Steuerskandal Fahnder überprüfen Dutzende DFB-Schiedsrichter

Der Steuerskandal um Schiedsrichter des DFB weitet sich aus. Die Ermittler überprüfen nach Informationen des SPIEGEL inzwischen rund 70 Unparteiische - es geht in einigen Fällen womöglich um verschwiegene Einkünfte von mehr als 100.000 Euro. Die Fahnder gehen von einem System aus.

DFB-Schiedsrichter: Fahnder gehen von systematischer Steuerhinterziehung aus
dapd

DFB-Schiedsrichter: Fahnder gehen von systematischer Steuerhinterziehung aus


Hamburg - Der Steuerskandal um Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zieht weitere Kreise: Mittlerweile überprüfen die Ermittler rund 70 aktive und ehemalige DFB-Unparteiische wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Nach Erkenntnissen der Fahnder sollen manche der Beschuldigten über 100.000 Euro an Einnahmen verschwiegen haben, vor allem für die Leitung internationaler Spiele.

Nach Informationen des SPIEGEL heißt es in einer Notiz der Fahnder, es müsse "von einem System ausgegangen werden". Eine der Schlüsselfiguren, so steht es in den Akten, sehen die Ermittler in dem früheren DFB-Schiedsrichter Winfried Buchhart. Der 53-jährige Buchhart, der im Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes sitzt und als Wirtschaftsprüfer des Verbandes arbeitet, ist Inhaber der Schrobenhausener Treuhand GmbH, eines Steuerbüros in der Nähe von Augsburg.

Mindestens sechs der Schiedsrichter, die von den Ermittlern der Steuerhinterziehung bezichtigt werden, werden von Buchharts Kanzlei vertreten. Fahnder des Finanzamtes Augsburg-Stadt gehen davon aus, dass die Schrobenhausener Treuhand GmbH Steuererklärungen der Referees fast schon routinemäßig mit erfundenen Kosten für Dienstfahrten, Bewirtung, Rechtsberatung oder Geschenke manipuliert habe, um so die Steuerbelastung für die Schiedsrichter zu senken. Im SPIEGEL wollte Buchhart die Anschuldigungen nicht kommentieren, "aus Gründen des Steuergeheimnisses", wie er sagte.

DFB-Schiedsrichter Salver im Fokus der Fahnder

Einer von Buchharts Mandanten, der Stuttgarter DFB-Schiedsrichter Jan-Hendrik Salver, wurde bei einer bundesweiten Razzia, die den Codenamen "Aktion Abseits" trug, von Fahndern des Finanzamtes Stuttgart II in seiner Wohnung aufgesucht. Bei der Durchsuchung übergab Salver den Beamten unaufgefordert Unterlagen zu einem Konto, das er bei der Liechtensteiner LGT-Bank führt.

Die Fifa hatte dem Schiedsrichterassistenten auf dieses Konto seit 2006 mehr als 50.000 Euro für Einsätze bei Großveranstaltungen überwiesen, unter anderem bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland und den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Er soll das Geld in seinen Steuererklärungen nicht angegeben haben. Salver äußerte sich im SPIEGEL nicht zu den Vorwürfen.

Auch Steuerberater Buchhart äußerte sich nicht zu der Frage, ob er seinem Mandanten Salver geraten hatte, sich jahrelang Geld von der Fifa auf ein Konto bei der Liechtensteiner LGT-Bank überweisen zu lassen und diese Einkünfte vor dem deutschen Fiskus zu verbergen.



