Strukturreform beim DFB Fantastische Worthülsen

Mit großem Stolz hat der DFB seine neue Verbandsstruktur präsentiert. Vor allem Oliver Bierhoff profitiert. Alles klingt modern und schlüssig - im Raum steht aber noch immer ein gewaltiger Elefant.

Oliver Bierhoff
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Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hat am Freitag eine tiefgreifende Strukturreform beschlossen. Aus den bisherigen sieben Direktorenposten werden ab Januar 2018 nur noch vier: Oliver Bierhoff wird künftig als DFB-Direktor für die Nationalmannschaften und Fußball-Entwicklung den kompletten sportlichen Bereich verantworten. Präsident Reinhard Grindel frohlockte und sah den Verband nun "transparent und effektiv aufgestellt".

Aber, Moment, war da nicht noch was?

Just an diesem Tag flatterte auch eine Steuernachforderung über rund 19,2 Millionen Euro in die Otto-Fleck-Schneise, das leidige Sommermärchen-Thema drängte sich zwischen all die neuen Direktoren. Dass die Affäre um das gekaufte Sommermärchen trotz kostspieliger Mithilfe der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gerade mal so dürftig aufgeklärt wurde, wie es eben dem medialen Kenntnisstand entsprach, und ein glaubwürdiger Neuanfang dem größten Sportfachverband der Welt bislang nicht gelungen ist - das bleibt das große Problem des DFB, nicht der Zuschnitt der Organisation.

"Nach umfangreichen Analysen", sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, sei man "zu der Erkenntnis gelangt, dass eine klarere Führung und Verschlankung der Strukturen im DFB notwendig ist, um noch effektiver arbeiten zu können", man wolle "Synergien schaffen", erklärte Curtius, "um das Profil der Aufgabenbereiche zu schärfen". Sprache ist leider oft entlarvend. Ein großer Verband versteckt sich hinter fantastischen Worthülsen.

Was lebt, verändert sich

Verschlankung, Rationalität, Transparenz: Die Imperative der Spätmoderne machen auch vor dem DFB nicht halt. Was lebt, verändert sich. Ob es nun voranmarschiert oder hinterherläuft.

Nicht zufällig hatte sich der DFB am Freitag zunächst demonstrativ mit den angenehmeren Tagesordnungspunkten beschäftigt: den beiden Stiftungen, die ihr Engagement bekräftigten - im Behindertenfußball, bei der Resozialisierung von Strafgefangenen, beim Wirken in Schulen und Vereinen sowie dem DFB-Sozialwerk.

Es ist der Anspruch des DFB, gesellschaftliche Ziele zu formulieren, die weit über den Fußball hinausgehen. Das ist begrüßenswert, es lässt sich aber nicht aufrechnen gegen Korruptionsstraftaten - oder auch nur deren Anschein. IOC, Fifa, DFB - sie alle haben zuletzt gezeigt, dass finanzielle Interessen im Zweifel gewichtiger sind als ihr Wertekatalog. Auch wenn es nach der inzwischen zu oft moralinsauer vorgetragenen Leier klingt: Ein vorbildliches Verbandsdesign oder ein aufrechtes Leitbild können noch so hell strahlen - doch finster bleibt die schwarze Kasse.



insgesamt 6 Beiträge
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_unwissender 20.10.2017
1. Erfreulich ...
Herr Bierhoff hat nicht nur einen spitenmäßig dotierten Job, er hat zusätzlich auch eine soziale Aufgabe. Und wenn man an die Resozialisation von Straftätern wie Hoeness denkt, scheint diese auch gut zu funktionieren.
Newspeak 20.10.2017
2. ...
Worthuelsen, die viel zu oft von den Medien transportiert werden. Da macht eine Schwalbe, die das hinterfragt, noch keinen Sommer.
Braveheart Jr. 20.10.2017
3. Fußball ...
... kotzt mich nur noch an. Windige Berater. schmierige Funktionäre ... und mit Herzblut hat das längst nix mehr zu tun. Die Herren vom DFB schlagen bitte bei Goethe für ein passendes Zitat nach (Tip: der Urheber lebte von 1480-1563)
zaunreiter35 21.10.2017
4. Sorry
Zitat von Braveheart Jr.... kotzt mich nur noch an. Windige Berater. schmierige Funktionäre ... und mit Herzblut hat das längst nix mehr zu tun. Die Herren vom DFB schlagen bitte bei Goethe für ein passendes Zitat nach (Tip: der Urheber lebte von 1480-1563)
wenn ich klugscheiße... ;-) Aber Ihr fränkischer Reichsritter starb schon ein Jahr früher 1562.
tinosenft 21.10.2017
5. Überschrift
Das sich Oliver Bierhoff , als ehemaliger Nationalspieler , für einen der Direktoren Posten im DFB benannt wurde,finde ich gut. Allerdings ist die Gefahr groß, dass auch er im Sumpf der Machtspiele und Korruption untergeht.
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