Steueraffäre Zwanziger verteidigt verdächtige Schiedsrichter

Im Zweifel für die Verdächtigen: DFB-Boss Theo Zwanziger stellt sich in der Steueraffäre hinter die Schiedsrichter. Einen Rücktritt wegen der aktuellen Ermittlungen gegen die Unparteiischen schließt er aus und würde weitere Enthüllungen von Ex-Referee Manfred Amerell begrüßen.

DFB-Boss Zwanziger: "Ich bin kein Unter-den-Teppich-Kehrer"
dapd

DFB-Boss Zwanziger: "Ich bin kein Unter-den-Teppich-Kehrer"


Hamburg - In der Affäre um mutmaßliche Steuerhinterziehung deutscher Schiedsrichter verteidigt Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Referees. "Im Manipulations-Fall Hoyzer wurde zunächst von etlichen angeblich verdächtigen Schiedsrichtern gesprochen. Am Ende waren es zwei. Wir sollten nicht jedes Gerücht aufgreifen und erst einmal abwarten, wie viele am Ende tatsächlich betroffen sind", sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung. "Ich wehre mich, das gesamte Schiedsrichterwesen unter Generalverdacht zu stellen. Das haben diese Menschen nicht verdient", so Zwanziger.

Gegen rund 70 aktive und ehemalige Unparteiische ermittelt derzeit die Steuerfahndung. Einige sollen mehr als 100.000 Euro an Einnahmen verschwiegen haben. Dennoch sagt Zwanziger: "Eins sollte man festhalten: Nicht jede Steuerprüfung oder Nachzahlung rechtfertigt den Verdacht einer strafbaren Handlung." Schon Ende Oktober, zu Beginn der Ermittlungen, hatte Zwanziger versucht, die Affäre kleinzureden und gesagt: "Ich gehe davon aus, dass bei den allermeisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird." Seinen Rücktritt schließt er nach wie vor kategorisch aus: "Ich trete doch nicht zurück, weil einige Schiedsrichter möglicherweise Steuern nicht korrekt gezahlt haben."

Selbst wenn einer der verdächtigen Schiedsrichter wegen Steuerhinterziehung verurteilt wird, kann sich Zwanziger vorstellen, dass der Betroffene eines Tages wieder für den DFB pfeift. "Das hängt vom Strafmaß ab. Auch ein verurteilter Beamter kann möglicherweise weiter Beamter bleiben. Ein wichtiger Punkt ist dabei, wie er persönlich damit umgeht." Daher forderte der DFB-Boss die Verdächtigen auf, mit den Ermittlern zu kooperieren: "Wir brauchen die Mitwirkung der Schiedsrichter selbst. Für alle ist es das Beste, die Wahrheit schnell zu sagen."

Zwanziger zufrieden mit seiner Leistung als DFB-Präsident

Mit seinem eigenen Krisenmanagement in der Steueraffäre zeigt sich der 66-Jährige zufrieden und entgegnete der Kritik, er selbst sei für den DFB ein Problem: "Problem? Für wen? Das kommentiere ich mit einem leisen Lächeln. Der DFB steht nach zwei tollen WM-Turnieren im eigenen Land sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich glänzend da. Ich denke, dazu habe auch ich einen kleinen Teil beigetragen."

Dass der ehemalige Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell, der die aktuelle Affäre um mutmaßliche Steuerhinterziehung ausgelöst hatte, weitere Enthüllungen angekündigt hat, macht Zwanziger offenbar keine Sorgen: "Im Gegenteil. Wenn er (Amerell, Anm.d.Red.) uns Anhaltspunkte gibt, dass irgendwo etwas nicht stimmt, begrüße ich das. Dann werden wir das aufklären. Ich bin kein Unter-den-Teppich-Kehrer. Das macht mich manchmal etwas schwierig für andere."

ham/sid



insgesamt 7 Beiträge
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Erich91 11.11.2011
1. Herrn Zwanziger
ist nicht zu helfen. Dem fehlt offensichtlich der Durchblick. Von Führungsqualitäten ist bei Ihm nichts zu erkennen. Wie kann er sich denn so vor die Besschuldigten stellen, ohne überhaupt zu wissen was da auf die Schiedsrichter und letztendlich auch auf den DFB zukommen kann.
Stauss 11.11.2011
2. Eigentor
Zwanziger unterstützt Steuerhinterzieher.
bitoco 11.11.2011
3. Dr.Dr. Zwanziger
Der selbstzufriedene Dr.Dr.Zwanziger erkennt nicht, dass er selbst das grösste Problem des DFB ist. Die steuertechnischen Tricksereien der Schiris will er nicht wahrhaben, mit den Ultras werden Gespräche wg. Pyrotechnik mit unklaren Vorgaben geführt, und und und.. Der Mann hat seinen Verband offensichtlich nicht im Griff.
niepmann 12.11.2011
4. Zu hohe Erwartungen
Zitat von sysopIm Zweifel für die Verdächtigen: DFB-Boss Theo Zwanziger stellt sich in der Steueraffäre hinter die Schiedsrichter. Einen Rücktritt wegen der aktuellen Ermittlungen gegen die Unparteiischen schließt er aus und würde weitere Enthüllungen von Ex-Referee Manfred Amerell begrüßen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,797347,00.html
Vereinsfunktionäre sind in der Regel Laien. Mit dem Zuwachs an Einfluss entschweben solche Leute in Sphären, die mit Wolke 7 verständlich beschrieben sind. Und von dort sieht die Welt rosig aus, und alle Dinge werden als winzig wahrgenommen. Der Fehler dieser Leute besteht darin, zu glauben, dass die Welt mit nach oben gekommen sei, und klein sei echt.
Gani, 12.11.2011
5. Abstrus
Zitat von Erich91ist nicht zu helfen. Dem fehlt offensichtlich der Durchblick. Von Führungsqualitäten ist bei Ihm nichts zu erkennen. Wie kann er sich denn so vor die Besschuldigten stellen, ohne überhaupt zu wissen was da auf die Schiedsrichter und letztendlich auch auf den DFB zukommen kann.
DIR fehlt der Durchblick! Wie kommst du dazu, von einem Arbeitgeber zu verlangen, die Beschuldigten mal eben abzuurteilen bevor die Ermittlungen abgeschlossen sind? Wie kommst du dazu, zu verlangen, dass ein Arbeitgeber die Beschuldigten wie heisse Kartoffeln fallen zu lassen hat bevor ihm Beweise vorgelegt wurden? Und was bitte soll auf den DFB zukommen? Die Schmierenjournalie mag, aus unerfindlichen Gründen, glauben, dass der DFB im allgemeinen und der Präsident im speziellen für die Steuererklärungen seiner Bediensteten oder ihrer Verfehlungen, verantwortlich sei - dem ist aber nicht so! Oder glaubst du noch an Kollektivhaftung? Zwanziger hat schon recht, wenn er sagt, am Ende werden es nur ein paar faule Äpfel sein. Ich glaube nicht daran, dass 70 Nasen so dumm sind, auf diese Weise Steuern zu hinterziehen - als ob man sich Bei Tagungen abgesprochen hätte... Leute, denkt doch mal nach!
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