Film über Guardiolas Trainerjahre in Barcelona Wer ihm nicht folgt, fliegt

14 Titel in vier Jahren: Der FC Barcelona unter Pep Guardiola gilt als eines der besten Teams der Fußballgeschichte. Eine neue Dokumentation verspricht, das Erfolgsgeheimnis dahinter zu lüften.

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"Schauen Sie her, ich erkläre es kurz", sagt Xavi und ordnet die Gläser vor sich auf dem Tisch zu einer Viererkette an. "Das ist die Abwehr von Manchester United, das die beiden Sechser, und hier, im offensiven Mittelfeld, ist Rooney. Aber der arbeitet kaum mit nach hinten."

Es sind Momente wie dieser, in denen die am Donnerstag erscheinenden Dokumentation "Take the Ball, Pass the Ball" funktioniert. Xavi, lange Zeit Spielmacher des FC Barcelona, veranschaulicht, wie seine Mannschaft im Finale der Champions League 2011 mit einem taktischen Kniff ihres Trainers, dem aus dem Sturm ins Mittelfeld zurückfallenden Lionel Messi, Überzahl im Zentrum herstellte. Barça gewann 3:1, Manchester war chancenlos. "Das beste Team, gegen das wir je gespielt haben", sagte United-Trainer Sir Alex Ferguson damals: "Niemand hat uns jemals so verprügelt".

In der Doku, die auf dem Buch "Barça: The Making oft he Greatest Team in the World" von Graham Hunter basiert, geht es um Barcelonas Dominanz in den Jahren 2009 bis 2012. Vier Jahre, in denen die Mannschaft unter Pep Guardiola 14 Titel gewann und den modernen Fußball neu definierte.

Fußballer, die ihre Taktik erklären, können reizvoll sein. Sie führen den Zuschauer in einen Bereich, zu dem ihm sonst der Zugang versperrt bleibt. Im besten Fall so, als wäre man dabei, wenn Trainer und Mannschaft zusammensitzen und analysieren, was gut lief und was nicht.

Und kein Trainer weckt so viel Neugier wie Guardiola. Seine Mannschaften scheinen den komplexesten Fußball zu spielen, gleichzeitig macht er sich selbst rar, verweigert Interviews. Unter ihm zu trainieren, das sei, als lerne man eine andere Sprache, sagt ein Profi in "Take the Ball", und sowas hört man nicht zum ersten Mal. Es sei, als sehe man Fußball mit anderen Augen, sagen ehemalige Spieler oft und verstärken damit einen Mythos um Guardiola, dem manch Zuschauer erliegt und den manch anderer umso heftiger zu dekonstruieren versucht: völlig überbewertet, der Mann, heißt es dann.

Und was davon stimmt?

Die Chance, den unnahbaren Guardiola weiter zu dechiffrieren, hat die Dokumentation nur in Ansätzen nutzen können. Ihre Unterzeile lautet zwar "Das Geheimnis des perfekten Fußballs", aber falls da ein Geheimnis sein sollte, wird es nicht gelüftet.

"It was a dummy run"

Xavi zuzuhören ist spannend, das gilt auch für Ex-Stürmer Thierry Henry, der an der Taktiktafel erklärt, warum er im Barça-Trikot immer und immer wieder denselben Sprint hinlegen musste, wohlwissend, dass er den Ball nicht zugespielt bekommen würde. "It was a dummy run", sagt Henry, ein Ablenkungsmanöver, um einen Gegenspieler mit sich zu ziehen und so Raum für Andrés Iniesta zu öffnen.

Mehr solcher Einblicke wären schön gewesen, oder man hätte gerne gegnerische Trainer gehört, die Barça aus einer anderen Perspektive betrachten. Am ausführlichsten aber kommen Stimmen derer zu Wort, die Teil des Vereins sind oder waren. Diese Nähe ist Stärke und Schwäche zugleich.

Zum Glück ist da Dmytro Chygrynskiy. Der Abwehrspieler, heute 32, ist nur Fußballkennern ein Begriff. Im Sommer 2009 wechselte Chygrynskiy als erster Ukrainer überhaupt nach Barcelona. Er scheiterte dort. Interessant ist vor allem das Wie.

