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Objektive Bundesliganoten bei SPIEGEL ONLINE: Schluss mit der Willkür!

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Seit es die Bundesliga gibt, werden Profis von Journalisten benotet. Die subjektiven Urteile sorgen regelmäßig für Jubel oder Kopfschütteln. Aber kann man Leistung objektiv messen? Man kann. Hier ist der SPIX.

Schalkes Höwedes: In der ersten Elf des Spieltages Zur Großansicht
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Schalkes Höwedes: In der ersten Elf des Spieltages

Irgendwann hat mal jemand gescherzt, in Deutschland gebe es 80 Millionen Bundestrainer. In Wahrheit sind es 50 Millionen, weil man ja die Kleinkinder abziehen muss und die Menschen, die sich nicht für Fußball interessieren. Dass die meisten dieser 50 Millionen keinen Trainerschein haben, ist übrigens nicht von Belang. Entscheidend ist, dass sie Bundestrainer (oder Bundesligatrainer) sein könnten, wenn man sie nur ließe. Denn sie haben das, was zählt: Ahnung.

Die Folgen zeigen sich immer sonntags und montags, wenn vermeintliche Ahnung auf vermeintlich keine Ahnung trifft: Die Bundestrainer checken die Bundesliganoten in "Bild" oder "Kicker", danach wird geflucht oder mit dem Kopf geschüttelt. Bei den Benoteten ist das übrigens oft nicht anders, wie Maurizio Gaudino einmal dem Magazin "11 Freunde" gestand: "In meiner Anfangszeit in Stuttgart habe ich sehr auf die Noten geachtet und mich auch oft geärgert." Die subjektive Bewertung emotionalisiert so sehr, weil jeder die eigene Bewertung gern mit der von Experten abgleicht, um sich entweder bestätigt zu fühlen oder ärgern zu können.

Bundesliga anno 1963: Die Anfänge der Spielernoten Zur Großansicht
DPA

Bundesliga anno 1963: Die Anfänge der Spielernoten

Um die Notenvergabe selbst ranken sich Mythen, seit 1963 das "Sportmagazin" die ersten Zensuren abdruckte. Gern erzählt wird die Geschichte eines ehemaligen "Bild"-Journalisten und Matthäus-Intimus, der mit Kumpel Lothar angeblich die Bayern-Noten durchsprach. Die Benotung wurde von Reportern als Instrument genutzt, Spieler oder Berater abzuwatschen; in der Mehrzahl sind die Notengeber willens, objektiv zu bewerten. Doch selbst denen bleiben am Ende nur die wichtigsten Aktionen im Gedächtnis, die Note ist gebildet aus subjektiv bewerteten Aktionsschnipseln.

Das wollten wir ändern. Deshalb hat ein Team von SPIEGEL-ONLINE-Journalisten vor mehr als neun Monaten ein Experiment gestartet. Datenjournalisten, ein Taktikexperte mit Scouting-Erfahrung, Sportjournalisten, Programmierer, dazu mit dem Münsteraner Professor Andreas Heuer ein mit dem Thema vertrauter Wissenschaftler: Wir alle wollten uns nicht mehr mit der subjektiven Benotung von Fußballern zufriedengeben, wir wollten Leistung messbar machen. Heute sind wir überzeugt: Wir könnten einen großen Schritt gemacht haben. Mit dem SPON-Index (SPIX).

Wie entsteht der Index? Warum vergeben wir keine Schulnoten? Und wieso sollte ich keine Spieler positionsübergreifend vergleichen? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die SPIEGEL-ONLINE-Spielerwerte.

Wie bilden sich die Werte eines Profis pro Spieltag?

Jeder Spieler trägt auf seiner Position auf unterschiedliche Weise zum Erfolg der Mannschaft bei. Ganz oberflächlich: Ein Torhüter hält Bälle, ein Innenverteidiger gewinnt Zweikämpfe, ein Stürmer schießt Tore usw. Doch nicht nur der Fußball ist komplexer geworden, auch die Anforderungen an die einzelnen Positionen haben sich verändert, qualitativ und quantitativ. So ist ein Innenverteidiger, der vor allem viele Zweikämpfe gewinnt, nicht automatisch ein guter Innenverteidiger. Denn wer Pässe antizipiert, richtig steht und Bälle abfängt, muss gar keine Zweikämpfe führen.

Wir haben für jede Position auf dem Feld in einem langen Prozess 50 Leistungskriterien definiert und diese dann unterschiedlich stark gewichtet. Eine detaillierte Erklärung, wie wir gerechnet haben, finden Sie hier in der Datenlese.

Wie kommen wir an die Daten?

