Stanislawski-Rauswurf in Hoffenheim Ex und Hopp

Holger Stanislawski sollte Hoffenheim umkrempeln und dem Verein ein neues Image geben - jetzt hat sich 1899 von ihm getrennt. Der 42-Jährige ist vor allem an Mäzen Dietmar Hopp und dessen Alleingängen gescheitert. Man kann ihm nur wünschen, dass sein nächster Club besser geführt ist.

Von , Sinsheim

dapd

Ernst Tanner ließ am Mittag sein Bedauern mitteilen. Kurz zuvor hatte der Manager von 1899 Hoffenheim die Trennung von Holger Stanislawski bekanntgegeben. Der Trainer musste nach dem Viertelfinal-Aus gegen den Zweitligisten Greuther Fürth gehen. Zu Wochenbeginn hatte Tanner noch bekundet, der Ausgang des DFB-Pokal-Spiels am Mittwoch werde keine Konsequenzen für den Coach haben.

Stanislawski hat in den vorangegangenen Wochen Fehler gemacht. Seine Mannschaft wirkte zuletzt unorganisiert und besonders nach Rückständen wie paralysiert, die 0:1-Niederlage gegen Fürth war ein Offenbarungseid. Stanislawski versuchte gegen den Abwärtstrend anzugehen, nur zwei der letzten zwölf Pflichtspiele gewann seine Mannschaft. Aber der Coach hielt zu lange an Spielern wie Sejad Salihovic oder Ryan Babel fest. Profis, deren individuelle Qualität unbestritten ist, die aber oft lustlos wirkten oder sich nicht an die taktischen Vorgaben hielten.

Am Samstag hatte sich Stanislawski nach dem ernüchternden 2:2 in der Bundesliga gegen Augsburg selbst ohne Not in die Schusslinie gebracht: "Ich sage ganz ehrlich. Ich trage die Verantwortung, und wenn ich dazu nicht in der Lage bin, die Spieler dahin zu bringen, dass die Mannschaft funktioniert, dann liegt das am Trainer." Und er ließ die Gelegenheit aus, Außenverteidiger Andreas Beck und Torwart Tom Starke öffentlich zu stärken - jene Profis, die für das Mannschaftsgefüge besonders wichtig sind. Führungsspieler Starke hatte Stanislawski nach der 1:3-Niederlage in Dortmund sogar für ein Gegentor kritisiert, das eigentlich eher ein Feldspieler zu verantworten hatte.

Stanislawski hat die Vorgaben des Mäzens umgesetzt

Der Keeper selbst hat am Mittwoch Rückgrat bewiesen und sich ausdrücklich vor seinen Trainer gestellt. "Was hier los ist, ist nicht normal", so Starke. Stanislawski kann man nur wünschen, dass sein kommender Club besser geführt ist als sein ehemaliger.

Die St. Pauli-Ikone hat im Kraichgau das umgesetzt, was ihm von Mäzen Dietmar Hopp aufgetragen worden war: Die Personalkosten drastisch zu reduzieren und junge Spieler in die Startelf zu führen. Zu einem Zeitpunkt, als die Schlüsselspieler Luiz Gustavo und Demba Ba schon lange verkauft waren, ließ Stanislawski die Angreifer Vedad Ibisevic, Chinedu Obasi und Gylfi Sigurdsson ziehen, weil sie einen zweistelligen Millionenbetrag einbrachten.

Ihm und Manager Tanner war klar, dass mit einem derart geschwächten Team ein Mittelfeldplatz das höchste der Gefühle sein würde. Hopp hingegen hatte offenbar Angst, dass der Verein in akute Abstiegsgefahr geraten würde, falls er an Stanislawski festhalte.

Konsequenterweise übersah Hopp auch, dass Stanislawski mit Daniel Williams, 22, Fabian Johnson, 24, und Jannik Vestergaard, 19, gleich drei Talente zu Stammspielern gemacht hatte. Stattdessen lobte Hopp einen Tag vor dem Fürth-Spiel Stanislawskis Vorvorgänger Ralf Rangnick. Und damit einen Trainer, der im Januar 2011 in Hoffenheim gekündigt hat, weil er die Alleingänge des Mäzens nicht mehr mittragen wollte.

Babbels Verpflichtung ist bezeichnend

Milliardär Hopp hat Millionen in Stiftungen und wohltätige Zwecke investiert. Er kann durchaus bescheiden auftreten, ohne große Entourage, ein Fußballinteressierter unter vielen. Doch er beeinflusst die Geschicke von 1899 Hoffenheim auf eigenwillige Art. Der 71-Jährige gibt Interviews, von denen die dafür zuständigen Vereinsmitarbeiter zuweilen erst erfahren, wenn sie gedruckt sind. Hopps Kommunikationswege sind informell, kein Pressesprecher kann sie kontrollieren.

