St. Pauli-Urteil: Dutt beschwert sich, Lübeck bietet sich an

Freiburgs Trainer Robin Dutt kann das Urteil des DFB-Sportgerichts im Fall St. Pauli nicht nachvollziehen. Der VfB Lübeck bietet den Hamburgern derweil sein Stadion an, um die Partie wie gefordert 50 Kilometer von der eigenen Heimstätte entfernt auszutragen.

Trainer Dutt: "Eine Ohrfeige für meinen Ex-Verein" Zur Großansicht
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Trainer Dutt: "Eine Ohrfeige für meinen Ex-Verein"

Hamburg - Robin Dutt kennt die Situation, ein Geisterspiel austragen zu müssen. Vor rund fünf Jahren musste er als Coach der Stuttgarter Kickers ohne Zuschauer antreten. Von daher hat der heutige Freiburger kein Verständnis für das Urteil des DFB-Sportgerichts gegen den FC St. Pauli. Es sei zwar richtig, dass der Verein kein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen muss, aber "im Nachhinein ist es auch eine Ohrfeige für meinen Ex-Verein Stuttgarter Kickers, wo praktisch das Gleiche passiert ist. Das zeigt, welche Willkür wir in der Sportgerichtsbarkeit haben", sagte er.

Beim DFB-Pokalspiel der Kickers gegen Hertha BSC am 25. Oktober 2006 war der Schiedsrichter-Assistent Kai Voss ebenfalls von einem vollen Bierbecher getroffen worden. Die Partie wurde daraufhin beim Stand von 0:2 abgebrochen. "Dort waren höhere Fangzäune und ein Geisterspiel die Konsequenz. Das zeigt mir, wie mit kleinen Vereinen umgegangen wird", sagte Dutt. Zudem musste der Club noch eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro zahlen. Das anschließende Regionalliga-Spiel gegen die SV Elversberg (2:0) musste ohne Zuschauer ausgetragen werden.

Ursprünglich war auch St. Pauli nach dem abgebrochenen Spiel gegen Schalke 04 mit einem Geisterspiel bestraft worden. Der Club legte jedoch erfolgreich Einspruch gegen das Urteil ein und muss nun das erste Spiel der kommenden Saison in einem Stadion austragen, das mindestens 50 Kilometer von Hamburg entfernt liegt. Der VfB Lübeck bot dafür seine Unterstützung an. "Wir würden uns freuen, St. Pauli bei uns begrüßen zu können und sind gerne bereit, unser Stadion zur Verfügung zu stellen", sagte der VfB-Vorstandsvorsitzende Holger Leu am Freitag.

Das Lohmühlenstadion in Lübeck bietet 17.869 Zuschauern Platz. Laut DFB-Urteil sind insgesamt 13.750 Besucher beim Spiel von St. Pauli zugelassen. St. Paulis Sportdirektor Helmut Schulte war von 1994 bis 1996 Manager beim ehemaligen Zweitligisten. Als mögliche weitere Ausweich-Alternativen kommen das Holstein-Stadion in Kiel sowie die Bundesliga-Arenen in Hannover und Bremen in Frage.

Mit der Frage des Spielorts haben sich die Verantwortlichen des FC St. Pauli allerdings noch nicht beschäftigt. "Das ist noch kein Thema, zum Glück ist es noch etwas hin", sagte Josip Grbavac aus der Marketingabteilung des Clubs. Auch wer von den Dauerkartenbesitzern ein Anrecht erhält, zu den maximal 12.500 zugelassenen St. Pauli-Fans zu gehören, ist noch nicht geklärt.

