Aus Fürth berichtet Christoph Ruf
Als Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie beendete, war es mucksmäuschenstill. Keine Hand rührte sich zum Applaus, niemand pfiff. Niemand brüllte seine Enttäuschung heraus. Zu deutlich spürten offenbar die Anhänger beider Fanlager, dass dieses 1:1 zwischen dem Vorletzten und dem Letzten ein fatales Ergebnis war. Fatal, weil sowohl der FC Augsburg als auch Greuther Fürth der Zweiten Liga einen großen Schritt näher gekommen sind. Und fatal, weil man beiden Mannschaften im Grunde keinen Vorwurf machen kann.
Beide spielen so gut, wie sie es eben können. Und so gut, wie es ein Etat hergibt, der sich im Vergleich zu dem des Drittletzten (Hoffenheim) lächerlich ausnimmt. So oder so: Nach menschlichem Ermessen reicht das, was Augsburg und Fürth spielen, nicht für die erste Bundesliga.
Neun Punkte haben beide Teams nach 17 Spielen auf dem Konto - kein Wunder, dass sich beide Trainer weigerten, Rechenspiele anzustellen, an deren Ende der Klassenerhalt steht. Stattdessen gab es wohl formulierte Hilflosigkeiten zu hören - was sonst hätten Fürth-Coach Mike Büskens ("gebe Hoffnung nicht auf") und Augsburgs Trainer Markus Weinzierl ("einige Halbzeiten in der Vorrunde machen mir Mut") auch sagen sollen?
Fürth fehlt ein Torjäger
Schon die erste Halbzeit war an Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Nur 16.300 Zuschauer waren überhaupt gekommen, 1700 Plätze blieben im mit Abstand kleinsten Stadion der Liga leer. Und ausgerechnet beim "wichtigsten Spiel des Jahres" (Fürths Edgar Prib) verzichteten die Ultras auf die Unterstützung ihrer Mannschaft. Nicht 12 Minuten und 12 Sekunden, wie ihre Augsburger Pendants, sondern die gesamte erste Halbzeit durch.
Als dann Sascha Mölders nach zehn Minuten die Augsburger Führung erzielte, kam zur Stille eine bleierne Schwere auf dem Platz bei den Fürthern. Tatsächlich zeigte das Mölders-Tor den Unterschied zwischen beiden Mannschaften auf. Der FCA hat mit Mölders immerhin einen Stürmer in seinen Reihen, der das Tor trifft. Nach seiner Verletzung traf er in Fürth im siebten Einsatz zum vierten Mal.
Ganz anders die Situation in Fürth. Dort war Gerald Asamoah im ersten Saisondrittel als Stammkraft gesetzt, obwohl der Ex-Nationalspieler seinen Zenit längst überschritten hat. Auch gegen den FCA war er wieder bemüht. Doch konnte er früher seine Defizite durch Spritzigkeit kompensieren, dauerte es nun einfach zu lange, bis er einen Ball weiterverarbeitet.
Doch was soll Büskens tun? Ilir Azemi kommt über die Rolle des Ersatzspielers ebenso wenig hinaus wie Tobias Mikkelsen, Djiby Fall ist verletzt. Und Christopher Nöthe, der wieder spielen darf, seit Büskens zum 4-4-2 System (bzw. 4-3-1-1) zurückgekehrt ist, trifft das Tor nicht. Dass es mit Lasse Sobiech erneut ein Verteidiger war, der gegen Augsburg den Ausgleich erzielte (69.), spricht für sich.
Spielerisch ist Fürth bundesligatauglich
Eine Portion Unvermögen begleitet die Fürther auch in der Defensive. Dass Mölders sein Tor völlig unbedrängt aus dem Fünfmeterraum erzielen konnte, war "unverzeihlich", wie Stephan Fürstner fand. "So etwas darf nicht passieren, ist uns jetzt aber auch schon öfter passiert." Vorne treffen sie das Tor nicht, hinten machen sie unfassbare Fehler - die Spielvereinigung darf sich sicher nicht beschweren, wenn sie in der kommenden Saison wieder zweitklassig ist.
Und dennoch haben sie nicht Unrecht, wenn sie sich vom Schicksal ein wenig gebeutelt fühlen. Tatsächlich hatten die Grün-Weißen in der Vorrunde viel Pech mit Schiedsrichterentscheidungen. Doch trotz allen Widrigkeiten, die nicht zuletzt der Mini-Etat mit sich bringt, haben die Fürther in keinem der 17 Spiele aufgesteckt. Vor allem spielten sie im Vergleich zu manchem Tabellennachbarn den deutlich besseren Fußball. Spielerisch ist und bleibt Fürth bundesligatauglich. Aber ist das ein Trost? Eher nicht. Wie sagte doch Mike Büskens so schön: "Wir müssen mit dem Punkt leben. Aber ob wir mit ihm leben können, wird die Zukunft zeigen."
Vor Mike Büskens muss man im Übrigen den Hut ziehen. Der Coach, der noch immer in Gelsenkirchen wohnt, ist der Wunschkandidat der Schalker Fanszene, falls dort ein Trainerwechsel ansteht. Doch weder wird Präsident Hack ihn entlassen, noch würde er Fürth vorzeitig verlassen. Büskens hat Tugenden, von denen in dieser Branche viele reden, wirklich verinnerlicht.
SpVgg Greuther Fürth - FC Augsburg 1:1 (0:1)
0:1 Mölders (10.)
1:1 Sobiech (69.)
Fürth: Hesl - Nehrig, Sobiech, Mavraj, Schmidtgal - Fürstner, Prib - Klaus (69. Mikkelsen), Stieber - Nöthe (78. Hefele), Asamoah (59. Azemi)
Augsburg: Amsif - Vogt (46. Sankoh), Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Koo, Baier - Musona (75. Petrzela), Oehrl, Werner (81. Sio) - Mölders
Schiedsrichter: Zwayer
Zuschauer: 16.340
Rote Karte: Sio wegen groben Foulspiels (85.)
Gelb-Rote Karte: Mavraj wegen wiederholten Foulspiels (76.)
Gelbe Karten: Werner (3), Vogt (5), Musona (2), Ostrzolek (2)
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