Tévez, Diego und Co.: Lustlos-Fußballer außer Kontrolle

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Sie düpieren Fans und Vereinsbosse, verweigern die Arbeit oder flirten offen mit der Konkurrenz. Fußballer wie Carlos Tévez von Manchester City provozieren ihre Wechsel mit absurden Methoden. Die Clubs halten mit drakonischen Strafen dagegen - und bleiben doch meist die Verlierer.

Tevez & Co.: Die Bocklos-Profis Fotos
Getty Images

Hamburg - Carlos Tévez ist ein begnadeter Fußballspieler. Der Stürmer wurde Champions-League- und Weltpokalsieger, er ist Nationalspieler Argentiniens. Der 27-Jährige spielt bei Manchester City, einem europäischen Top-Club, er verdient jede Menge Geld. Tévez müsste ein glücklicher Mann sein.

Er selbst sieht das offenbar anders. Mit seinem Verhalten hat Tévez es innerhalb weniger Minuten geschafft, bei dem neureichen Premier-League-Verein zur Persona non grata zu werden. Er ist nicht der einzige Profi, dem Verein und Fans offenbar egal sind - und die mit dieser Masche bei ihren Wechselplänen auch noch erfolgreich sind.

Was war passiert? Im Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern am vergangenen Dienstag verweigerte Tévez offenbar seine Einwechslung. Nach Angaben von Trainer Roberto Mancini hatte der Offensiv-Akteur beim Stand von 0:2 nicht einmal mehr die Lust, sich aufzuwärmen. Der mutmaßliche Arbeitsverweigerer lieferte erst eine Erklärung, dann eine hanebüchene Entschuldigung und schließlich ein Dementi. Nichts davon konnte den Eindruck widerlegen, dass hier ein bockiger Bengel am Werke ist. Bei der Rückkehr nach Manchester musste ihn die Polizei vor den eigenen Fans schützen.

Tévez hat sich in seiner Karriere bereits einige Skandale geleistet. Mal spekulierte die englische Boulevardpresse über mehrere Liebeleien zur gleichen Zeit, auf den Sportseiten maulte er über das zu hohe Trainingspensum, regelmäßig ließ er Wechselabsichten verkünden. Bereits im Dezember 2010 bat er ManCity darum, ins Ausland gehen zu dürfen - per Brief. Genützt hat das nichts, man verständigte sich auf eine weitere Zusammenarbeit.

Doch seit er von Trainer Mancini konsequent bei der Startaufstellung ignoriert wird, sucht der bis 2014 gebundene Argentinier offenbar erneut den Ausweg - und scheut vor Provokationen nicht zurück. Für sein geschätztes Gehalt von einer Million Pfund pro Monat bot er gegen die Bayern schlicht keine Gegenleistung.

"Spieler schaden sich nur selbst"

"Die Spieler schaden sich nur selbst, wenn sie nicht spielen. Das sehen auch zukünftige Arbeitgeber so. Heute wird sehr viel Wert auf charakterliche Eigenschaften gelegt", sagt Ulf Baranowsky von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV). Trotzdem sind Lustlos-Profis schon seit langem erfinderisch, wenn es um das Erzwingen von Transfers geht - auch in der Bundesliga.

Unvergessen ist Rafael van der Vaart. Der wechselwillige Niederländer ließ sich 2007 mit dem Trikot des FC Valencia ablichten - obwohl der Hamburger SV einen Transfer zu diesem Zeitpunkt strikt ablehnte. Die Fans waren außer sich, der Mittelfeldregisseur hatte mit seiner zweifelhaften Aktion keinen Erfolg. Sein Club blieb standhaft und ließ van der Vaart erst im Sommer 2008 für etwa 15 Millionen Euro zu Real Madrid ziehen - weil man dringend auf das Geld angewiesen war.

Auf den Cash-Faktor kann Tévez nicht hoffen. Seit dem Einstieg von Scheich Mansour Bin Zayed al-Nahyan schwimmt Manchester City im Geld. Allein vor dieser Saison gab der Club für Sergio Agüero und Samir Nasri 72 Millionen Euro aus, mehr als der FC Bayern für Franck Ribéry und Arjen Robben (insgesamt etwa 50 Millionen Euro) bezahlte. 2009 legte man allein für Tévez 55 Millionen Euro hin. Der kam ausgerechnet vom Stadtrivalen United. Zum Dank machte City ihn nach Angaben des englischen "Guardian" zum bestbezahlten Spieler der Premier League.

Fifa-Vize fordert Exempel

Und weil Geld hier keine Rolle spielt, könnten die "Citizens" Fifa-Vize-Präsident Jim Boyce glücklich machen. Er fordert, City müsse im Fall Tévez ein Exempel statuieren. Der Club solle dem Stürmer einen Wechsel zu einem anderen Verein verweigern, sagte der Stellvertreter von Sepp Blatter dem englischen Pay-TV-Sender Sky Sports. Bisher verhängte Manchester eine 14-tägige Suspendierung, um in Ruhe über weitere Schritte nachdenken zu können. Dazu gibt es wohl eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Pfund (etwa 570.000 Euro), die Tévez locker verschmerzen kann. Doch anders als die meisten Clubs der Welt könnte es sich ManCity tatsächlich leisten, ihn für die restliche Vertragslaufzeit auf die Tribüne zu setzen.

