Fußballstar vor Gericht Massive Kritik an Ronaldos Steuerdeal

Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo muss heute vor Gericht zum Vorwurf der Steuerhinterziehung Stellung nehmen. Der Termin ist nur Formsache - der Fall ist schon im Vorfeld per Deal abgehakt. Daran gibt es Kritik.

Cristiano Ronaldo
AFP

Cristiano Ronaldo

Von Nicola Naber


Der Präsident des Verband der Steuerexperten des spanischen Finanzministeriums, Carlos Cruzado, hat massive Kritik an dem geplanten Steuerdeal zwischen Cristiano Ronaldo und der spanischen Staatsanwaltschaft geäußert. Angesichts der Vereinbarung, die Ronaldos Anwälte mit den Behörden getroffen haben soll, könne er nachvollziehen, dass "Bürger das Gefühl haben, dass solche Vergehen nicht ausreichend bestraft werden", sagte er dem SPIEGEL.

Die Anwälte des Fußball-Superstars haben ein Agreement mit dem Ergebnis erzielt, nach dem Ronaldo wegen Steuerhinterziehung eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren erhalten soll und rund 19 Millionen Euro zahlt. Damit würde der Profi von Juventus Turin einer Gefängnisstrafe entgehen.

Ronaldo muss heute in Madrid zu einer Anhörung vor Gericht erscheinen und zu den Vorwürfen der Steuervermeidung Stellung nehmen. Der Termin gilt angesichts der bereits erzielten Vereinbarung zwischen Profi und Staatsanwaltschaft allerdings als Formsache. Ein Urteil wird für heute noch nicht erwartet.

Es geht um Einnahmen aus Bild- und Werberechten

Ronaldo wird vorgeworfen in seiner Zeit bei Real Madrid Einnahmen aus Bild- und Werberechten über ein ausgedehntes Firmennetzwerk mit Sitz unter anderem auf den British Virgin Islands und in Irland an der Steuer vorbeigeschleust haben. Den Fall hatte der SPIEGEL gemeinsam mit dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) im Rahmen der Football-Leaks-Veröffentlichungsserie öffentlich gemacht. 2017 hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Fußballer erhoben.

Nach Cruzados Schätzung wird durch die Vereinbarung die hinterzogene Summe von 14,7 Millionen Euro Euro auf 5,7 Millionen heruntergerechnet, für Cruzado ein Beispiel, "welche exzessiven Vorteile das Strafrecht in solchen Fällen einräumt" - zugunsten der Täter. An sich, so moniert Cruzado, könnte Ronaldo eine Strafe von mindestens sieben Jahren Haft und eine Strafzahlung von mehr als 28 Millionen Euro erwarten.

Die strafrechtliche Behandlung von Steuervergehen in Spanien "muss verändert werden", verlangte Cruzado, sie gewähre "Betrügern zu viele Vorteile im Vergleich zu anderen Straftaten". Und diese Vorteile würden von Fußballprofis ebenso ausgenützt wie zum Beispiel von Prominenten aus dem Showbusiness, beklagte Cruzado.

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Der Chef der Steuervereinigung bemängelte zudem die kurzen Verjährungsfristen in Spanien für Steuervergehen. "Sie verhindern, dass manche Steuervergehen vom Finanzamt sanktioniert werden können", kritisierte Cruzado.



insgesamt 4 Beiträge
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nutellaandernase 22.01.2019
1. Ich bin mir sicher...
...dass an dem jungen Mann noch genug Platz für ein paar Dutzend Diamanten ist. Dann noch ein paar vergoldete Steaks zum Frühstück und Ronaldo dürfte sich von dem Schrecken wieder erholt haben. Keine Frage: wenn jemand so hart bestraft wird, dann wird er künftig ordentlich seine Steuern zahlen. Ihm sei die zweite Chance vergönnt. Er ist ja so ein sympathischer, bescheidener junger Mann.
missourians 22.01.2019
2.
Super Message an die Superreichen: Versuchen wir mal Mega viel Steuern zu hinterziehen. wenn es klappt, gut, super gespart, wenn nicht zahlen wir halt etwas drauf, mehr passiert eh nicht. Wenn diese Leute mal sitzen, kommen sie wieder auf den Boden der Tatsachen, Geld geht an ihrem Allerwertesten vorbei. Vor allem 19 Millionen Strafe wenn man alleine von Juventus jährlich 31 Mio. und insgesamt 90 Mio pro Jahr verdient und ca. 340 Millionen auf dem Konto hat! Ich finde, wenn Geldstrafen sollten verhandelbar sein, aber sobald Haftstrafen im Spiel sind, sollten diese fix sein, den diese sollen etwas bewirken, was Strafzahlungen nicht mehr machen, egal wer vor Gericht steht.
dasfred 22.01.2019
3. Wer denkt sich denn diese Konstrukte aus?
Ich bin überzeugt, sowohl Ronaldo, wie auch die anderen Promis, sind auf Berater hereingefallen, die ihnen diese Steuersparmodelle als sicher und legal verkauft haben. Unsere Promis haben ja früher gern ihre Altersvorsorge in Ostimmobilien versenkt. Da gabs dann auch nichts mehr für das Finanzamt.
syt 22.01.2019
4. Wenn er denn jetzt
19 Millionen nach zahlt ist es doch ok .
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