Der Sportdatenanbieter Opta, offizieller Erheber der Daten für die Deutsche Fußball Liga, erfasst alle relevanten Spieldaten einer Bundesligapartie, und er tut das in Echtzeit. So ist es möglich, die Anzahl abgefangener Pässe ebenso live abzubilden wie Torschüsse aus einer bestimmt Zone des Strafraums. Mit Hilfe der SPIX-Formel entstehen so im Hintergrund in Echtzeit die Werte, die dann in unserem Fußball-Spezial abgebildet werden. Aber Vorsicht: Diese verändern sich während eines Spiels, der finale Index steht erst nach dem letzten Spiel eines Bundesligaspieltags fest.

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Warum ist das so?

Der Index entsteht aus dem Vergleich aller Spieler einer Position, die mindestens 30 Minuten gespielt haben. Beim Freitagabendspiel ist die Vergleichsgröße sehr klein, das ändert sich am Samstag, bevor schließlich die Spieler der letzten Sonntagspartie mit den Leistungen der Akteure aus den acht Spielen davor ins Verhältnis gesetzt werden. Weil für alle Positionen unterschiedlich gewichtete Leistungskriterien gelten, macht es auch keinen Sinn, Profis positionsübergreifend zu vergleichen. Es kann vorkommen, dass ein Torwart mit einem Wert von 80 unter allen Torhütern nur Durchschnitt ist, während ein Mittelfeldaußen mit 75 überragte.

Warum keine Schulnoten?

Schulnoten sind absolute Werte, die eine Aussage (nur) über die individuelle Leistung treffen. Die Indexwerte sind komplexer, sie setzen die Leistung eines Spielers in einem Spiel ins Verhältnis zu seinen Konkurrenten am selben Spieltag auf der gleichen Position.

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SPIX: So funktionieren die Bundesliganoten
Ein Spieler, mehrere Positionen - und dann?

Es ist ein Automatismus: Spielt ein Spieler 30 Minuten pro Spiel, bekommt er einen Index für das Spiel. Weil es aber vorkommen kann, dass ein Spieler in einer Partie mehrere Positionen über die erforderliche Mindestdauer bekleidet, kommt es vor, dass er auch zwei Indexwerte bekommt. Im Extremfall bedeutet das auch: Spieler, die auf mehreren Positionen Herausragendes leisten, können es demnach auch auf mehreren Positionen in die Elf des Tages schaffen.

#SPON11

Ab diesem Montag finden Sie auf SPIEGEL ONLINE nach jedem Bundesligaspieltag immer die beste Elf, sortiert nach den Positionen

· Torwart,
· Innenverteidiger,
· Außenverteidiger,
· defensives Mittelfeld zentral,
· offensives Mittelfeld,
· Mittelfeld außen,
· Stürmer.

Ihr Lieblingsspieler ist nicht zu sehen? Wischen oder klicken Sie sich einfach durch die jeweiligen Positionen der SPON11.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit den neuen Bundesliganoten bei SPIEGEL ONLINE.

Die SPON11 des 9. Spieltages
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Zum Autor
Christian Gödecke ist Sportchef von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Goedecke@spiegel.de

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Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
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1. Prima!
rudi_1957 19.10.2015
Dann kann man sich subjektiv über die objektiven SPIX Noten streiten! :)))
2.
kospi 19.10.2015
Man muss es halt hinnehmen, wie's Wetter. Das Geschrei wird eh bald losgehen. Neuer ganz hinten und Lewandowski auch unter ferner liefen; das grenzt schon an Blasphemie. :)
3. Guter Ansatz...
schwaebischehausfrau 19.10.2015
...aber auch diese dann sehr schematische Bewertung wird der Komplexität des Spiels nicht gerecht werden können. Manchmal reichen 1, 2 geniale Pässe im Spiel trotz hoher Fehlpass-Quote im Rest des Spielesl, um ein Spiel zu entscheiden und eine top Leistung abzuliefern. Und umgekehrt befürchte ich, dass in den SPON-Rankings die bekannten 2-Meter-Querpass und Rückpass-Spieler mit "99-prozentiger Pass-Quote" automatisch weit nach oben rutschen werden.
4. wo?
ThomasTM 19.10.2015
und wo kann man sich übersichtlich diese SPIX-werte anschauen?! Tabellarisch mit suchfunktion oder ähnlichem. Wenn ich auf einzelne spieler klicke sind die zwar da, aber damit allein fange ich nix an ;-)
5. naja
Magratheaner 19.10.2015
Risse als LV und Wendt auf RV? eher nicht... Jarstein ist doch der Volleyballer, welcher nen Schuss über das Tor pritschte und beinahe durch Anschießen im Fünfer zum Tor des Tages wurde....
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