Steueraffäre Was dem Bayern-Präsidenten jetzt droht

Bayern-Manager und Wurstfabrikant Uli Hoeneß hat sich wegen eines Schweizer Kontos selbst angezeigt. Angeblich sollen dort Hunderte Millionen Euro lagern, auch einen Abschlag von sechs Millionen Euro soll er dem Finanzamt schon gezahlt haben. Die Frage ist: Muss Hoeneß ins Gefängnis?

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Hamburg - "Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern", so hatte sich Uli Hoeneß noch 2005 geäußert. Es ist unklar, ob der Präsident des FC Bayern München damals schon das Konto in der Schweiz besaß, für das er sich jetzt selbst angezeigt hat. Sicher ist dagegen: Wenn die bisher veröffentlichten Angaben stimmen, dann hat Hoeneß ein großes Problem, ihm droht sogar Gefängnis.

Im Januar 2013 habe er über seinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht, zitiert das Magazin "Focus" den Fußballmanager, die "mit einem Konto von mir in der Schweiz" zusammenhänge, habe Hoeneß erklärt. Die entscheidende Frage ist jetzt: Zeigte er sich aus freien Stücken an oder wurde bereits gegen ihn ermittelt?

Hoeneß selbst lässt die Version verbreiten, dass er auf das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz gehofft habe. Das Abkommen sah vor, Schwarzgeld von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren von 2013 an pauschal zu besteuern, mit von 21 bis 41 Prozent. Der Clou: Die Personen hätten ihre nicht versteuerten Einkünfte mit der Einmalzahlung legalisieren können - komplett anonym. Weil das Abkommen aber Ende 2012im deutschen Bundesrat scheiterte, hat Hoeneß sich eigenen Angaben zufolge selbst angezeigt.

Medienberichten zufolge haben Staatsanwaltschaft, Steuerfahnder und Kriminalpolizei das private Anwesen des 61-Jährigen im Tegernseer Tal am 20. März durchsucht - eine Bestätigung dafür gibt es allerdings noch nicht.

Auf Milde kann Hoeneß jetzt nur hoffen, wenn die Behörden noch nichts von seinem Fall wussten, sein Konto sich also auch nicht auf einer der Daten-CDs befindet. Zudem muss der Bayern-Präsident dann alle nicht-erklärten Einkünfte vollständig nachmelden. Theoretisch müsste er dann die gesamten hinterzogenen Steuern nachzahlen, plus ein halbes Prozent Verzugszinsen pro Monat und zusätzlich einen Zuschlag von fünf Prozent.

Selbstanzeige wirkt nur strafmindernd

Straffrei wird Hoeneß aber wohl selbst dann nicht ausgehen: Laut Schwarzgeldbekämpfungsgesetz von 2011 ist das nur möglich, wenn es um höchstens 100.000 Euro geht. Der "Bild am Sonntag" zufolge hat Hoeneß zeitgleich mit der Selbstanzeige bereits einen Abschlag von sechs Millionen Euro auf seine Steuerschuld gezahlt. Der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, folgert der Zeitung zufolge daraus, dass "Hoeneß mindestens zehn Millionen Euro Einnahmen nicht angegeben hat".

"Ich muss nicht auf die Malediven"

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Derzeit wird der "Bild am Sonntag" zufolge geprüft, ob die Selbstanzeige wirksam und vollständig sei, dann erst wird es um die Strafhöhe gehen. Grundsätzlich reicht der Strafrahmen für Steuerhinterziehung von einer einfachen Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren.

Die Selbstanzeige wirkt sich dabei nur strafmildernd aus - allerdings hat der Bundesgerichtshof im vergangenen Jahr entschieden, dass eine Bewährungsstrafe bei einer hinterzogenen Summe von mehr als einer Million Euro grundsätzlich ausscheidet. Die Münchner "Abendzeitung" hatte unter Berufung auf sichere Quellen berichtet, auf dem Schweizer Konto lägen mehrere hundert Millionen Euro.

