Bundesliga-Prognose: Die Chancen der Bayern-Jäger

Von Andreas Heuer

In der Tabelle sehen die Bayern schon aus wie der Meister. Doch die Statistik gibt den Verfolgern noch eine Chance - wenn auch nur eine minimale. Die haben auch die Fürther im Abstiegskampf. Der Leistungsindex zeigt die Aussichten der Bundesliga-Clubs.

Bayern-Profis Müller und Schweinsteiger: Statistisch schon MeisterZur Großansicht
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Bayern-Profis Müller und Schweinsteiger: Statistisch schon Meister

Ist die Saison schon gelaufen? München markiert mit elf Punkten vor Leverkusen die Spitze der Liga. Augsburg und Fürth liegen mit zehn Punkten Rückstand auf den rettenden 15. Platz und sehr schlechter Tordifferenz schon ziemlich abgeschlagen am Tabellenende.

Gemäß der uralten Fußball-Wahrheit "Die Tabelle lügt nie" würden der Deutsche Meister und zumindest zwei Absteiger schon jetzt feststehen. Jüngst bemühte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic diese Floskel, bezog sich dabei aber wohl auf die aktuelle Platzierung des VfB: Nach vier Siegen in den vergangenen fünf Spielen sind plötzlich die Plätze zwei und drei in Reichweite, die zur direkten Qualifikation für die Champions League und somit zu einer Finanzspritze der besonderen Art führen würden.

Was aber sagt eine objektive statistische Betrachtung zum Wahrheitsgehalt der Tabelle? Steht der Meister wirklich schon fest? Können Clubs schon für die zweite Liga planen?

Hilfreich ist hier der Leistungsindex, der anhand der bisherigen Spielverläufe und der Leistungsstärke jeder Mannschaft bestimmt wird. Dieser Wert wird dann für den Rest der Saison 100.000-mal auf dem Computer durchgespielt, inklusive aller Zufallseffekte, die im statistischen Mittel auch nicht regelkonforme Tore einschließen. Aus diesen Abschlusstabellen lässt sich dann die Meisterwahrscheinlichkeit ablesen.

Es zeigt sich: Das Rennen um die Titel ist tatsächlich de facto entschieden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bayern nicht Meister wird, ist ähnlich groß wie die Wahrscheinlichkeit, dreimal hintereinander eine Sechs zu würfeln: Ist alles schon passiert, aber eben sehr unwahrscheinlich (siehe Tabelle unten).

Leistungssindex
Team Punkte W’keit für Platz 1 W’keit für Plätze 1-3 W’keit für Plätze 1-6 W’keit für Pl. 16-18 Leistungs
-index*
München 41 99 100 100 0 +1.3
Leverkusen 30 1 73 96 0 +0.4
Dortmund 27 0 63 93 0 +0.6
Frankfurt 27 0 6 37 1 -0.2
Schalke 25 0 31 77 0 +0.4
Stuttgart 25 0 4 28 2 -0.2
Hamburg 24 0 2 16 5 -0.3
M’gladbach 24 0 4 25 3 -0.1
Freiburg 23 0 2 31 2 +0.0
Hannover 23 0 3 20 4 -0.2
Mainz 23 0 6 21 3 -0.2
Bremen 21 0 0 37 2 +0.1
Nürnberg 19 0 1 4 21 -0.3
Wolfsburg 19 0 0 12 8 -0.1
Düsseldorf 18 0 0 1 39 -0.4
Hoffenheim 12 0 0 1 39 -0,1
Augsburg 8 0 0 0 79 -0.2
Fürth 8 0 0 0 92 -0.5
*statistische Unsicherheit ±0,2
Für die Plätze zwei und drei dürfte sich nach aktueller Situation ein Dreikampf zwischen Leverkusen, Dortmund und Schalke entwickeln. Nur diese Teams weisen hierfür eine Wahrscheinlichkeit von mehr als zehn Prozent auf. Die Stuttgarter Chancen liegen nur bei vier Prozent, obwohl das Team so viele Punkte wie Schalke (Wahrscheinlichkeit: 31 Prozent) hat.

Aus dem bisherigen Saisonverlauf resultierten nämlich beim VfB eine Torchancendifferenz von minus 22 und eine negative Tordifferenz. Insbesondere die Torchancendifferenz (Torchancen abzüglich geschossene Tore) drückt deutlich zuverlässiger als der Tabellenplatz die wahre Leistungsstärke aus und führt bei Stuttgart noch immer zu einem negativen Leistungsindex (-0,2). Im Mittel werden die Gegner pro Spiel also 0,2 Tore mehr schießen. Im Fall von Stuttgart kann die Tabelle also doch ein bisschen lügen.

Außerdem weisen immerhin noch 13 Teams realistische Chancen auf einen Europa-League-Platz auf. Hier wird es im Gegensatz zu anderen Tabellenregionen noch einmal richtig spannend.

Auch der Abstiegskampf ist deutlich umkämpfter als die Meisterschaft. Pünktlich zum Duell der beiden Tabellenschlusslichter Fürth und Augsburg hat Fürths Spieler Stephan Fürstner einen alten Motivationsspruch bemüht: "Wir müssen weiterhin daran glauben, dass uns die Wende gelingt."

