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Sport im TV: EU-Richter schmettern Gebührenpläne von Fifa und Uefa ab

Sportbegeisterte in ganz Europa können sich freuen: Auch künftig werden wohl Großereignisse wie die Fußball-WM im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Fifa und Uefa blitzten mit ihren Pay-TV-Plänen beim zweithöchsten EU-Gericht ab.

Weltmeister Spanien: Finalspiele dank Schutzliste für jeden im TV zu sehen Zur Großansicht
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Weltmeister Spanien: Finalspiele dank Schutzliste für jeden im TV zu sehen

Hamburg - Bedeutende Sportereignisse wie Welt- und Europameisterschaften im Fußball werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch zukünftig nicht ins Bezahlfernsehen (Pay-TV) verschwinden. Das hat das EU-Gericht in Luxemburg (EuG) am Donnerstag erstinstanzlich entschieden. Damit können der Weltverband (Fifa) und der europäische Verband (Uefa) ihre Pläne nicht wie gewünscht umsetzen.

Beide Verbände hatten gehofft, in einem größeren Maße als bisher Fußballrechte exklusiv an Pay-TV-Sender verkaufen und somit höhere Einnahmen erzielen zu können. Fußballrechte gehören weltweit zu den gefragtesten. Fifa und Uefa sahen sich gegenüber Wettbewerbern benachteiligt, in ihrer Dienstleistungsfreiheit behindert und ihr Eigentumsrecht verletzt.

Das nach dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) zuständige EuG erkannte zwar an, dass Fifa und Uefa nun erhebliche Einnahmeausfälle drohen. Es bewertete jedoch den Anspruch der Bürger auf frei empfangbare Berichterstattung über Großereignisse "von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung", wie es etwa im deutschen Rundfunkstaatsvertrag heißt, höher.

Berufung vor dem Europäischen Gerichtshof möglich

"Das ist eine gute Nachricht für Leute, die wichtige Sportveranstaltungen sehen wollen, ohne dafür zu bezahlen", sagte ein Sprecher von Neelie Kroes, der EU-Kommissarin für die Digitale Agenda. Ob die um zusätzliche Einnahmen gebrachten internationalen Fußballverbände Berufung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) einlegen werden, ist noch nicht entschieden.

Grundsätzlich ist die Berichterstattung über Sport-Ereignisse im Free-TV durch die EU-Fernsehrichtlinie garantiert. Die gültige Fassung wurde im November 2007 vom Europäischen Parlament verabschiedet. Die TV-Richtlinie, die erstmals 1989 in Kraft trat, soll gemeinsame Mindeststandards für das Fernsehen in Europa gewährleisten.

Es steht den einzelnen Mitgliedstaaten der EU jedoch frei, darüber hinaus gehende Regeln zu erlassen und somit ein noch höheres Schutzniveau zugunsten der Zuschauer zu schaffen. Dies hatten im am Donnerstag vor dem EuG verhandelten konkreten Fall auch Belgien und Großbritannien getan.

Im Fall Belgiens befanden sich auf der nationalen TV-Schutzliste alle Spiele der Fußball-WM, auf der britischen zudem noch sämtliche EM-Partien. Nach Ansicht der EuG-Richter könne ein EU-Staat unter bestimmten Bedingungen die Exklusivübertragung von Spitzenpartien im Pay-TV verbieten, damit diese frei zugänglich sind.

Finale auf der Schutzliste

Die Richter argumentierten, bei den vergangenen WM- und EM-Turnieren habe es eine hohe Zahl von TV-Zuschauern gegeben, "darunter viele, die sich normalerweise nicht für Fußball interessieren". Es sei daher auch möglich, neben den "Topspielen" wie etwa dem WM-Finale auch "Normalspiele", wie zum Beispiel Partien der Vorrunde, auf die Schutzliste zu setzen.

In Deutschland hatten sich bei der WM 2010 die Free-TV-Sender ARD, ZDF und RTL die Übertragungen der meisten Spiele unter sich aufgeteilt. Dabei wurden teilweise Zuschauerzahlen von mehr als 30 Millionen Fans erzielt. Der Pay-TV-Anbieter Sky zeigte als einziger Sender alle WM-Spiele live.

Schutzlisten gibt es in vielen EU-Staaten, unter anderem Deutschland, Frankreich, Österreich, Irland und Italien. In Deutschland müssen neben den Olympischen Sommer- und Winterspielen bei Fußball-EM/WM alle Spiele mit deutscher Beteiligung, das Eröffnungsspiel, die Halbfinalspiele und das Finale frei zu sehen sein.

Auf der deutschen Liste stehen auch weitere Länderspiele des DFB-Teams und das DFB-Pokalfinale. In Irland befinden sich unter anderem Pferderennen auf der nationalen Schutzliste, in Finnland Eishockey und in Italien das Formel-1-Rennen in Monza.

luk/ach/dpa/AFP/APD

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