Sandhausen-Trainer Dais: "Fast schon im Wald"
Selten kommen mehr als 5000 Zuschauer ins Hardtwaldstadion von Zweitligist Sandhausen. Im Interview mit dem Magazin "11FREUNDE" lobt SVS-Trainer Gerd Dais dennoch die idyllische Art der Arena und erklärt, warum er an Spieltagen immer sein Trainerbüro räumen muss.
Frage: Herr Dais, der SV Sandhausen spielt im Hardtwaldstadion, das gerade mal 12.100 Zuschauern Platz bietet. Welche Vorzüge hat so eine Kapazität?
Dais: Wir haben in Sandhausen ein schönes Schmuckkästchen. Klein, aber fein. Und sehr idyllisch. Denn das Stadion liegt am Ortsrand, fast schon im Wald, was insgesamt ein sehr schönes Ambiente ergibt.
Frage: Hat diese Lage auch Vorteile für Sie als Coach?
Dais: Wenn man einen Wald vor der Haustür hat, nutzt man das natürlich. Wir gehen regelmäßig im Hardtwald joggen. Und seit kurzem stehen uns auch Fahrräder zur Verfügung. Nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden (1:1) waren wir eine Stunde mit dem Rad im Wald. Ein idealer Ersatz für das Auslaufen.
Frage: Sandhausen ist eine beschauliche Gemeinde vor den Toren Heidelbergs mit knapp 15.000 Einwohnern. Da herrscht bei Heimspielen sicher Ausnahmezustand?
Dais: Wir haben alles im Griff. Für Gäste-Fans steht ein eigener Parkplatz zur Verfügung. Wenn sie mit dem Auto ankommen, werden sie 500, 600 Meter neben das Stadion geleitet. Dort haben wir von einem Landwirt dauerhaft zwei Geländestücke als Parkplätze angemietet. Nach etwa zehn Minuten Fußweg sind die Fans dann im Stadion.
Frage: Und die Spieler kommen auf dem Fahrrad?
Dais: Das ist jedem selbst überlassen. Wir übernachten jedenfalls nicht im Hotel, nur weil wir jetzt in der zweiten Liga spielen. 90 Minuten vor Anpfiff muss jeder Spieler da sein. Das ist machbar, so stark ist das Verkehrsaufkommen dann doch noch nicht. Bisher ist selten mal ein Spieler zu spät gekommen.
Frage: In der vergangenen Saison traf der SVS in der ersten Pokalrunde vor 11.300 Zuschauern auf Borussia Dortmund (0:3). Für Sandhäuser Verhältnisse eine bahnbrechende Kulisse.
Dais: Für dieses Spiel wurden zwei zusätzliche Tribünen installiert, um den Fans aus Dortmund genügend Platz zu bieten. Manche Wege zu den Eingängen führten direkt durch den Wald. Letztlich lief alles reibungslos ab.
Frage: Sollten Sie langfristig in der zweiten Liga spielen, könnte es passieren, dass Sie öfter vor solchen Kulissen auflaufen.
Dais: Um solchen Anforderungen dauerhaft gewachsen zu sein, befindet sich das Stadion derzeit im Umbau. Wir haben eine neue Nordtribüne und eine Überdachung für die Stehplatztribüne erhalten, auf der unsere Anhänger stehen.
Frage: Was zeichnet die Nordtribüne aus?
Dais: Wir haben dort Logen und einen VIP-Bereich. Das gab es in der dritten Liga noch nicht. Außerdem wird in ein paar Wochen ein Wellness-Bereich installiert.
Frage: Klingt luxuriös.
Dais: Eigentlich ist es nur eine normale Sauna in einem kleinen Raum ohne irgendwelchen Schnickschnack. Es war der Wunsch der Spieler, so etwas zu bekommen. Mit dem Budget war es vereinbar, also konnten wir ihnen diesen Traum erfüllen. Aber ein paar Wochen müssen sie sich noch gedulden. Bisher ist es ja auch ohne Sauna gegangen.
Frage: War kein Platz für eine neue Trainerkabine?
Dais: (Lacht.) Doch, die wird auch noch kommen, ebenfalls in der neuen Nordtribüne.
Frage: Bisher müssen Sie aus Ihrer Kabine in der Haupttribüne an Spieltagen immer ausziehen, weil dem Schiedsrichter-Team sonst kein Raum zur Verfügung steht.
Dais: Nicht nur ich, sondern auch mein Co-Trainer und der Torwarttrainer. Daran sieht man, dass sich unser Verein noch entwickelt.
Frage: Können Sie nicht in die Wohnung umziehen, die in der Haupttribüne Spielern zur Verfügung steht, die zum Probetraining kommen?
Dais: Die gibt es nicht mehr. Das ist jetzt unser Physio-Raum. Die Wohnung hatte alles, um sich wohlzufühlen, von einem kleinen Bad bis hin zur Kochnische. Doch wir mussten den höheren Anforderungen Rechnung tragen.
Frage: Und was passiert nun mit den Testspielern?
Dais: Wir bekommen unsere Gäste schon unter. Wenn ein Testspieler kommt, geht er in unser Partner-Hotel.
Frage: Sie haben von 1985 bis 1987 für den SV Sandhausen in der Oberliga Baden-Württemberg gespielt. Wie sah das Stadion damals aus?
Dais: Als ich 1985 in Sandhausen anfing, gab es noch keine Tribünen. Nur das Clubhaus, das heute hinter der Osttribüne steht. Dort haben wir uns umgezogen und sind die restlichen 50, 60 Meter zum Platz gelaufen. Wir mussten uns an den Zuschauern vorbeikämpfen, die rund um den Platz standen. Absperrungen für Spieler gab es noch nicht, obwohl damals schon bis zu 3000 Zuschauer pro Match kamen.
Frage: Also in etwa so viele wie heute.
Dais: Gegen Dynamo Dresden hatten wir 6000 Zuschauer. Unser Ziel ist es, den Schnitt auf 5000 Zuschauer anzuheben. Das wäre eine Verdopplung im Vergleich zur dritten Liga.
Das Interview führte Christoph Erbelding
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- Freitag, 09.11.2012 – 09:04 Uhr
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- Gerd Dais wurde am 11. August 1963 in Heidelberg geboren. Während seiner Profilaufbahn spielte er für Karlsruhe, Homburg, Sandhausen und Mannheim. 1996 begann er seiner Trainerlaufbahn zunächst als Co-Trainer in Sandhausen. Seit 2011 ist er - zum mittlerweile dritten Mal - als Trainer beim SVS, diesmal als Chef. In der vergangenen Saison gelang dem Club der Aufstieg in die zweite Liga.
DPA

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