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15. April 2011, 16:31 Uhr

St. Pauli-Urteil

Dutt beschwert sich, Lübeck bietet sich an

Freiburgs Trainer Robin Dutt kann das Urteil des DFB-Sportgerichts im Fall St. Pauli nicht nachvollziehen. Der VfB Lübeck bietet den Hamburgern derweil sein Stadion an, um die Partie wie gefordert 50 Kilometer von der eigenen Heimstätte entfernt auszutragen.

Hamburg - Robin Dutt kennt die Situation, ein Geisterspiel austragen zu müssen. Vor rund fünf Jahren musste er als Coach der Stuttgarter Kickers ohne Zuschauer antreten. Von daher hat der heutige Freiburger kein Verständnis für das Urteil des DFB-Sportgerichts gegen den FC St. Pauli. Es sei zwar richtig, dass der Verein kein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen muss, aber "im Nachhinein ist es auch eine Ohrfeige für meinen Ex-Verein Stuttgarter Kickers, wo praktisch das Gleiche passiert ist. Das zeigt, welche Willkür wir in der Sportgerichtsbarkeit haben", sagte er.

Beim DFB-Pokalspiel der Kickers gegen Hertha BSC am 25. Oktober 2006 war der Schiedsrichter-Assistent Kai Voss ebenfalls von einem vollen Bierbecher getroffen worden. Die Partie wurde daraufhin beim Stand von 0:2 abgebrochen. "Dort waren höhere Fangzäune und ein Geisterspiel die Konsequenz. Das zeigt mir, wie mit kleinen Vereinen umgegangen wird", sagte Dutt. Zudem musste der Club noch eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro zahlen. Das anschließende Regionalliga-Spiel gegen die SV Elversberg (2:0) musste ohne Zuschauer ausgetragen werden.

Ursprünglich war auch St. Pauli nach dem abgebrochenen Spiel gegen Schalke 04 mit einem Geisterspiel bestraft worden. Der Club legte jedoch erfolgreich Einspruch gegen das Urteil ein und muss nun das erste Spiel der kommenden Saison in einem Stadion austragen, das mindestens 50 Kilometer von Hamburg entfernt liegt. Der VfB Lübeck bot dafür seine Unterstützung an. "Wir würden uns freuen, St. Pauli bei uns begrüßen zu können und sind gerne bereit, unser Stadion zur Verfügung zu stellen", sagte der VfB-Vorstandsvorsitzende Holger Leu am Freitag.

Das Lohmühlenstadion in Lübeck bietet 17.869 Zuschauern Platz. Laut DFB-Urteil sind insgesamt 13.750 Besucher beim Spiel von St. Pauli zugelassen. St. Paulis Sportdirektor Helmut Schulte war von 1994 bis 1996 Manager beim ehemaligen Zweitligisten. Als mögliche weitere Ausweich-Alternativen kommen das Holstein-Stadion in Kiel sowie die Bundesliga-Arenen in Hannover und Bremen in Frage.

Mit der Frage des Spielorts haben sich die Verantwortlichen des FC St. Pauli allerdings noch nicht beschäftigt. "Das ist noch kein Thema, zum Glück ist es noch etwas hin", sagte Josip Grbavac aus der Marketingabteilung des Clubs. Auch wer von den Dauerkartenbesitzern ein Anrecht erhält, zu den maximal 12.500 zugelassenen St. Pauli-Fans zu gehören, ist noch nicht geklärt.

ged/dpa/sid

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