Testspiel gegen Kanada DFB-Elf siegt dank starker zweiter Hälfte

Dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr Testspiel gegen Kanada gewonnen. Nach 45 Minuten hatte es allerdings noch nach einer erneuten Blamage für die Elf von Rudi Völler ausgesehen.


Gelungener Abschied aus Wolfsburg: Tobias Rau, künftig für den FC Bayern München tätig, jubelt nach seinem Treffer zum 4:1
AP

Gelungener Abschied aus Wolfsburg: Tobias Rau, künftig für den FC Bayern München tätig, jubelt nach seinem Treffer zum 4:1

Wolfsburg - Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich mit einem 4:1 (1:1) gegen Kanada auf den Gipfel in Schottland eingestimmt. Sechs Tage vor dem Richtung weisenden EM-Qualifikationsspiel in Glasgow kam die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler am Sonntag im Test-Länderspiel in Wolfsburg erst dank einer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause zum standesgemäßen Erfolg.

"In der ersten Hälfte waren die Kanadier noch frisch und haben taktisch geschickt gespielt", sagte Völler, "wir hatten kaum Mittel, uns durchzusetzen. Wir waren etwas geschockt durch den frühen Rückstand, aber die Reaktion in der zweiten Halbzeit war sehr gut. Da war Spielfreude zu sehen. Das Spiel hat mir Mut gemacht für die Partie gegen Schottland am Samstag. Das Wichtigste war, dass die Spieler ohne Spielpraxis gefordert wurden."

Vor 23.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften Volkswagen-Arena, darunter Schottlands Coach Berti Vogts, erzielten Carsten Ramelow (41.), Paul Freier (53.), Fredi Bobic (63.) und Tobias Rau (90.) die Tore. Kevin McKenna (20.) hatte die Kanadier in Führung gebracht.

Erst die Einwechselspieler bringen neuen Schwung


"Das 0:1 war sehr unglücklich, denn wir hatten auch schon in der ersten Hälfte gute Möglichkeiten. Nach der Pause haben wir auf das Tempo gedrückt und auch davon profitiert, dass die Kanadier abgebaut haben", sagte der beste deutsche Spieler, Fredi Bobic.

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem 8:0-Sieg über Saudi-Arabien, mit dem in Sapporo der deutsche Erfolgszug bei der WM-Endrunde in Südkorea und Japan begann, agierte der Vize-Weltmeister bei der Länderspiel-Premiere in Wolfsburg eine Halbzeit lang plan- und ideenlos. Nach dem Wechsel sorgten dann die deutschen Einwechselspieler für frischen Wind.

Der vom früheren DFB-Coach Holger Osieck betreute Fifa-Weltranglisten-77. ging zunächst sogar in Führung: Nach einer Freistoßflanke von Martin Nash stimmte in der deutschen Viererkette die Zuordnung überhaupt nicht. Der Bremer Frank Baumann kam gegen KcKenna zu spät und der Ex-Profi von Energie Cottbus konnte nahezu ungestört zum 0:1 einköpfen. Praktisch im Gegenzug traf zwar Bobic, doch der französische Schiedsrichter Eric Poulat erkannte das Tor zu Unrecht nicht an. Die TV-Bilder zeigten, dass bei diesem Angriff kein deutscher Akteur im Abseits stand.

Rau erzielt sein erstes Länderspieltor


Nach einer der wenigen guten Kombinationen der ersten Hälfte fiel dann kurz vor der Pause aber doch der Ausgleich, als Ramelow mit einem sehenswerten Volleyschuss zum 1:1 traf.

Nach dem Wechsel wechselte Völler wie geplant durch und brachte vier frische Kräfte ins Match. Freier übernahm die rechte Außenbahn, so dass Schneider zentral hinter den Spitzen agieren konnte. Das wirkte sich positiv aus, zumal der vom ebenfalls eingewechselten Stuttgarter Andreas Hinkel glänzend frei gespielte Freier schnell das 2:1 markierte. Bobic machte nach Neuvilles kluger Vorarbeit alles klar. Der künftige Münchner Rau erzielte in seinem letzten Spiel in Wolfsburg seinen ersten Treffer im DFB-Dress.

"Für mich war dieses Spiel wie Weihnachten und Geburtstag zusammen: Der erste Sieg mit der Nationalmannschaft, mein erstes Tor - und das in meinem letzten Spiel in Wolfsburg. Besser hätte es für mich nicht laufen können", sagte Rau.

Deutschland - Kanada 4:1 (1:1)
0:1 McKenna (20.)
1:1 Ramelow (41.)
2:1 Freier (52.)
3:1 Bobic (61.)
4:1 Rau (90.)
Deutschland: Rost/Schalke 04 (29 Jahre/3 Länderspiele) ab 46. Butt/Bayer Leverkusen (29/3) - Friedrich/Hertha BSC Berlin (24/8) ab 46. Hinkel/VfB Stuttgart (21/2), Baumann/Werder Bremen (27/16) ab 59. Rehmer/Hertha BSC Berlin (31/32), Wörns/Borussia Dortmund (31/45), Rau/VfL Wolfsburg (21/3) - Schneider/Bayer Leverkusen (29/24) ab 75. Hartmann/Hertha BSC Berlin (28/2), Frings/Borussia Dortmund (26/22), Ramelow/Bayer Leverkusen (29/38) ab 46. Freier/VfL Bochum (23/9), Kehl/Borussia Dortmund (23/16) - Bobic/Hannover 96 (32/24) ab 69. Kuranyi/VfB Stuttgart (21/3), Lauth/1860 München (21/3) ab 46. Neuville/Bayer Leverkusen (30/41)
Kanada: Onstad/San Jose Earthquakes (35/37) - Nsaliwa/1. FC Saarbrücken (21/10) ab 82. Fletcher/Atlanta Silverbacks (31/40), Fenwick/Hibernian Edinburgh (33/29), Pizzolitto/Montreal Impact (26/6), Hastings/Grazer AK (26/31) - Nash/Montreal Impact (27/25) ab 77. Canizalez/Werder Bremen Am. (20/3), Imhof/FC St. Gallen (25/16), Dasovic/Vancouver Whitecaps (34/58), de Guzman/Hannover 96 (22/6) - Stalteri/Werder Bremen (25/42), McKenna/Heart of Midlothian (23/16)
Schiedsrichter: Eric Poulat (Frankreich)
Zuschauer: 23.000



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