FC Bayern beim Telekom-Cup: Die Angstmacher

Aus Mönchengladbach berichtet

Dass die Bayern auch die kommende Bundesliga-Saison dominieren werden, ahnten Deutschlands Fußballfans schon lange. Beim Debüt von Thiago Alcántara im Telekom-Cup gegen den Hamburger SV zeigten die Münchner, warum. Das System von Pep Guardiola ist bereits zu erkennen.

Bayern im Telekom-Cup: Sie jubeln schon wieder Fotos
REUTERS

Als Schiedsrichter Christian Dingert zur Halbzeit pfiff, brandete leiser Höflichkeitsapplaus auf. 1:0 führte der FC Bayern da gegen eine Hamburger Mannschaft, die mitleiderregend schwach gespielt hatte. Den 47.125 Zuschauern war das nicht entgangen. 30 Minuten später - beim Telekom-Cup dauert ein Spiel nur 60 Minuten - stand es 4:0 für die Bayern, die es gegen Ende gemächlich angehen ließen und dem HSV dennoch in jeder Hinsicht überlegen waren.

Überhaupt: Natürlich spielten die Bayern streckenweise sehr ordentlich. Zumindest wenn man die Maßstäbe eines Vorbereitungsturniers ohne sportlichen Belang zum Maßstab nimmt. Doch das eigentlich Bemerkenswerte war, wie schwach der Gegner war, der ja immerhin in der ersten deutschen Liga spielt. Dass die Hamburger keine großen Offensivaktionen gegen das Münchner Starensemble bekommen würden, davon war auszugehen. Dass sich die HSV-Defensive derart tapsig anstellen und so gut wie alle Zweikämpfe verlieren würde, aber nicht.

"Natürlich haben wir gegen die beste Mannschaft Europas gespielt", sagte HSV-Verteidiger Marcell Jansen, "aber auch gegen die müssen wir uns mehr wehren." Stattdessen schlief die Hamburger Defensive schon beim ersten Münchner Treffer durch Jérôme Boateng, der abstaubte.

"Nicht übermäßig nervös"

Beim 2:0 durch Mario Mandzukic genügte ein schöner Pass von Thiago Alcántara, um die komplette gegnerische Abwehr auszuhebeln, beim dritten Tor durch Toni Kroos patzte dann auch noch Keeper Jaroslav Drobny, der bis dato der mit Abstand beste Hamburger gewesen war (44.). Und beim 4:0 durch Thomas Müller konnten gleich zwei HSV-Spieler den Kopfball des Nationalspielers nicht verhindern. "Das war ein Scheißtag", analysierte Jansen deshalb auch völlig zu Recht und schob tapfer nach, dass er "deswegen jetzt nicht übermäßig nervös" sei, was die kommende Saison angeht.

Und die Bayern? Zeigten so ziemlich genau die Leistung, die man von ihnen zuletzt gewohnt war. Nicht brillant, aber hundertprozentig überzeugend. Was zu erwarten war. Schließlich gilt es derzeit ja als Binse schlechthin, wenn man prognostiziert, dass auch die Guardiola-Bayern ohne größere Mühe die Meisterschaft verteidigen dürften. Umso interessanter war es zu sehen, dass die Mannschaft unter dem neuen Trainer dezent neue Konturen bekommt.

Alcántara ein defensiver "Zehner"

Thiago Alcántara, Wunschspieler des Trainers, spielte von Beginn an, und tat das in Defensive und Offensive so überzeugend, dass die Zuschauer mit der Zunge schnalzten. "Ich habe vier, fünf Jahre mit ihm zusammengearbeitet und bin dem Verein sehr dankbar, dass die Verpflichtung geklappt hat", sagte Guradiola.

Thiagos Job scheint es, eine Art defensiven "Zehner" zu geben, der den Ball vom Keeper abholt, während die Innenverteidiger nach außen weichen und die Außenverteidiger hoch in des Gegners Hälfte stehen. Franck Ribéry, der auch defensiv gut spielte, scheint Guardiola hingegen zentraler spielen sehen zu wollen.

