Teure Bayern-Tickets Biete Stehplatzkarte für 3000 Euro

Zockt der FC Bayern seine Fans ab? Der Club verkauft einen Teil seiner Tickets über den britischen Anbieter Viagogo. Auf der Web-Plattform werden Eintrittskarten zu astronomischen Preise und mit überhöhten Bearbeitungsgebühren angeboten. Bei der Hauptversammlung probten die FCB-Anhänger jetzt den Aufstand.

Bayern-Fans im Stadion: "Echte Abzocke"
AP

Bayern-Fans im Stadion: "Echte Abzocke"

Von und


Hamburg/Münster - Wenn Franziska G. ins Stadion will, muss sie zuerst den Computer anschalten. Die Anhängerin des FC Bayern München hat trotz etlicher Anfragen bislang vergeblich versucht, eine Dauerkarte für die Münchner Arena zu erwerben. Deshalb greift sie wöchentlich auf die Dienste der Firma Viagogo zurück - und kauft sich ihre Eintrittskarten im Web. Freude hat G. nur selten dabei.

Vielmehr empfindet sie das Angebot der englischen Firma als "echte Abzocke." Dabei wirbt Viagogo damit, offizieller Sponsor des FC Bayern zu sein, samt exklusiver Partnerschaft für den Verkauf von Heimspieltickets. Doch die Preise sind hoch. "Ich kaufe wirklich so ziemlich für jedes Spiel Viagogo-Karten für Stehplätze. Das kostet mich pro Saison etwa 500 Euro nur für die Bundesliga. Das ist ungefähr so viel wie vier Stehplatzdauerkarten zusammen", rechnet G. vor. Besonders problematisch erscheinen ihr die Gebührenaufschläge, die für den Laien kaum nachzuvollziehen sind.

Denn Viagogo gibt seinen Kunden kaum Einblicke in die eigenen Geschäftspraktiken. Dabei bezeichnet sich das Unternehmen selbst als "eine Börse von Fans für Fans", bei der Jahres- oder Tageskarten auch kurzfristig angeboten und gekauft werden können. Allerdings zu wenig fanfreundlichen Preisen. So zahlen Stehplatzkartenkäufer für ein Sieben-Euro-Ticket beinahe noch einmal das Doppelte für Bearbeitungsgebühren. Ein 80-Euro-Ticket wird mit knapp 40 Euro Gebühren veranschlagt. "Wofür man bezahlt, wird aber nicht ersichtlich", sagt G.

Keine Transparenz

Franziska G. und etliche andere Fans des aktuellen Tabellenersten der Bundesliga haben sich bereits mehrfach mit Viagogo und dem FC Bayern München in Verbindung gesetzt und mehr Transparenz eingefordert. Doch sowohl vom Verein als auch von Seiten der Firmen gab es keine oder nur sehr dürftige Erklärungen. Stattdessen hieß es zuletzt, dass der Vertrag der Münchner mit den Engländern, die seit 2007 offizieller Sponsor sind, verlängert wurde.

"Nach unseren Einschätzungen bringt der Vertrag den Bayern ungefähr drei Millionen Euro zusätzlich", sagt ein Bundesliga-Kenner. Der FC Bayern München wollte SPIEGEL ONLINE die Zahlen nicht bestätigen. Genauso wenig wollte der Verein, der mittlerweile ein Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 300 Millionen Euro ist, etwas zu dem Vorwurf sagen, er würde mit seinem Ticketgebaren nur wenig Rücksicht auf seine Fans nehmen.

Edward Parkinson, Geschäftsführer der Firma Viagogo, hingegen erläuterte zumindest, dass die Engländer "große betriebliche Ausgaben haben, um einen absolut sicheren Ticket-Verkauf garantieren zu können". Um diese Kosten aufzufangen, seien Servicegebühren notwendig, zudem kommt ein hoher englischer Steuersatz von 20 Prozent pro verkaufter Karte oben drauf. Und die Schwankungen innerhalb der Gebührenzuschläge lassen sich dadurch erklären, dass "je nach verbliebener Zeit zum Spiel oder der Entfernung der Ticketzusendung vom Käufer zum Verkäufer unterschiedliche Bearbeitungsaufwände entstehen", so Parkinson.

Gebühren steigen um das Fünfzehnfache

Warum die Gebühren in den vergangenen Jahren teilweise um das Fünfzehnfache angestiegen sind, beantwortete der Geschäftsführer nicht. Genauso wenig die Frage, ob der FC Bayern Viagogo ein festes Ticketkontingent zur Verfügung stellt, das die Londoner zu selbst gewählten Preisen anbieten können. Es wäre eine lukrative Einnahmequelle, denn so könnten Eintrittskarten im großen Stile zu Mondpreisen an Reiseveranstalter oder Drittfirmen weiterverkauft werden. Damit allerdings wäre dem illegalen Schwarzmarkthandel Tür und Tor geöffnet.

"Erst letzte Woche hat der FC Bayern seinen offiziellen Fanclubs mitgeteilt, dass zur nächsten Saison die Zuteilung von Karten ausgelost werden muss. Da wäre es ein Unding, wenn man gleichzeitig bei jedem Spiel Viagogo mit mehreren hundert Tickets ausstattet", sagt Gregor Weinreich vom Münchner Fan-Dachverband Club Nr. 12. Gemeinsam mit anderen Fans hat er über einen längeren Zeitraum beobachtet, wie ganze Reisegruppen mit Viagogo-Tickets immer wieder in den gleichen Stadionabschnitten platziert wurden. Nun hat er einen Antrag zur Bekämpfung des Schwarzmarkts aufgesetzt, der bei der Jahreshauptversammlung am heutigen Freitag eingereicht werden soll. Dadurch erhoffen sich die Fans, dass das Geschäftsverhältnis zwischen dem FC Bayern und Viagogo in Zukunft transparenter wird.

