern am kommenden Sonntag in Hannover schon zu so etwas wie DEM Härtetest der Hinrunde. Bei 96 hat der FC Bayern in der Vorsaison seinen Offenbarungseid geleistet. Das 1:3 war der Anfang vom Ende der Trainerzeit von Louis van Gaal - danach arbeitete der Niederländer nur noch einen Monat lang quasi auf Bewährung, bevor sich der FC Bayern endgültig von ihm trennte.

Heynckes hat die Konfliktkultur beendet

Damals kam eine Münchner Mannschaft nach Hannover, die zuvor von Borussia Dortmund im eigenen Stadion geradezu gedemütigt worden war, die das Pokal-Halbfinale gegen den FC Schalke verloren hatte - eine Mannschaft, verunsichert durch die monatelangen Reibereien zwischen Trainer und Vereinsführung. Auf der anderen Seite befand sich das Hannoveraner Team im Höhenflug, ein Verein, der seit Monaten am Limit spielte.

Die Voraussetzungen vor dem erneuten Duell der beiden Teams haben sich seitdem grundlegend gewandelt. Heynckes hat den Verein befriedet. Und das ist auch sein bisher größtes Verdienst, seit er zum nunmehr dritten Mal auf der Bayern-Bank Platz genommen hat. Van Gaal war im Vergleich zu Heynckes sicherlich der größere Fachmann und der innovativere Fußballlehrer. Aber sein Beispiel zeigt: Ein Team, in dem eine Konfliktkultur gehegt wird, in dem Dissens bewusst geschürt und am Leben gehalten wird, ist offenbar nicht zu nachhaltigem Erfolg in der Lage.

Daher funktioniert auch das Prinzip Felix Magath, zu besichtigen in Wolfsburg und zuletzt auf Schalke, nur bis zu einem gewissen Punkt. Druck hilft, Dauerdruck jedoch verängstigt. Heynckes dagegen lässt das Team mehr oder weniger in Ruhe. Er lässt es spielen. Mehr wollen diese technisch und taktisch ohnehin bestens ausgebildeten Stars gar nicht.

Der FC Bayern München ist zweifellos das mit Abstand am stärksten besetzte Team in Deutschland. Aber das war die Mannschaft auch in den Jahren, in denen es nicht zur Meisterschaft reichte. Wer sich allerdings keinen Sieg über die Bayern zutraut, der wird gegen diese Mannschaft auch nicht gewinnen.

Genau deswegen könnte Hannover ein Zeichen setzen. Gegen den Kleinmut, die Verklemmtheit der Liga. Eine Abwehr, in der Jérôme Boateng und Daniel van Buyten Schlüsselrollen haben, kann schließlich kein unüberwindbares Hindernis sein.

Es spricht denn auch eher gegen die Liga als für die Bayern-Abwehr, dass Torwart Manuel Neuer bisher noch am wenigsten zur beeindruckenden Abwehrbilanz des Tabellenführers beizutragen hatte. Weil er einfach keine Gelegenheit erhält, sein Können unter Beweis zu stellen. Am Samstag gegen Hertha hatte Neuer nichts zu tun. Er musste sich nur darum sorgen, sich in der Herbstkälte keinen Schnupfen zu holen.



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insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
Redigel 17.10.2011
1. Dr.
Zitat von sysopDer FC Bayern München beherrscht die Bundesliga derzeit nach Belieben. Das spricht für die Mannschaft und*Trainer Jupp Heynckes, aber noch viel mehr gegen die Konkurrenz. Die Gegner trauen sich gegen den Tabellenführer einfach viel zu wenig zu.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,792129,00.html
Die Bayern waren auch noch nicht in Dortmund...
Infared83 17.10.2011
2. ...
" Der FC Bayern München beherrscht die Bundesliga derzeit nach Belieben. Das spricht für die Mannschaft und Trainer Jupp Heynckes, aber noch viel mehr gegen die Konkurrenz. Die Gegner trauen sich gegen den Tabellenführer einfach viel zu wenig zu. " Dieser Absatz steht jede 2. Saison in zig Artikeln über den FC Bayern. Es ist doch klar, dass man gegen die momentan extrem stark aufspielenden Bayern eher defensiv spielt (spielen muss) besonders wenn das eigene Offensivpotential stark begrenzt ist. Kommen wir also zu der anderen Hälfte der Ligaspielzeiten: Da haben die Müpnchner Bayern sehr häufig einen Hänger, Motivationsprobleme nach einer tollen Saison, Formkrisen etc. Wenn die Gegner so etwas merken ist doch klar, dass dann versucht wird offensiver zu spielen um solche Chancen zu nutzen. Aber ständig irgendwelche copy and paste-Artikelchen schreiben ist wirklich zum gähnen. Off Topic: Was muss man hier eigentlich machen, damit nicht ständig Kommentare einfach nicht gepostet, gelöscht oder sonstwie abhanden kommen?
takamura, 17.10.2011
3. anmerkungen...
wahrlich wahrlich: noch sind keine richtigen männer gegen die bayern angetreten! wenn ich so sehe wie die anderen spielen, dann hat der fc nichts zu befürchten. die abwehr ist nämlich sehr instabil. nur, sie standen noch nicht so unter druck. für mich zählt sowieso die k.o. runde der landesmesiter als maßstab ob eine mannschaft gut ist oder nicht! viva barcelona!
SimonSays 17.10.2011
4. Wie mans braucht...
Es ist immer schön zu wissen, dass andere Mannschaften in Deutschland göttlichen Fußball spielen, wenn sie mal auf gleichem (oder in der vergangenen Saison höherem) Niveau unterwegs sind wie der FC Bayern....der FC Bayern allerdings scheinbar immer gegen schwache Gegner spielt. Wenn man daran denkt, wie der Dortmunder Fußball am ersten Spieltag über den grünen Klee gelobt wurde (und ja....das war auch gegen den HSV...) Klar ist der Spielplan derzeit so, dass die vermeintlich "schwächeren" Gegner (nach momentanem Tabellenstand) gegen München spielen....aber vielleicht ist das ja auch nur von Vorteil für die anderen Clubs, die möglicherweise erst auf die Bayern treffen, wenn die mal wieder etwas runter gekommen sind...
Mülheimer, 17.10.2011
5. Was soll das?
Zitat von sysopDer FC Bayern München beherrscht die Bundesliga derzeit nach Belieben. Das spricht für die Mannschaft und*Trainer Jupp Heynckes, aber noch viel mehr gegen die Konkurrenz. Die Gegner trauen sich gegen den Tabellenführer einfach viel zu wenig zu.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,792129,00.html
Ich bin nun wirklich kein Bayern-Fan, aber wie kommen Sie zu der Aussage: Van Gaal war im Vergleich zu Heynckes sicherlich der größere Fachmann? Was zeichnet van Gaal aus? Seine Bereitschaft vor der Mannschaft seine Hose herunter zu ziehen? Van Gaal ist ein eitler Selbstdarsteller, aber was zeichnet ihn als Fachmann aus? Ich fand ihn immer nur peinlich!
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