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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
einfachgudd 05.11.2011
1. ok.....schon hart
Zitat von sysopDer Steuerskandal um*Schiedsrichter des DFB weitet sich aus. Die Ermittler überprüfen nach Informationen des SPIEGEL inzwischen rund 70 Unparteiische - es geht in einigen Fällen womöglich um verschwiegene Einkünfte von mehr als 100.000 Euro. Die Fahnder*gehen von einem System aus. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,796004,00.html
es geht also wenn es hochkommt um 7MIo euro:-)da legen sich die fahnder am richtig für ins zeug..kommt ne cd auf der daten sind bei denen es um 5Milliarden geht legen die sich schlafen....sehr surreal die ganze nummer...
fragezeichenheute 05.11.2011
2. Ab einer Million
geht es bei Steuerhinterziehung mittlerweile in den Knast. Da haben die feinen Herren Schiedsrichter ja Glück, dass sie nur so wenig für ihre Einsätze bekommen. Das wird einige Prozesse nach sich ziehen, davon ist auszugehen. Hach, endlich wieder ein DFB-Skandal. ;-)
allereber 05.11.2011
3. Bei unserer Justiz.
Zitat von sysopDer Steuerskandal um*Schiedsrichter des DFB weitet sich aus. Die Ermittler überprüfen nach Informationen des SPIEGEL inzwischen rund 70 Unparteiische - es geht in einigen Fällen womöglich um verschwiegene Einkünfte von mehr als 100.000 Euro. Die Fahnder*gehen von einem System aus. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,796004,00.html
Da es zwei Fussballvereinigungen mit einer großen Lobby sind, passiert überhaupt nichts. Normale Bürger würden bei diesen Beträgen in den Knast marschieren. Es lebe unsere Scheindemokratie.
abortus_bang 05.11.2011
4. Traurige Geschichte
Puuh, jetzt wirds hart. Wenn so ein integrer Mann wie Salver potentiell auch Dreck am Stecken haben könnte, mag ich mir gar nicht ausmalen, wer von den Ex-Kollegen da ebenso tiefer involviert ist. Irgendwie will mir das nicht in den Kopf rein, warum die Jungs das nötig haben, wenn die Anschuldigungen denn zutreffen. Eigentlich haben alle auf dem Niveau einen recht gut bezahlten Job und selbst durch ausnahmslos korrekte Versteuerung der Einkünfte bleibt ein Batzen übrig. Ich für meinen Teil konnte damals mein Studium dadurch teil- bzw. mitfinanzieren, jedoch war man bis zur dritten Liga und Einsätzen in den Junioren-Bundesligen immer unter dem (studentischen) Freibetrag. Schon traurig die ganze Angelegenheit und ein weinendes Auge dafür, dass ich damals persönlich wg. einer einzigen Partie von Herrn Amerell rausgeschossen wurde, sonst mir nichts vorzuwerfen hatte und die Top-Riege anscheinend durch die Bank weg schwarze Schafe sind. Mein Interesse an der Geschichte wird weiter hoch bleiben. ;)
abortus_bang 05.11.2011
5. Traurige Geschichte
Puuh, jetzt wirds hart. Wenn so ein integrer Mann wie Salver potentiell auch Dreck am Stecken haben könnte, mag ich mir gar nicht ausmalen, wer von den Ex-Kollegen da ebenso tiefer involviert ist. Irgendwie will mir das nicht in den Kopf rein, warum die Jungs das nötig haben, wenn die Anschuldigungen denn zutreffen. Eigentlich haben alle auf dem Niveau einen recht gut bezahlten Job und selbst durch ausnahmslos korrekte Versteuerung der Einkünfte bleibt ein Batzen übrig. Ich für meinen Teil konnte damals mein Studium dadurch teil- bzw. mitfinanzieren, jedoch war man bis zur dritten Liga und Einsätzen in den Junioren-Bundesligen immer unter dem (studentischen) Freibetrag. Schon traurig die ganze Angelegenheit und ein weinendes Auge dafür, dass ich damals persönlich wg. einer einzigen Partie von Herrn Amerell rausgeschossen wurde, sonst mir nichts vorzuwerfen hatte und die Top-Riege anscheinend durch die Bank weg schwarze Schafe sind. Mein Interesse an der Geschichte wird weiter hoch bleiben. ;)
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