ged/dpa/sid

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Willkür!?
Emmi 15.04.2011
Wieso ist es Willkür, wenn in 2 Fällen verschiedene Urteile ergehen? Wenn ein Gericht (oder ähnliche Instanz) keinen Ermessensspielraum hat, kann man auch einen Computer anhand der Gesetzeslage Recht sprechen lassen: Mord => lebenslänglich Betrug => 3 Jahre Bierbecherwurf => 1 Geisterspiel 1 x Fremdgehen => Scheidung
2. Endlich
metaller16 15.04.2011
hat mal ein Trainer den Mut etwas gegen DFB und DFL zu sagen. Das ganze stinkt zum Himmel. Und daß sich Lübeck als Austragungsort anbietet überrascht ja nicht wirklich. Haben ja viel gemeinsam. Hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität und schlechten Fußball.
3. Robin Dutt nicht Robin Hood
Schwencky 15.04.2011
Zitat von metaller16hat mal ein Trainer den Mut etwas gegen DFB und DFL zu sagen. Das ganze stinkt zum Himmel. Und daß sich Lübeck als Austragungsort anbietet überrascht ja nicht wirklich. Haben ja viel gemeinsam. Hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität und schlechten Fußball.
Es liebe diese Sachlichkeit....;( Ich denke Robin Dutt hat ausser seinem Namen nicht viel mit dem strumpfhosentragenden gemeinsam. Die Kickers spielten im Schnitt vor ca. 4.000 Leuten (?!) in der zweiten Liga. Die Sachverhalte sind daher nicht im Ansatz vergleichbar. Bereits die Intensität der Bestrafung mit einem Geisterspiel wäre demnach wesentlich drastischer, berücksichtigt man allein die finanziellen Konsequenzen. Die emotionale Geschichte, dass man einen Berg von Fans zweier Vereine (und eben nicht 4.000, sondern knappen 23.000) bestraft, die rein gar nichts für die Angelegenheit können, lass ich mal ebenso unberücksichtigt, wie die Tatsache, dass sich die Saison dem Ende nährt und man direkt in den Abstiegskampf eingreifen würde. Die Aussage über die Arbeitslosigkeit, die Kriminalität und die Qualitätt des Fussballs am Millerntor zeigen indes auch die Qualität des Beitrages meines Vorredners.
4. Hauptsache was sagen...
citizenkane_hl 15.04.2011
Zitat von metaller16hat mal ein Trainer den Mut etwas gegen DFB und DFL zu sagen. Das ganze stinkt zum Himmel. Und daß sich Lübeck als Austragungsort anbietet überrascht ja nicht wirklich. Haben ja viel gemeinsam. Hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität und schlechten Fußball.
Einige Feierabendbiere zuviel gehabt? Anders lässt sich dieser Schwachsinn nicht erklären. Davon abgesehen, dass sich ein Hamburger Stadtteil nicht mit einer ganzen Stadt vergleichen lässt, sind auch alle anderen Behauptungen unwahr. Die Arbeitslosenquoten betragen aktuell in Lübeck 11,6% (Quelle: meinestadt.de) bzw. 8,3% in Hamburg (http://www.arbeitsagentur.de). Sie unterscheiden sich also deutlich. Die Kriminalität ist in beiden Städten in den letzten Jahren (in HH deutlich) zurückgegangen. "Schlechter Fußball" ist sicherlich einem subjektiven Standpunkt entsprungen und ist objektiv falsch. Der FC St. Pauli spielte im Aufstiegsjahr einen attraktiven Fußball und gehört (Stand heute) zu den 18 besten Teams Deutschlands.
5. Respekt
rincewind_ 15.04.2011
Zitat von metaller16hat mal ein Trainer den Mut etwas gegen DFB und DFL zu sagen. Das ganze stinkt zum Himmel. Und daß sich Lübeck als Austragungsort anbietet überrascht ja nicht wirklich. Haben ja viel gemeinsam. Hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität und schlechten Fußball.
Warum führen sie diese drei Punkte an? Sind Sie besorgt, dass Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren könnten? Oder fühlen Sie sich unsicher, wenn Sie nach Hamburg oder Lübeck reisen? Was den schlechten Fußball angeht, bin ich sicher, dass Sie und ich in keiner dieser beiden Mannschaften auch nur zum Probetraining eingeladen würden. Und selbst wenn sie Kreisliga spielen würden, hätten sie genau den gleichen Respekt verdient, den Sie für sich selbst sicher auch wünschen.
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