Pyro-Aktion auf St. Pauli Rätselraten um die Bengalos auf dem Bunker

Der Deutsche Fußball-Bund verhängt regelmäßig Bußgelder gegen Vereine, deren Fans im Stadion zündeln. Einige St.-Pauli-Anhänger verlagerten das Feuerwerk nun auf ein Gebäude neben dem Millerntor. Doch wer steckt hinter der Aktion?

Von Josef Opfermann

DPA

SPIEGEL ONLINE Fußball
Pünktlich zum Anpfiff brannte es auf dem Dach des Bunkers neben dem Hamburger Millerntor-Stadion. Leuchtfackeln, Strobos und Feuerwerk hüllten das Dach in dichten, roten Qualm. Ein Schriftzug prangte an der Hauswand des Bunkers auf dem Heiligengeistfeld: "Willkommen in der Hölle von St. Pauli." Keine 100 Meter entfernt im Millerntor-Stadion herrschte eine Mischung aus Erstaunen und anerkennendem Jubel bei den Fußballfans.

Alles sah wie eine perfekte Choreografie aus. Allerdings haben die Leuchtfeuer und der Schriftzug an der Hauswand weniger miteinander zu tun, als man vermuten könnte. Die Pyro-Aktion war der Tatendrang von Unbekannten, das andere eine Promotion-Aktion von Viva con Agua.

Die gemeinnützige Organisation wollte Werbung für die Millerntor-Gallery machen, ein internationales Kulturevent, das im Juli im Stadion des Zweitligisten stattfinden wird. Der FC St.Pauli arbeitet seit Jahren eng mit Viva con Agua zusammen. Gemeinsam hatten sie eine Präsentation an den Bunker projiziert, mit Statements und Totenkopf-Symbolen. Das war geplant. Die Pyroshow auf dem Dach hingegen nicht.

"Das war eine Aktion, von der weder der FC St. Pauli noch Viva con Agua wussten. Von unserer Seite war niemand dort oben. Wir hatten unsere Beamer an der Nordtribüne aufgebaut", sagt Claudia Gersdorf, Pressesprecherin von Viva con Agua.

Personalien von drei St.-Pauli-Fans aufgenommen

Es liegt nahe, dass die Leuchtfeuer auf dem Dach ein Zeichen von St.-Pauli-Anhängern an die Fußballverbände sind. Erst Anfang Januar hatte der DFB den FC St. Pauli mit einer Geldstrafe belegt. Weil Fans während des DFB-Pokal-Spiels zu Hause gegen Borussia Dortmund Leuchtfackeln im Stadion gezündet hatten, musste der Verein 10.000 Euro zahlen. Eine Summe, die den Klub schmerzt. Auch beim Auswärtsspiel in Sandhausen brannten St.-Pauli-Fans wieder bengalische Feuer ab. Eine weitere Strafe ist nicht ausgeschlossen.

Der Vorfall vom Montagabendspiel gegen Greuther Fürth verdeutlicht den Standpunkt der Fans und könnte eine Botschaft an die Verbände sein: Wir lassen uns die Pyrotechnik nicht nehmen. Das macht die Aktion allerdings nicht weniger illegal. Zu dem verbotenen Abbrennen von Feuerwerkskörpern kommt Hausfriedensbruch.

Tobias Maulhardt von der EHP GmbH, die für die Verwaltung des Bunkers zuständig ist, sagt: "Wir haben derzeit noch überhaupt keine Idee, wie die aufs Dach gekommen sein können. Es gibt ja diverse Rettungswege. Wir haben bisher keine Anzeige gestellt."

Natürlich ging die Aktion auch an der Hamburger Polizei nicht unbemerkt vorbei. Doch die Beamten erwischten auf dem Dach selbst niemanden. "Wir haben die Identität von drei Heimfans im Eingang des Bunkers festgestellt, wobei nicht zweifelsfrei bewiesen werden konnte, ob die bei der Aktion beteiligt waren", sagte eine Sprecherin der Polizei zu SPIEGEL ONLINE.

Ratlosigkeit an allen Ecken. Die Polizei ermittelt nun wegen einer Ordnungswidrigkeit.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
antonwitt 18.02.2015
1. Ja
nun - um st-paulianisch zu sagen: war ´ne geile Aktion, gelungene Inzinierung - hätte von Profis nicht besser gestaltet werden können. Wiederholung wäre angemessen! Und zu Schaden ist auch keiner gekommen, also weiter!
drittaccount 18.02.2015
2.
Welcher Schaden ist entstanden? Wer wurde geschädigt, belästigt oder gestört? Ich kann nur hoffen, die Polizei ermittelt nicht all zu heftig, denn am Ende zahlen wir alle das über unsere Steuern.
westerwäller 18.02.2015
3. Der FC St. Pauli ...
... ist nur noch solche Schlagzeilen wert ... Sportlich da, wo Griechenland wirtschaftlich ist ... Hat eh' nie gepasst: Fans, die sich selbst zur linksalternativen Szene zählen jubeln ihren Fußballern zu, die mit dem Ferrari zum Training kommen (na ja, wenigstens zu Bundesligazeiten...)
Shivon 18.02.2015
4.
Sieht doch schön aus...?
der_ba_be 18.02.2015
5. @4
die verrücktheit geht noch weiter. einer der größten Helden am millerntor war Fabian Boll. ein fussballprofi der "nebenbei" noch polizeibeamter war... und das trotz der in der linken Szene beliebten "ACAB-Denke". Pauli ist anders. und das Macht den Verein halt auch irgendwie sympathisch.
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