Und das kann tatsächlich gelingen - mit einer Wahrscheinlichkeit von acht Prozent. Anders ausgedrückt: In einer von 13 Spielzeiten würde eine Mannschaft mit der gleichen Ausgangssituation wie Fürth und Augsburg noch zumindest Platz 15 erreichen. Dieser Wert von acht Prozent entspricht übrigens ebenfalls der Wahrscheinlichkeit, dass in neun Spielen kein Unentschieden vorkommt - so wie es immerhin am vergangenen Spieltag passiert ist.

Zum Abschluss noch eine gute Nachricht für die geplagten Hoffenheimer. Bei der TSG ist die Lage deutlich weniger dramatisch als es den Anschein hat. Trotz sechs Punkten weniger als Düsseldorf unterscheidet sich die Wahrscheinlichkeit auf einen rettenden Tabellenplatz nicht (jeweils 61 Prozent). "Jeder kann doch die Tabelle lesen. Je eher wir uns dem stellen, desto besser kommen wir damit klar", sagt Hoffenheims aktueller Trainer Frank Kramer. Das zeugt immerhin von einer realistischen Einschätzung.

Einzelheiten zum Leistungsindex sowie weitere Fußball-Statistiken finden Sie im Buch "Der perfekte Tipp" von Andreas Heuer.

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insgesamt 51 Beiträge
röstigraben 14.12.2012
"Aus dem bisherigen Saisonverlauf resultierten nämlich beim VfB eine Torchancendifferenz von minus 22 und eine negative Tordifferenz. Insbesondere die Torchancendifferenz (Torchancen abzüglich geschossene Tore) drückt [...]
"Aus dem bisherigen Saisonverlauf resultierten nämlich beim VfB eine Torchancendifferenz von minus 22 und eine negative Tordifferenz. Insbesondere die Torchancendifferenz (Torchancen abzüglich geschossene Tore) drückt deutlich zuverlässiger als der Tabellenplatz die wahre Leistungsstärke aus." Sicher, dass diese Differenz so berechnet wird? Das würde nämlich heissen, dass der VfB 22 Tore mehr erzielt hat, als er Torchancen hatte. Das würfte seit Gerd Müllers Zeiten keiner mehr geschafft haben. Entweder es werden also hierfür die Chancen von den Toren abgezogen, oder - was mehr Sinn machen würde - eigene Chancen minus Chancen der Gegner gerechnet.
das_schwampel 14.12.2012
Nach dieser unglaublich überraschenden Erkenntnis wird der FC Bayern Meister und dahinter kämpfen Leverkusen, Schalke und Dortmund um die Plätze. Hätte ich nicht gedacht. Entgegen jeder Berechnung, nur mal vorstellen: Bayern [...]
Nach dieser unglaublich überraschenden Erkenntnis wird der FC Bayern Meister und dahinter kämpfen Leverkusen, Schalke und Dortmund um die Plätze. Hätte ich nicht gedacht. Entgegen jeder Berechnung, nur mal vorstellen: Bayern verliert gleich in der Rückrunde 2 mal hintereinander. Leverkusen gewinnt. Dann sinds nur noch 5 Punkte Vorsprung. Und dannsteht hier im SPON: "Alles wieder offen." Tja - so einfach ist Fussball.
caligula4ever 14.12.2012
Geht's noch überflüssiger? Geht Product-Placement noch billiger.
Geht's noch überflüssiger? Geht Product-Placement noch billiger.
!!!Fovea!!! 14.12.2012
Was für ein "Zufall", zum 50. Bestehen, nur Siege des FCB... Nun ja, wenn die Statistiker die Bayern bereits zum Meister erhoben haben, braucht man ja die trotz kommender Haushaltsabgabe und mit Werbung [...]
Zitat von sysopIn der Tabelle sehen die Bayern schon aus wie der Meister. Doch die Statistik gibt den Verfolgern noch eine Chance - wenn auch nur eine minimale. Die haben auch die Fürther im Abstiegskampf. Der Leistungsindex zeigt die Aussichten der Bundesligaclubs. Statistische Prognose: Die Bayern sind Meister - wahrscheinlich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/statistische-prognose-die-bayern-sind-meister-wahrscheinlich-a-872715.html)
Was für ein "Zufall", zum 50. Bestehen, nur Siege des FCB... Nun ja, wenn die Statistiker die Bayern bereits zum Meister erhoben haben, braucht man ja die trotz kommender Haushaltsabgabe und mit Werbung durchseuchter ÖR Spotschau nicht mehr zu schauen.
raulkatos 14.12.2012
ist der Ausgang unbestimmt. Wenn es _das_ Verfahren gäbe, das die Zukunft vorhersagen könnte, dann würden zuallerletzt immer noch die Mitspieler im Modell das Ergebnis durch eine wie auch immer geartete Erwartungshaltung direkt [...]
ist der Ausgang unbestimmt. Wenn es _das_ Verfahren gäbe, das die Zukunft vorhersagen könnte, dann würden zuallerletzt immer noch die Mitspieler im Modell das Ergebnis durch eine wie auch immer geartete Erwartungshaltung direkt beeinflussen und damit die Prognose verfehlen. Insofern dienen diese statistischen Spielchen angewandt im Bundesligageschäft allenfalls dazu, Menschen wie mir diesen sinnlosen Kommentar abzuringen. Die Chanchen, ob die im Artikel getroffenen Aussagen zutreffen oder nicht, stehen ungefähr ziemlich genau 1:1. ;-)
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  • Freitag, 14.12.2012 – 06:31 Uhr
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