Woher das Geld stammt, ist vollkommen unklar: Angeblich gibt es keine Verbindung zum FC Bayern, die Steuerfahnder konzentrierten sich auf Hoeneß' private Konten. Neben seinem Job als Fußballmanager ist Hoeneß ein erfolgreicher Wurstfabrikant. Seine Firma HoWe Wurstwaren KG beschäftigt 300 Mitarbeiter und beliefert Branchengrößen wie McDonalds, viele Lebensmittelketten und Discounter wie den Marktführer Aldi. Das Unternehmen macht schätzungsweise einen Jahresumsatz von 45 Millionen Euro und wird mittlerweile von Hoeneß' Kindern geführt.

Vor allem aus der SPD wurde harsche Kritik an dem Manager laut: "Mich enttäuscht, dass jemand wie Uli Hoeneß, der Leistung, Disziplin und Geradlinigkeit unerbittlich wie kaum ein anderer fordert, beim Steuerzahlen Anspruch und Wirklichkeit nicht in Übereinstimmung bekommt", sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Florian Pronold, Chef der Bayern-SPD, urteilte: "Uli Hoeneß ist kein Vorbild mehr."

nck/dpa/Reuters

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Seite 1
chrisskuss 21.04.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSBayern-Manager und Wurstfabrikant Uli Hoeneß hat sich wegen eines Schweizer Kontos selbst angezeigt. Angeblich sollen dort Hunderte Millionen Euro lagern, auch einen Abschlag von sechs Millionen Euro soll er dem Finanzamt schon gezahlt haben. Die Frage ist: Muss Hoeneß ins Gefängnis? http://www.spiegel.de/sport/fussball/steueraffaere-von-uli-hoeness-was-dem-bayern-praesidenten-jetzt-droht-a-895614.html
nun, man kann von hoeneß halten was man wilkl: hat er ein verbrechen begangen, muss er bestreft werden. so einfach ist das. aber ich freue mich schon wieder auf die ganzen häme-ausschütter hier....
rayon2 21.04.2013
2.
Zitat von sysopREUTERSBayern-Manager und Wurstfabrikant Uli Hoeneß hat sich wegen eines Schweizer Kontos selbst angezeigt. Angeblich sollen dort Hunderte Millionen Euro lagern, auch einen Abschlag von sechs Millionen Euro soll er dem Finanzamt schon gezahlt haben. Die Frage ist: Muss Hoeneß ins Gefängnis? http://www.spiegel.de/sport/fussball/steueraffaere-von-uli-hoeness-was-dem-bayern-praesidenten-jetzt-droht-a-895614.html
Wo hat er bloß die HUNDERTE von Millionen her? Die Frage sollte jetzt im Fokus stehen. Die WÜrstchenbude wird wohl bei 45 Mio Umsatz nicht soviel abgeworfen haben...
hpr1974 21.04.2013
3. ja
Wenn Millionen Euro Steuern hinterzogen werden, ab in den Knast. Im Nachhinein Abschläge zahlen sollte nicht vor Strafe schützen, der Ladendieb gibt ja auch nicht einen Teil seiner Beute zurück und gut ist.
HuFu 21.04.2013
4.
Tja ja. Sie haben alle dreck am Stecken unsere selbsternannten "Gutmenschen". Mich würde nicht wundern, wenn diverse Politiker und andere "Branchengrößen" auf irgendwelchen CDs noch drauf sind.
papageienmusik 21.04.2013
5. Eine solche Geschichte ist einfach nur enttäuschend
Man fragt sich doch, warum jemand, der von der Sonnenseite des Lebens kommt, den Hals nicht vollkriegt. Es wird sicher interessant, aus welchen Quellen das Schwarzgeld eigentlich stammt. Hat es evtl. mir dem Stadionbau zu tun....?
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