Hopp soll sich bei VW-Chef Martin Winterkorn persönlich dafür eingesetzt haben, dass das Ausleihgeschäft mit dem ehemaligen Wolfsburger Srdjan Lakic zustande kommt. Und er holt sich gerne beim FC Bayern Rat, dessen großer Fan und Bewunderer er ist. Dass nun wohl der Ur-Münchner Markus Babbel Stanislawski-Nachfolger wird, ist vor diesem Hintergrund bezeichnend. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der frühere Hertha-Coach am Freitag als neuer 1899-Trainer vorgestellt werden.

Wer die Ereignisse der vergangenen Wochen begreifen will, muss ein paar Jahre zurückblicken. 2003 spielte Hoffenheim in der dritten Liga gegen die damals von Hermann Gerland trainierte zweite Mannschaft des FC Bayern. Bei der Pressekonferenz, die damals noch im VIP-Raum des alten Stadions stattfand, herrschte eine solcher Lärm, dass die Trainer ihr eigenes Wort nicht verstanden. Als einzelne VIP-Gäste Gerland auch noch wegen seines leichten Lispelns nachahmten, platzte dem Bayern-Coach der Kragen. Er brach sein Statement ab.

Kurz darauf trat Hopp vor die Mikrofone und verkündete, er habe gerade mit seinem "Freund Franz Beckenbauer telefoniert. Das wird ein Nachspiel für Gerland haben." Auf das Nachspiel wartet Gerland noch heute. Doch die Menschen im Hoffenheimer VIP-Raum waren zufrieden.

Bei der TSG Hoffenheim hat sich in den vergangenen acht Jahren viel geändert. Nur Dietmar Hopp ist gleich geblieben.

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Stauss 09.02.2012
1. Der Ex fällt weich
und der Hopp muss zahlen. 2 1/2 Jahre volles Gehalt für Nichtstun. Anschließend geht S. in Rente. Hat dann genügend zusammengekrampft.
fanmail for dave 09.02.2012
2. Das ist SEHR...
Zitat von Staussund der Hopp muss zahlen. 2 1/2 Jahre volles Gehalt für Nichtstun. Anschließend geht S. in Rente. Hat dann genügend zusammengekrampft.
...SCHÖN, daß das hopp vertragsgemäß das Gehalt von H. Stanislawski und der Co-Trainer weiterbezahlen muß! :) hopp IST das Problem dieses retortenklubs und sonst KEINER! Asche satt allein reicht eben NICHT, wenn sie gleichzeitig mit persönlicher Unfähigkeit, Überheblichkeit, Pseudo-"Bescheidenheit" und anhaltenden charakterlichen Mängeln im Umgang mit "untergebenen" Angestellten, wie z.B.: Rangnick, Schindelmeiser, Stanislawski, usw. einhergeht. Wenn Markus Babbel gut beraten ist, umgeht er diesen Klub WEITRÄUMIGST...! :D Glück AB, "didi" und geh endlich in Rente! :-P
dreimalneun 09.02.2012
3. Woher wissen sie das
Zitat von Staussund der Hopp muss zahlen. 2 1/2 Jahre volles Gehalt für Nichtstun. Anschließend geht S. in Rente. Hat dann genügend zusammengekrampft.
gibt's dafür Quellen ?
danielitinho 09.02.2012
4.
Zitat von Staussund der Hopp muss zahlen. 2 1/2 Jahre volles Gehalt für Nichtstun. Anschließend geht S. in Rente. Hat dann genügend zusammengekrampft.
selten so nen stuss gelesen. stani ist wohl einer der letzten, denen es ausschließlich ums geld ging. wenn ich mir den in den letzten wochen angeguckt habe, dann hat er im klub am meisten unter der situation gelitten. dass ein trainer unter hopp nicht auf dauer glücklich wird, hätte ihm aber trotzdem vorher klar sein können. hoffentlich findet er bald nen besseren klub mit nem minimum an tradition. lg daniel
arthuranton 09.02.2012
5. "Hopp" macht zu viele Alleingänge
Man muß sich jetzt ernsthaft um Hoffenheim "Sorgen machen"! "Hopp" hat viele Verdienste - aber seine Alleingänge - anscheinend ohne Abstimmung mit Trainer und Manager sind für den Verein nachteilig und verunsichern die Mannschaft! Jetzt sind "junge Kräfte " mit Einsatz und Leidenschaft gefragt! Die sogenannten "Profi-Söldner" sollte man "verkaufen"!
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