SPIEGEL ONLINE: Hallo, Herr Prahl, können wir kurz über das 4:4 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden reden? Oder ist das alles noch zu frisch?
Prahl: Ich bin noch immer erschüttert.
SPIEGEL ONLINE: Wo haben Sie das Spiel geguckt?
Prahl: In meinem Hotelzimmer in Köln, wo wir gerade für den "Tatort" drehen.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das Spiel allein geschaut?
Prahl: Ja, ich konnte mich mit mir selbst ereifern.
SPIEGEL ONLINE: Dann erzählen Sie uns doch bitte, wie Sie diese unfassbare Partie erlebt haben.
Prahl: Die erste Halbzeit fand ich faszinierend. Ich dachte, das Spiel ist gelaufen und wollte nach dem 3:0 eigentlich in die Badewanne, weil ich gesundheitlich etwas angeschlagen bin. Ich habe dann aber doch weitergeguckt.
SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie nicht ausgeschaltet?
Prahl: Ich fand's einfach großartig und spannend, wie Deutschland gespielt hat. Diese Kombinationen, einfach weltklasse, dann das 4:0, bitte mehr davon, dachte ich.
SPIEGEL ONLINE: Und plötzlich begann Schwedens Aufholjagd.
Prahl: Unfassbar! Eine Stunde spielt Deutschland brillant, und dann so etwas. Ich war schockiert und nach dem Spiel kurz davor, mir eine Flasche Rotwein aufs Zimmer zu bestellen, um das sacken zu lassen. Das habe ich mit Rücksicht auf meine Gesundheit aber dann doch gelassen.
SPIEGEL ONLINE: Sie als Fußballexperte
Prahl: halt, stopp, ich bin kein Fußballexperte. Das denken die Menschen immer nur, weil ich mit einem T-Shirt vom FC St. Pauli durch den "Tatort" laufe.
SPIEGEL ONLINE: Also ein Fußball-Ahnungsloser?
Prahl: So nun auch wieder nicht. Ich bin großer Sympathisant von St. Pauli und schaue mir, wann immer ich kann, die Spiele der Nationalmannschaft an.
SPIEGEL ONLINE: Dann sind Sie ja doch der Richtige. Also, woran lag es, dass Deutschland vier Tore in einer halben Stunde kassiert hat?
Prahl: Das ist nicht an Einzelleistungen festzumachen. Psyche, Zufall, dann wird vor dem 4:4 das Foul an Per Mertesacker nicht gepfiffen, da gibt es viele Gründe.
SPIEGEL ONLINE: War sich die DFB-Elf ihrer Sache zu sicher?
Prahl: Offensichtlich. Mein Lebensmotto lautet: Man sollte den Abgrund immer im Auge behalten. Das hat die Mannschaft nicht beherzigt.
SPIEGEL ONLINE: Liegt es am Trainer?
Prahl: Auf gar keinen Fall, Jogi Löw ist genau der Richtige. Und die Mannschaft wird aus diesem Spiel auch etwas lernen.
SPIEGEL ONLINE: Nämlich?
Prahl: Dass sie beim nächsten Mal bis zum Schluss kämpft und so einen Vorsprung über die Zeit rettet. So etwas wird diesem Team nicht wieder passieren.
SPIEGEL ONLINE: War das Spiel am Morgen danach auch Thema am Set?
Prahl: Natürlich, nur das Spiel war morgens Thema.
SPIEGEL ONLINE: Was haben Ihre Kollegen gesagt?
Prahl: Der Erste, dem ich begegnet bin, murmelte nur: "Diese Luschen!"
Das Interview führte Birger Hamann
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