Von Jan Reschke
Hamburg - Einen Ruf wird man so schnell nicht los. Und so dürfte Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia nach dem sechsten Platz mit dem VfB in der vergangenen Saison ganz besondere Genugtuung verspürt haben. Endlich war er nicht mehr nur der kurzfristig erfolgreiche Trainer. Endlich galt er als gestanden statt wie zuvor beim Hamburger SV und Bayer Leverkusen als gescheitert.
Nach dem 0:3 (0:1) gegen die TSG Hoffenheim hat die Vergangenheit Labbadia wieder eingeholt. Er steht in der Kritik. Weil sein Team in der Liga bislang lediglich zwei Punkte geholt hat und auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Weil es gegen Hoffenheim komplett unterging. Weil es leidenschaftslos auftritt. Weil es in der derzeitigen Verfassung lediglich um den Klassenerhalt statt um internationale Plätze spielt.
Doch anders als bei seinen vorangegangenen Stationen ist er diesmal eher Opfer der Umstände denn Auslöser von Problemen.
Angesichts der dürftigen Personaldecke fiel es Labbadia vor der Saison denn auch schwer, die eigene Perspektive zu benennen: "Solange alle Konkurrenten aufrüsten und wir abbauen müssen, kann ich kein Ziel ausgeben", hatte der Trainer gesagt.
Trotz der widrigen Umstände, für die Labbadia nichts kann, ist er nun gefordert, sein psychologisch stark angeknackstes Team aufzurichten. Es hat schon einige Rückschläge wegstecken müssen in dieser Saison. Auffällig ist, dass sich die Mannschaft zu wenig gegen Niederlagen stemmt. Wie gegen den FC Bayern München, als am Ende ein indiskutables 1:6 zustande kam. Wie nun gegen Hoffenheim.
"Das darf uns nicht passieren"
Labbadia sagte sichtlich konsterniert: "Wir haben nach dem 0:1 komplett unsere Linie verloren, was ich so nie erwartet hätte. Wir haben uns nicht als Mannschaft präsentiert - da ist es schwierig zu gewinnen." Auch Torwart Sven Ulreich attestierte seiner Mannschaft ebenfalls einen Einstellungsmangel: "Das darf uns nicht passieren. Wir waren nicht in der Verfassung, das Spiel zu gewinnen", so Ulreich.
Alles Psychologie, oder wie?
Manager Fredi Bobic hat offenbar ein tiefergehendes Problem bei seinen Spielern erkannt: "Die Leistung war indiskutabel, grottenschlecht. Wir werden mit den Spielern hart ins Gericht gehen, aber intern. Das Einmaleins des Fußballs hat heute nicht funktioniert.", sagte Bobic dem TV-Sender Liga total.
Zumindest die Stuttgarter Fans haben ihren Humor nicht verloren. Sie stimmten beim Stand von 0:3 gemeinsam mit den Hoffenheim-Fans "Oh, wie ist das schön" an. Fragt sich nur, wann die Stimmung kippt - und dann wird es wohl wieder einmal Labbadia sein, dem die Rufe gelten.
VfB Stuttgart - 1899 Hoffenheim 0:3 (0:1)
0:1 Usami (5.)
0:2 Joselu (47.)
0:3 Johnson (58.)
Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Kvist (56. Kuzmanovic), Gentner - Okazaki (39. Traore), Hajnal (46. Holzhauser), Cacau - Ibisevic
Hoffenheim: Casteels - Beck, Delpierre, Compper, Johnson - Williams, Rudy - Vukcevic (88. Schröck), Usami (67. Volland) - Firmino (82. Salihovic), Joselu
Schiedsrichter: Peter Sippel (München)
Zuschauer: 41.720
Gelbe Karten: Kvist, Cacau - Williams (3), Joselu
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