Studie Fußball bleibt Männersache

Im Jahr 2011 findet in Deutschland die Frauenfußball-WM statt. Eine Studie hat bereits vorab die Popularität, das Medieninteresse und die Sponsorenbekanntheit untersucht. "SPONSORS"-Autor Holger Rehm sieht durchaus Potential - jedoch auch eine Menge Nachholbedarf.


Es ist die 64. Minute im Weltmeisterschaftsfinale 2007 von Shanghai. Spielstand: 1:0 für Deutschland. Die Brasilianerin Marta läuft zum Elfmeter an und schiebt den Ball plaziert ins linke untere Eck. Doch die deutsche Torfrau Nadine Angerer fischt das Leder aus der Ecke und hält den Sieg fest. Am Ende gewinnt das deutsche Team durch Treffer von Birgit Prinz und Simone Laudehr 2:0 und ist zum zweiten Mal in Folge Weltmeister. In der Folge entwickelt sich hierzulande eine regelrechte Begeisterung für den Frauenfußball. Auch die Medien scheinen den Frauenfußball für sich entdeckt zu haben. Ebensolche positiven Entwicklungen sind im Breitensport zu beobachten: Zwischen 2000 und 2006 wuchs die Zahl der "weiblichen Spieler" weltweit von 21,9 Millionen um 19 Prozent auf 26 Millionen an. Bei den registrierten weiblichen Spielern hat der Frauenfußball im gleichen Zeitraum sogar Steigerungen von 2,7 Millionen auf 4,1 Millionen zu verzeichnen.

Auch hierzulande gehen immer mehr Mädchen und Frauen auf Torejagd. Im Post-WM-Jahr 2008 konnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Grenze von einer Million registrierten deutschen Fußballerinnen erstmals durchbrechen. Verglichen mit 2000, als der Verband noch 826.787 Spielerinnen zählte, entspricht dies einer prozentualen Steigerung von 21 Prozent (plus 176.000). Zum Vergleich: Der Deutsche Handballbund hatte zum Erhebungstermin 815.000 aktive Sportlerinnen und Sportler in seinen Reihen.

Schwimmen hängt Frauenfußball deutlich ab

Auch die Sportarten Leichtathletik (883.000 aktive Frauen und Männer), Reiten (757.000) und Volleyball (482.000) können im aktiven Bereich nicht mit dem Frauenfußball mithalten (siehe Fotostrecke). Fußball bleibt Männersache? Doch wie attraktiv und populär ist die Plattform Frauenfußball zwei Jahre vor der heimischen WM in Deutschland für Zuschauer, Medien und Sponsoren wirklich?

Diese und weitere Fragestellungen untersuchten die Sponsoring- und Kommunikationsagentur Experience und der Sport-Research-Berater IFM im Zuge des "Affinity Tracer Frauenfußball 2009". Im Rahmen der Studie wurden in den fünf Ausrichterstädten der WM 2011 Wolfsburg, Frankfurt, Dresden, Sinsheim, Augsburg sowie in Essen vom 16. bis 25. Mai 2008 insgesamt 3082 Personen zum Thema Frauenfußball befragt.

Danach bleibt der Fußball hierzulande eine absolute Männerdomäne. Zumindest relativ gesehen: Denn gerade einmal 15 Prozent der beim DFB registrierten Fußballer sind weiblich. Insbesondere im Vergleich zu Sportarten wie Reiten (74 Prozent), Turnen (69 Prozent) oder Schwimmen (52 Prozent) ist die Frauenquote im deutschen Fußball damit vergleichsweise gering.

Auch bei den Zuschauerzahlen vor Ort kann die Frauen-Fußballbundesliga nicht mal annähernd mit den Männern mithalten. Zwar verbuchte die Bundesliga der Damen in der Saison 2007/08 mit 117.000 Besuchern einen neuen Rekord. Im Durchschnitt pilgerten jedoch gerade einmal 900 Zuschauer in die Stadien der Frauen-Fußballbundesliga. Eine ähnliche Tendenz ist auch beim allgemeinen Interesse an Fußballevents zu erkennen. Trotz des enormen Erfolgs der deutschen Frauen-Nationalmannschaft dominieren dabei klar die Männer-Wettbewerbe (siehe Fotostrecke).

Europäische Vereinswettbewerbe wie die Champions League oder der Uefa Cup der Herren (68,7 Prozent), die Welt- oder Europameisterschaften (63,1 Prozent) oder die Spiele der Bundesliga (59,1 Prozent) stoßen dabei auf ein deutlich höheres Interesse als die Partien der deutschen Frauen-Nationalmannschaft (45,5 Prozent), die eigentlich als Treiber des Frauenfußballs gilt. Noch weniger Interesse existiert für den DFB-Pokal der Frauen (25,3 Prozent) und die Frauen-Fußballbundesliga (22,5 Prozent). Augenscheinlicher wird dieses Ergebnis, betrachtet man die Zahlen im Detail.



insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
krafts 16.03.2009
1.
Zitat von sysop2011 findet die WM in Deutschland statt, die Frauen-Nationalmannschaft ist Titelverteidiger. Die Zahl der Zuschauer steigt, ist aber im Vergleich zum Herren-Fußball immer noch gering. Wo liegen die Probleme?
Herren-Fußball hat so eine lange Tradition. Das kann man nicht so einfach aufholen. Und seien wir mal ehrlich: Die meisten Herren - mich eingeschlossen - interessiert Frauen-Fußball nur am Rande, mal ein Spiel der NM, aber Vereinsfußball eher weniger. Sicher hängt es auch von den Medien ab, aber das bedingt sich gegenseitig. Gestern habe ich zufällig einen Ausschnitt gesehen von der ersten Frauenfußballiga. Das erste Mal in der Geschichte kann ein deutscher Verein den Meistertitel bei den Damen und Herren stellen.
PatrickFritsch 16.03.2009
2.
Zitat von sysop2011 findet die WM in Deutschland statt, die Frauen-Nationalmannschaft ist Titelverteidiger. Die Zahl der Zuschauer steigt, ist aber im Vergleich zum Herren-Fußball immer noch gering. Wo liegen die Probleme?
Meiner Meinung nach ist der Frauenfussball einfach in vielen Köpfen als Nebenprodukt der Männerdomäne Fußball zu betrachten. Sicherlich kann man von einem Aufschwung in dieser Hinsicht sprechen, aber man nehme sich das alljährliche DFB Pokalfinale; wenn man beide Spiele aufmerksam verfolgt, so sind doch sehr gravierende spielerische Unterschiede zu erkennen, es fehlt dem Frauenfußball an einem gewissen Leistungsniveau was mangelnde Beachtung verursacht.
brusthaare 16.03.2009
3. Hu Kärs
"Fußball bleibt Männersache" beim Lesen dieser Überschrift macht sich Erleichterung breit. Hatten doch zuletzt TV-Sender die kein Geld für Top-Events bereitstellen konnten oder wollten versucht wenig populären und rechtemäßigen "Billig-Sport" durch unangemessene Präsenz hoffähig zu machen. Insbesondere die Anstalten mit den Milliardenhaushalten tuen sich hier besonders hervor. Samstag 20:00 Uhr ARD: Biathlon - Geht's noch? 22:00 Uhr ZDF: Boxen Anonym vs. Unbekannt ... sry ich schweife ab... Nix gegen Frauen die meinen Fußball spielen zu müssen, aber telegen sieht anders aus.
Zaunreiter, 16.03.2009
4.
Offensichtlich wurde der Artikel mit einer heißen Nadel gestrickt, denn sonst hätte sich der Verfasser, Herr Rehm, genauer informieren können und erfahren, daß die Frauenabteilung des FC Bayern München bereits 1970 gegründet und 1976 Deutscher Meister wurde. Schalke 04 hatte mal eine Frauenabteilung in den 1980ern, die jedoch bereits wieder aufgelöst wurde, aber die Schalker haben eine Kooperation mit dem 1. FFC Recklinghausen. Aber mit einer blossen Überschrift wie "Fußball bleibt Männersache" reicht es ja wohl schon aus, User wie "brusthaare" oder "PatrickFritsch" zufriedenstellen zu können. Man merkt förmlich ein prekariatartiges Aufatmen. Nun, es ist doch logisch, daß wenn man sich die Physis von Männlein und Weiblein betrachtet, daß dann auch das Leistungsniveau und das spielerische Niveau unterschiedlich ist. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, Männerhandball mit Frauenhandball, Männerleichtathletik mit Frauenleichtathletik oder auch Männerbiathlon mit Frauenbiathlon vergleichen zu wollen. Das seltsame am Sport ist halt, daß der Frauenfußball bis 1970 vom DFB verboten wurde und in diesen mittlerweile fast 40 Jahren kann halt noch nicht viel gewachsen sein, wie es beim Männerfußball mit seinen über hundert Jahren gewachsen ist.
Wilfried H. Becker, 16.03.2009
5.
Zitat von ZaunreiterOffensichtlich wurde der Artikel mit einer heißen Nadel gestrickt, denn sonst hätte sich der Verfasser, Herr Rehm, genauer informieren können und erfahren, daß die Frauenabteilung des FC Bayern München bereits 1970 gegründet und 1976 Deutscher Meister wurde. Schalke 04 hatte mal eine Frauenabteilung in den 1980ern, die jedoch bereits wieder aufgelöst wurde, aber die Schalker haben eine Kooperation mit dem 1. FFC Recklinghausen. Aber mit einer blossen Überschrift wie "Fußball bleibt Männersache" reicht es ja wohl schon aus, User wie "brusthaare" oder "PatrickFritsch" zufriedenstellen zu können. Man merkt förmlich ein prekariatartiges Aufatmen. Nun, es ist doch logisch, daß wenn man sich die Physis von Männlein und Weiblein betrachtet, daß dann auch das Leistungsniveau und das spielerische Niveau unterschiedlich ist. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, Männerhandball mit Frauenhandball, Männerleichtathletik mit Frauenleichtathletik oder auch Männerbiathlon mit Frauenbiathlon vergleichen zu wollen. Das seltsame am Sport ist halt, daß der Frauenfußball bis 1970 vom DFB verboten wurde und in diesen mittlerweile fast 40 Jahren kann halt noch nicht viel gewachsen sein, wie es beim Männerfußball mit seinen über hundert Jahren gewachsen ist.
Oder Volleyball, aber da haben sich die Herren ja alle gefreut, sch...was auf das Spiel, mit der neuen "Kleiderordnung" isses doch ok.:-((
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