Auf der Jahreshauptversammlung wurde von einem Fan die Zusammenarbeit mit einer Online-Tickettausch-Börse kritisiert. Der Fan erklärte, dass bei dem Portal für zwei Champions-League-Finalkarten, was in dieser Saison in München stattfinden wird, beispielsweise 7000 Euro fällig würden. "Fußball muss bezahlbar sein - für alle", skandieren daraufhin einige Personen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte dazu: "Dieser Vortrag war unglaublich demagogisch, wir haben noch gar keine Karten für das Champions-League-Finale." Anschließend wurde er ausgepfiffen und leitete zum nächsten Beitrag über.

Die Anhänger haben die Sorge, dass ihr Verein sie an der Nase herum führt. Denn einiges an dem Ticketgeschäft sieht nach einem Geschäftsmodell aus, bei dem der Club hohe Sponsorengelder von der Ticketbörse kassiert, die dann die Eintrittskarten zur Refinanzierung des Engagements mit vermeintlich überhöhten Gebühren und damit zum Nachteil der Fans weiterverkauft. "So kann man natürlich auch dem Streit um eine Eintrittspreiserhöhung aus dem Weg gehen", erklärt ein Münchner Ultra, der einer der größten Gruppierung des FC Bayern angehört.

Seit Monaten verzichten die Hardcore-Fans mittlerweile darauf, ihre Tickets über Viagogo zu beziehen. "Spätestens seit wir gesehen haben, dass in der vergangenen Saison für Auswärtstickets beim Spiel auf St. Pauli Preise von 3000 Euro für Stehplätze auf der Viagogo-Seite angezeigt wurden."

Für die Auswärtsspiele gibt es allerdings keinen Vertrag zwischen dem FC Bayern und Viagogo. Hier handeln die Viagogo-Nutzer völlig selbständig und lassen teilweise astronomische Preiseinstufungen zu, mit denen natürlich auch die Bearbeitungsgebühren signifikant ansteigen. Dieses Modell wendet Viagogo auch bei zahlreichen anderen Bundesliga-Clubs an, die sich in den vergangenen Jahren teilweise vehement dagegen zur Wehr setzten.

Auch dies soll am heutigen Abend auf der Jahreshauptversammlung thematisiert werden.

insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
macjena 18.11.2011
1. Markt. Viele andere Vereine
Nur weil der Preis hoch ist für die Karten ist es doch nicht gleich Abzocke? Viele Menschen wollen zu Spielen der Bayern. Da sind die Karten dann knapp. Die wenigen die weiterverkauft werden treffen auf eine hohe Nachfrage: Hoher Preis. Es geht aber auch anders: Wie der Spiegel berichtete hat der Hamburger SV den Weiterverkauf seiner Karten untersagt. Und dies dann rechtlich gegen Viagogo durchgesetzt.
hdudeck 18.11.2011
2. Sieben Euro
fuer ein Stehplatz ? Sind die Bayern denn verrueck. Die sollen sich mal ein Beispiel an den Yankees nehemen Starting Karte pro Spiel Season Ticket Field Level Starting at $110 $3,100- $6,600 Field MVP Starting at $260 $7,300 Champions Starting at $300 $7,000 Delta Sky 360 Starting at $305 $7,000 Legends Starting at $600 $15,000
henryb_de 18.11.2011
3. Krasser Laden ... Finger Weg!
Ich bin letzten Sommer bei der Frauen-WM auf den Laden gestossen. Wollte noch Tickets für USA-Brasilien (Halbfinale). Da gabs dort noch welche. Einige zu "normalen" Wiederverkäferpreisen, sprich Aufschlag bis maximal 100% aber auch Mondpreise sprich 500 Euro und mehr. Bei letztern habe ich garnicht "weitergeklickt". Aber ich war bereit, für ein 40-Euro-Ticket ca. 70 Euro zu zahlen. Als ich dann "zur Kasse ging" wollten die letztendlich für 4 solche Tickets statt 280 Euro + Porto dann ca. 470 Euro. Nein danke. Weiss nicht, was in D der Verbraucherschutz dazu sagen würde. Und wenn ein Verein seine Fans tatsächlich wissentlich solchen "Wucherern" aussetzt und evtl. sogar noch davon wirtschaftliche Vorteile hat ... einfach ekelhaft. Wer kennt noch die "Fan-Beschimpfungen" von Herrn Höhnes, der sinngemäss sagte: "was wir hier alles tun, um Euch guten Fussball zu bieten". Erscheint damit in einem ganz anderen Licht.
westpfälzer 18.11.2011
4. Wird irgendjemand
gezwungen ein solches Spiel zu besuchen? Nein! Wir sind doch alle mündige Bürger oder etwa nicht? Ein Boykott wäre heilsam!
drizzt81 18.11.2011
5. Stimmt
Zitat von westpfälzergezwungen ein solches Spiel zu besuchen? Nein! Wir sind doch alle mündige Bürger oder etwa nicht? Ein Boykott wäre heilsam!
Sie haben damit natürlich recht. Allerdings fehlt den Fans anscheinend die notwendige Organisation, um sich gegen dieses Verhalten zu wehren. Das ist nach meinem Verständnis der Grund, warum sich der Verbraucherschutz damit auseinandersetzten muss. Mark ist es eh Wurst: ich gehe einfach nicht zu "Events", die mir zu teuer sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.