Mitspieler Henry erzählt, wie Guardiola in einem Ligaspiel einen präzisen Matchplan ersonnen hatte. Eine spezifische Zone des Spielfelds verteidige der Gegner schlecht, also verlangte der Trainer von seinen Verteidigern im Aufbau, Spielmacher Xavi genau darin anzuspielen. "Chygrynskiy aber schlug den Ball zweimal lang in die Spitze auf Zlatan (Ibrahimovic, Anm. d. Red.). Also wechselte Pep ihn aus", sagt Henry. Chygrynskiy war derjenige, der im Film das Arbeiten mit Guardiola als Erlernen einer neuen Sprache bezeichnete. Nach nur einem Jahr verließ er Barcelona wieder. So richtig flüssig hat er Peps Sprache nie gesprochen.

"Wenn Pep sagt 'spring', springe ich"

Andere Spieler folgten ihrem Trainer, und sie nahmen einiges hin. "Er wollte unsere Ernährung umstellen und bestimmen, wann wir schlafen. Pep wollte alles kontrollieren. Er war besessen", sagt Barcelonas Verteidiger Gerard Piqué. Manchmal sei es darüber zum Streit gekommen. Henry erzählt, dass er angehalten wurde, sich nicht zu lange in der Sonne aufzuhalten. Man sei schließlich auf einer Mission.

"Würde Pep sagen: 'Spring von der Tribüne', würde ich es tun, weil es einen Grund gäbe", sagt Abwehrspieler Dani Alves. Es klingt an, wie charismatisch Guardiola im Umgang sein muss. Wie resolut er sein kann, wenn er das Gefühl hat, jemand folgt nicht seinem Plan, seiner Mission.

Ganz am Ende des Films, als der Abspann schon läuft - Achtung, Spoiler - erscheint Guardiola dann schließlich selbst. Er sagt, er habe seinen Spielern in Barcelona damals gar nicht alles erklärt, was auf dem Feld zu tun war. "Die Rollen im Team wurden auf natürliche Weise vergeben", sagt Guardiola. "Und wer das nicht akzeptierte, verließ das Team."

"Take the Ball, Pass the Ball - Das Geheimnis des perfekten Fußballs", wird am 6. Dezember als DVD, Blue-ray sowie digital (u.a. iTunes, Amazon) veröffentlich.



insgesamt 13 Beiträge
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takvor 05.12.2018
1. Genie
Jochan Cruyff hat seine Geheimnisse an Stoichkov und Guardiola weitergegeben, leider nut der zweite ist ein berühmter Trainer geworden. Der Film über Manchester City war traumhaft, sodass wieder eine sagenhafte Serie über Genie Guardiola erschient!!
Nonvaio01 05.12.2018
2. voellig richtig
wer nicht macht was der trainer sagt fliegt. Ich hatte mich gewundert als Eto barca verlassen musste und Ronaldinhio.....am ende hatte Pep recht..;-)
spadoni 05.12.2018
3. takvor
Guardiola ein Genie?? Mitnichten, eher ein Sklaventreiber !!
roninger2000 05.12.2018
4. Und was kam nach Barça?
Man muss ihm zugute halten, dass er die Störenfriede (Ibrahimovic, Deco) beseitigt hat. Ansonsten hatte er einfach das Glück, dass die besten Spieler der Welt miteinander harmoniert haben. Bayern hat es als CL Sieger übernommen u. dann kaputt gemacht. Jedes Jahr von den Spanischen Teams vorgeführt. Bei City verdient er sich dumm u. dämlich, in der CL jedes Jahr unter ferner liefen. Guardiola gehört zu den überschätztesten Trainer.
Prussia Culé 05.12.2018
5. Immer das Gleiche
Zitat von spadoniGuardiola ein Genie?? Mitnichten, eher ein Sklaventreiber !!
Von ihnen kommen immer die gleichen Hater-Kommentare. Genauso wie im Artikel zu Sané über ManCity.
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