Stuttgart-Debakel in München: Der 20-Minuten-Blackout

Von Nils Lehnebach

Es war eine Demütigung, wie man sie in der Bundesliga selten sieht. Der VfB Stuttgart hat beim FC Bayern 1:6 verloren. Dabei war das Team sogar in Führung gegangen. Doch dann folgten zahlreiche individuelle Fehler - und 20 katastrophale Minuten.

6:1-Heimsieg: Bayern zerlegt Stuttgart Fotos
DPA

Hamburg - Bruno Labbadias Ansage war eindeutig und eigentlich unmissverständlich. Stuttgarts Trainer gab vor dem Gastspiel in München die Devise "Gut stehen und offensiv verteidigen" aus. Für seine Mannschaft war die Taktik offenbar dennoch zu kompliziert.

Der VfB blamierte sich in München, kassierte innerhalb von nur 20 Minuten sechs Tore, und verlor völlig verdient 1:6 (1:3). Nur zweimal in seiner 48-jährigen Bundesliga-Zugehörigkeit hatte der Club höher verloren. Nach zwei Spieltagen ist Stuttgart Tabellenletzter.

"Wir haben uns selbst mit vielen Ballverlusten aus dem Spiel genommen. Wenn du den Bayern solche Möglichkeiten gibst, darfst du dich nicht beschweren, dass du Tore kriegst", sagte Manager Fredi Bobic. Dabei hatte es für den VfB eigentlich gut begonnen. Martin Harnik setzte den Ball in der vierten Minuten an die Latte, in der 21. Minute zielte er besser und traf zur Führung.

Es war der einzige Lichtblick an einem ansonsten trostlosen Stuttgarter Sonntag. Denn was anschließend folgte, war ein in dieser Form selten erlebter Blackout. Zwischen der 32. und 51. Minute bot der VfB eine desolate Leistung. Zunächst ließ man innerhalb von 70 Sekunden zwei Tore durch Thomas Müller und Toni Kroos zu, noch vor der Pause gab es das dritte Gegentor.

Trainer Labbadia schien zu diesem Zeitpunkt noch an ein Comeback seiner Mannschaft zu glauben. Er brachte mit Tunay Torun für Tamas Hajnal einen zweiten Stürmer. Ein unmissverständliches Zeichen, dass er noch auf einen Punktgewinn aus war.

Doch er war mit seiner Zuversicht allein. Seine Mannschaft setzte die katastrophale Leistung fort, bekam drei Minuten nach Wiederanpfiff das vierte Gegentor und ließ anschließend den zweiten Münchner Doppelschlag in gut einer Minute zu. Es war "eine Demütigung", sagte Harnik.

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Grafische Analyse: Spielfreudiger Ribéry, desolater Tasci

Vor allem war es nach dem durchaus zufriedenstellenden Saisonstart eine völlig unerwartete Klatsche. Der VfB hatte zuvor im DFB-Pokal den Sechstligisten SV Falkensee-Finkenkrug 5:0 besiegt und war in der Europa League souverän in die Gruppenphase eingezogen. Auch am ersten Spieltag überzeugte das Team gegen Wolfsburg, nur ein unerklärlicher Fehlschuss von Vedad Ibisevic kostete die Punkte.

In München folgte der zweite, nicht zu verstehende, Auftritt der Saison - und wieder waren vor allem individuelle Fehler die Ursache: Torwart Sven Ulreich ließ vor dem ersten Gegentor einen harmlosen Schuss abklatschen, Thomas Müller staubte ab. Auch beim zweiten Gegentreffer sah der Schlussmann nicht gut aus. Doch Ulreich war nicht der einzige Schwachpunkt in der VfB-Defensive, Innenverteidiger Serdar Tasci gewann nur 32 Prozent seiner Zweikämpfe. Ein schwacher Wert für den ehemaligen Nationalspieler.

"Wir haben viel zu viele Fehler gemacht", sagte auch Labbadia, der von einer "bitteren Niederlage" sprach. Die hätte sogar noch höher ausfallen können. Schon in der ersten Halbzeit hatte Linksverteidiger Arthur Boka Mario Mandzukic im Strafraum gefoult, den fälligen Strafstoß gab Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aber nicht.

Richtig lag der Kinhöfer dafür in der 74. Minute, als er Ibisevic nach einer Tätlichkeit gegen Jérôme Boateng vom Platz stellte. Auch wenn sich der Stürmer uneinsichtig zeigt: "Es war keine Absicht. Ich finde, dass ich keine Grenze überschritten habe", sagte Ibisevic. Er dürfte dem Team nun einige Wochen fehlen, so auch im nächsten Spiel gegen den stark gestarteten Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Mit einer Leistung wie in München wird Stuttgart auch diese Partie verlieren - ganz gleich ob mit oder ohne Ibisevic.

Bayern München - VfB Stuttgart 6:1 (3:1)
0:1 Harnik (25.)
1:1 T. Müller (32.)
2:1 T. Kroos (33.)
3:1 Luiz Gustavo (43.)
4:1 Mandzukic (47.)
5:1 T. Müller (50.)
6:1 B. Schweinsteiger (51.)
Bayern München: Neuer - Lahm, J. Boateng, Dante, Badstuber - Luiz Gustavo, B. Schweinsteiger (77. Javi Martinez) - T. Müller, T. Kroos, Ribery (73. Shaqiri) - Mandzukic (69. C. Pizarro)
VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Maza, Boka - Kvist, Gentner - Harnik (89. Traore), Hajnal (46. Torun), Okazaki (69. Bah) - Ibisevic
Schiedsrichter: Kinhöfer
Zuschauer: 71.000
Rot: Keine - Ibisevic (74./Tätlichkeit)
Gelbe Karten: J. Boateng - Gentner

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1. alles unerklärlich?
yogibimbi 02.09.2012
Wie wäre es denn damit: War die Partie vielleicht verschoben?
2. Frage stellt sich nicht.
superM. 02.09.2012
"Mit einer Leistung wie in München wird Stuttgart auch diese Partie verlieren - ganz gleich ob mit oder ohne Ibisevic." Mit Rot fehlt er mindestens ein Spiel, also ganz sicher gegen die Fortuna...
3. .
Jule25 02.09.2012
Seit Kretschmann und den Grünen geht es in BW selbst mit dem Sport bergab!
4. @spon
funnyone2007 03.09.2012
"Martin Harnik setzte den Ball in der vierten Minuten an die Latte, ..." Der Ball wäre reingegangen wenn Manuel Neuer nicht mit den Fingerspitzen noch dran gewesen wäre. Könnte euch ja die Zeitlipe mal anschauen.
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  • Sonntag, 02.09.2012 – 22:46 Uhr
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