Hamburg - In der Affäre um mutmaßliche Steuerhinterziehung deutscher Schiedsrichter verteidigt Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Referees. "Im Manipulations-Fall Hoyzer wurde zunächst von etlichen angeblich verdächtigen Schiedsrichtern gesprochen. Am Ende waren es zwei. Wir sollten nicht jedes Gerücht aufgreifen und erst einmal abwarten, wie viele am Ende tatsächlich betroffen sind", sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung. "Ich wehre mich, das gesamte Schiedsrichterwesen unter Generalverdacht zu stellen. Das haben diese Menschen nicht verdient", so Zwanziger.
Gegen rund 70 aktive und ehemalige Unparteiische ermittelt derzeit die Steuerfahndung. Einige sollen mehr als 100.000 Euro an Einnahmen verschwiegen haben. Dennoch sagt Zwanziger: "Eins sollte man festhalten: Nicht jede Steuerprüfung oder Nachzahlung rechtfertigt den Verdacht einer strafbaren Handlung." Schon Ende Oktober, zu Beginn der Ermittlungen, hatte Zwanziger versucht, die Affäre kleinzureden und gesagt: "Ich gehe davon aus, dass bei den allermeisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird." Seinen Rücktritt schließt er nach wie vor kategorisch aus: "Ich trete doch nicht zurück, weil einige Schiedsrichter möglicherweise Steuern nicht korrekt gezahlt haben."
Selbst wenn einer der verdächtigen Schiedsrichter wegen Steuerhinterziehung verurteilt wird, kann sich Zwanziger vorstellen, dass der Betroffene eines Tages wieder für den DFB pfeift. "Das hängt vom Strafmaß ab. Auch ein verurteilter Beamter kann möglicherweise weiter Beamter bleiben. Ein wichtiger Punkt ist dabei, wie er persönlich damit umgeht." Daher forderte der DFB-Boss die Verdächtigen auf, mit den Ermittlern zu kooperieren: "Wir brauchen die Mitwirkung der Schiedsrichter selbst. Für alle ist es das Beste, die Wahrheit schnell zu sagen."
Zwanziger zufrieden mit seiner Leistung als DFB-Präsident
Mit seinem eigenen Krisenmanagement in der Steueraffäre zeigt sich der 66-Jährige zufrieden und entgegnete der Kritik, er selbst sei für den DFB ein Problem: "Problem? Für wen? Das kommentiere ich mit einem leisen Lächeln. Der DFB steht nach zwei tollen WM-Turnieren im eigenen Land sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich glänzend da. Ich denke, dazu habe auch ich einen kleinen Teil beigetragen."
Dass der ehemalige Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell, der die aktuelle Affäre um mutmaßliche Steuerhinterziehung ausgelöst hatte, weitere Enthüllungen angekündigt hat, macht Zwanziger offenbar keine Sorgen: "Im Gegenteil. Wenn er (Amerell, Anm.d.Red.) uns Anhaltspunkte gibt, dass irgendwo etwas nicht stimmt, begrüße ich das. Dann werden wir das aufklären. Ich bin kein Unter-den-Teppich-Kehrer. Das macht mich manchmal etwas schwierig für andere."
ham/sid
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