Erfolgscoach Maurizio Sarri Es raucht in Neapel

Erstmals seit Diego Maradonas Zeiten führt der SSC Neapel zur Halbzeit Italiens Serie A an. Väter des Erfolgs: ein verkannter Torjäger - und ein Trainer, der sich aus der neunten italienischen Liga zum Tabellenführer hochgearbeitet hat.

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AFP

Als Maurizio Sarri im vergangenen Sommer zum neuen Trainer beim SSC Neapel ernannt wurde, wollte rund um das Stadion San Paolo keine Euphorie aufkommen. Nach dem weltmännischen, aber wenig geliebten Spanier Rafael Benítez wurde mit Sarri immerhin ein Italiener präsentiert, einer, der sogar in Neapel geboren ist. Aber welche Klubs hatte er vorher trainiert? Faellese, Tegoleto, Sansovino, Sangiovannese, Avellino - das klingt nicht nach Rückkehr in die Champions League.

Die Königsklasse hatte Napoli unter Benítez verpasst, Klubboss Aurelio De Laurentiis konnte deshalb mit dessen Abgang zu Real Madrid gut leben. Sarri wiederum hatte nach Jahren in der Provinz - er fing in den Neunzigerjahren als Trainer in der neunten italienischen Liga an - den FC Empoli in die Serie A und dort mit einer offensiven Spielweise zum Klassenerhalt geführt. Gegen Neapel holte Empoli vier Punkte, De Laurentiis soll bei der 2:4-Niederlage in der Toskana schwer beeindruckt gewesen sein.

Sarri, der zu Beginn seiner Trainerkarriere noch in einer Bank gearbeitet hatte, sollte das schöne, offensive und spektakuläre Spiel zurück nach Neapel bringen. Dafür gehen die Tifosi seit Diego Maradonas Zeiten ins San Paolo. Mit dem argentinischen Idol hatte Neapel 1990 letztmals die italienische Meisterschaft gewonnen.

Sarri denkt nur ans nächste Spiel

Nach einem holprigen Start mit drei Spielen ohne Sieg hat Sarri seinen Auftrag erstaunlich schnell in die Tat umgesetzt.

Napoli spielt im neuen 4-3-3 derzeit den spektakulärsten Fußball in der Serie A, hat die meisten Tore (38) erzielt, stellt zudem die zweitbeste Abwehrreihe - und hat sich am vergangenen Spieltag nach einem 5:1-Sieg gegen Frosinone Calcio erstmals seit Maradonas Zeiten den inoffiziellen Hinrundentitel gesichert. Als größter Konkurrent um die Meisterschaft gilt das ähnlich schlecht gestartete Juventus, das nach einer vergleichbaren Aufholjagd in der Tabelle nur noch zwei Punkte hinter Napoli steht.

Sarri, der seine Mannschaft stets im Trainingsanzug coacht und an der Seitenlinie schon mal zur Zigarette greift, zeigte sich vom jüngsten Erfolg unbeeindruckt. "Es war eine gute Leistung, aber das ist auch schon alles. Im Winter wird noch kein Titel vergeben", sagte er nüchtern. "Das letzte Mal, als wir in diesem Jahr ganz oben standen, haben wir das folgende Spiel verloren." Das war Anfang Dezember nach dem Sieg im Duell gegen Inter Mailand, als eine Pleite gegen Bologna folgte. Nun heißt der nächste Gegner Sassuolo.

Higuaín auf Maradonas Spuren

Den größten Anteil am Höhenflug hat die Offensivabteilung mit den wendigen Außenstürmern Lorenzo Insigne, José Callejon und Dries Mertens sowie Gonzalo Higuaín. Gegen Frosinone traf der Top-Torjäger der Serie A doppelt - mit einem Elfmeter und einem Sololauf durch die gesamte Abwehr. Der Mittelstürmer hat nun 18 Tore in 19 Spielen erzielt. In Italien wird er schon mit Maradona verglichen, immerhin ist auch er Argentinier.

Tatsächlich verwundert sein langer Verbleib in der Serie A. Higuaín traf schon zu seiner Zeit bei Real Madrid (2007 bis 2013) regelmäßig, er gilt als kompletter Angreifer mit großer spielerischer und herausragender Abschluss-Qualität. Gerüchte bringen ihn immer wieder mit Klubs aus der Premier League in Verbindung, aktuell soll der FC Arsenal Interesse an einer Verpflichtung Higuaíns haben.

Der Stürmer, mit 28 Jahren im besten Alter, denkt aber nicht an einen Wechsel: "Hinrunden-Meister zu sein, ist nichts wert. Was zählt, ist, im Mai ganz vorne zu stehen", sagte Higuaín. "Wir müssen alle Spiele so angehen, als ob sie ein Finale wären und genauso weitermachen." Sarri und Higuaín - mit diesem Erfolgsduo erscheint in Neapel vieles möglich.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
kevinschmied704 11.01.2016
1. Forza Napoli
Nur der SSC! ^^
wi_hartmann@t-online.de 11.01.2016
2. Maurizio Sarri
In Neapel ticken die Uhren anders. Nur mit einem "Eigen- gewächs" ist der Erfolg des SSC Neapel möglich.
quertreiber-30er_baujahr 11.01.2016
3.
Diese Mannschaft ist eine Tormaschine. Higuain ist aber kein Ausnahmestürmer, er trifft zwar, aber mit anderen (schlechteren) Hintermännern wäre dem nicht so.
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