In Mönchengladbach spielte er halblinks hinter der vordersten Spitze, die im ersten Durchgang Claudio Pizarro und im zweiten Mario Mandzukic gaben - beide wechselten völlig problemlos die Positionen, wie überhaupt die gesamte Offensivabteilung munter rochierte und die Außen völlig ungehindert immer wieder mit langen platzierten Bällen das Spiel verlagerten.

Am Schluss der Pressekonferenz wurde Pep Guardiola noch gefragt, wie das Finale gegen Mönchengladbach am Sonntag, (18.30 Uhr, TV: Sat.1, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wohl ausgehen werde. Er werde sich noch die Aufnahmen von deren 1:0-Sieg gegen den BVB anschauen, um die Mannschaft optimal einzustellen, betonte er. Wie das Endspiel ausgehen werde, wisse er aber natürlich nicht.

Das klang absolut einleuchtend, auch wenn die 47.125 Augenzeugen der Samstagspartien einen klaren Favoriten ausgemacht haben dürften. Und das nicht nur für dieses Wochenende.

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insgesamt 156 Beiträge
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1. optional
hirlix 20.07.2013
Einzige Leistung der Bayern ist, dass sie gut gewirtschaftet haben und sich dadurch die Meisterschaft kaufen können. Dortmund hat 2 mal die Meisterschaft geholt, also wurden 70 Millionen ausgegeben und schon war der Titel zurückgeholt. Nun noch mal 50+ Millionen um auch sicher zu gehen, dass die Saison langweilig wird.
2. System?
exeblue 20.07.2013
Das System ist schon länger erkennbar! Andere mit Geld zuscheixxxx. Wirklich nicht neu. Mit dem Kapital einsatz würde auch Wangerooge Deutscher Meister. Würde jeder andere wohl auch so machen, bleibt im Ergebnis aber langweilig. Soll kein Neid sein, aber eigentlich wollte ich Fußball gucken und nicht Monopoly. Aber das werde ich wohl in Deutschland nicht mehr finden. Da werden ja schon in der Kreisklasse mit Geldern jongliert, da vorgeht es einem schon.
3.
maxgil 20.07.2013
Zitat von hirlixEinzige Leistung der Bayern ist, dass sie gut gewirtschaftet haben und sich dadurch die Meisterschaft kaufen können. Dortmund hat 2 mal die Meisterschaft geholt, also wurden 70 Millionen ausgegeben und schon war der Titel zurückgeholt. Nun noch mal 50+ Millionen um auch sicher zu gehen, dass die Saison langweilig wird.
Bingo! Was ich nicht kapiere, ist, dass sich Menschen nördlich des WWÄ damit solidarisieren oder sogar euphorisieren lassen können?!?! Wer braucht den FCB? Habt ihr die Deutsche Bank auch so lieb? (Peanuts)
4.
watislos 20.07.2013
Zitat von hirlixEinzige Leistung der Bayern ist, dass sie gut gewirtschaftet haben und sich dadurch die Meisterschaft kaufen können. Dortmund hat 2 mal die Meisterschaft geholt, also wurden 70 Millionen ausgegeben und schon war der Titel zurückgeholt. Nun noch mal 50+ Millionen um auch sicher zu gehen, dass die Saison langweilig wird.
Dortmund hat erheblich mehr ausgegeben als Gladbach und dennoch gegen Gladbach verloren. Ihre Erklärung?
5. Neid?
emdemuc 20.07.2013
Was hat denn all die anderen Mannschaften, die jahrelang CL gespielt haben, daran gehindert, genauso gut zu wirtschaften und sich die Mannschaften zu kaufen? Wieviel Schulden hat der FCB? Die vom Stadion, aber die sind wohl bald abbezahlt und operativ macht man seit Jahrzehnten Gewinne. Also nachmachen, nicht stänkern...
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