Hamburg - Ein Sprecher der Kölner Polizei hat am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa den Suizidversuch von Babak Rafati bestätigt. Der Schiedsrichter sei außer Lebensgefahr.
"Wir fanden bei unserem Einsatz im Hotel eine verletzte Person. Bei dieser Person handelte es sich um den Schiedsrichter der Partie Köln gegen Mainz", sagte der Sprecher. Weitere Details nannte er nicht. Rafati hätte am Samstag das Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 leiten sollen. Die Begegnung wurde abgesagt, wann es nachgeholt wird, steht noch nicht fest.
Bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Köln sprach auch Theo Zwanziger von einem Suizidversuch. Im Hotelzimmer des 41-jährigen Rafati seien entsprechende Notizen gefunden worden, sagte der Vorsitzende des Deutschen Fußballbundes (DFB). Diese müssten aber erst ausgewertet werden. Ein Fremdverschulden sei ausgeschlossen, sagte Zwanziger.
Assistenten retteten Rafati wohl das Leben
Nach Informationen des DFB-Chefs haben Rafatis Assistenten Patrick Ittrich, Holger Henschel und Frank Willenborg ihrem Kollegen das Leben gerettet. Rafati sei nicht zum vereinbarten Zeitpunkt mit seinen Kollegen zusammengetroffen. Daraufhin wurde sein Zimmer geöffnet. Die Assistenten wurden nach ihrer polizeilichen Befragung seelsorgerisch betreut.
Rafati hatte vor sechs Jahren beim Spiel Köln gegen Mainz sein Bundesliga-Debüt gegeben. Die Neuauflage dieses Spiels sollte er am Samstagnachmittag leiten. Der Bankkaufmann aus Hannover ist seit 1997 DFB-Schiedsrichter, 2000 leitete er sein erstes Zweitliga-Spiel, fünf Jahre später sein erstes von bislang 84 Bundesliga-Spielen. Seit 2008 war er Fifa-Schiedsrichter, wurde allerdings im September 2011 vom DFB nicht mehr für internationale Einsätze nominiert.
Rafati pfeift für den niedersächsischen Bezirksligisten Döhren, der mit Entsetzen auf die Botschaft reagierte. "Ich bin tief betroffen von dieser Nachricht", sagte der Erste Vereinsvorsitzende Herbert Ruppel: "Babak Rafati hat berufliche und private Angelegenheiten stets strikt getrennt. Ich kenne ihn nur als zugänglichen und sachlichen Menschen." Rafati war anscheinend am Vorabend in Köln angereist und wie üblich von einem Schiedsrichterbetreuer in Empfang genommen worden.
Auch Deutschlands ehemaliger Top-Schiedsrichter Markus Merk reagierte "unglaublich betroffen" auf den Suizidversuch. "Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, er kommt auf den Weg der Besserung. Ich glaube, in diesen schweren Stunden für den Fußball ist dies das Allerwichtigste", sagte Merk am Samstag im TV-Sender Sky. Merk appellierte zudem, "von allen Spekulationen abzusehen".
luk/dpa/sid/dapd
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