Das haben auch die durch den VW-Konzern gesponsorten Wolfsburger beim exzentrischen Spielmacher Diego versucht. Der Brasilianer hatte in der vergangenen Saison vor dem Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim die Mannschaftssitzung verlassen, als er erfahren hatte, dass er nicht für die Startformation vorgesehen war. Trainer und Manager Felix Magath ließ den ebenso formschwachen wie lustlosen Diego dafür bezahlen: Angeblich 500.000 Euro flossen in die Vereinskasse. Eine solche Geldstrafe war zuvor noch nie in der Bundesliga gezahlt worden.

Nie wieder werde der Brasilianer unter ihm spielen, ließ Magath mitteilen. Er hielt Wort. Der einst für 15 Millionen Euro verpflichtete Spielmacher ist inzwischen zu Atlético Madrid ausgeliehen. Wolfsburg fehlt bis heute ein Mittelfeldregisseur seiner Klasse, Diego erwischte bei seinem neuen Club einen guten Start. Der Eklat in Deutschland schien den Spaniern bei der Verpflichtung egal zu sein.

Die traurige Wahrheit dürfte auch im Fall Tévez sein: Der Stürmer, dem in bisher 158 Premier-League-Spielen 69 Tore gelangen, wird einen neuen Club finden. Einen, der viel Geld für ihn auf den Tisch legen, ihm einen herzlichen Empfang bereiten und ein üppiges Gehalt zahlen wird. Laut britischen Medien soll Inter Mailand bereits Interesse haben.

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Die Spieler…
ericbazaar 30.09.2011
haben doch die Macht, wenn es mit der Manschaft nicht mehr richtig läuft wird immer der Trainer zur Rechenschaft gezogen. Das manchmal die Spieler dahinterstecken merkt glaub ich keiner…Sie genießen Schutz und baden weiter in Millionen!
2. Zweischneidiges Schwert
Cancun 30.09.2011
Die Tevez-Affäre macht das Dilemma des Fußballs deutlich: Die Vereine sind ein Stück weit gefangen zwischen irre teuren Spielerstars und korrupten Verbänden. Der Spruch von Jim Boyce ist doch reiner Populismus. Der kann als Verbandsvertreter diese Gelegenheit nicht auslassen, sich bei den Fans anzubiedern und Verbandspolitik zu betreiben - denn die Fußballverbände fürchten nichts so sehr wie Macht an Spieler und Vereine zu verlieren. Insbesondere in diesen Tagen, wo der Prozess des schweizerischen FC Sion vor einem zivilen Gericht statt der Sportsgerichtsbarkeit sich auf ein zweites "Bosman-Urteil" zubewegt und die Fußballwelt in den Grundfesten zu erschüttern droht.
3. Selber Schuld!
RuleBritannia 30.09.2011
Zitat von sysopSie düpieren Fans und Vereinsbosse, verweigern die Arbeit oder flirten offen mit der Konkurrenz. Fußballer wie Carlos Tévez von Manchester City provozieren ihre Wechsel mit absurden Methoden. Die Clubs halten mit drakonischen Strafen dagegen - und bleiben doch meist die Verlierer. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,789144,00.html
Die Clubs und die hirnlosen Fussballfans sind selber Schuld! Warum zahlt man Primaten (Mit Verzeihung zu den Affen) solche unvorstellbaren Mengen Geld damit sie einem Lederball hinterher rennen? Es scheint Fussballanhaenger sind genauso bescheuert wie die Fussballer. Fussball ist der Sport der Verbloedeten!
4. Divenspasmen
r-le 30.09.2011
Zitat von sysopSie düpieren Fans und Vereinsbosse, verweigern die Arbeit oder flirten offen mit der Konkurrenz. Fußballer wie Carlos Tévez von Manchester City provozieren ihre Wechsel mit absurden Methoden. Die Clubs halten mit drakonischen Strafen dagegen - und bleiben doch meist die Verlierer. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,789144,00.html
Man muss sich nicht wundern, wenn die oft unterbelichteten Spieler, die für aberwitzige Summen einen Ball mit dem Fuß schieben, die Diven raushängen lassen. Das Geschäftsgebaren im Fussball ist versaut und überdimensioniert.
5. grr
taiga 30.09.2011
Zitat von sysopSie düpieren Fans und Vereinsbosse, verweigern die Arbeit oder flirten offen mit der Konkurrenz. Fußballer wie Carlos Tévez von Manchester City provozieren ihre Wechsel mit absurden Methoden. Die Clubs halten mit drakonischen Strafen dagegen - und bleiben doch meist die Verlierer. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,789144,00.html
Dann sollten die Arbeitsverträge so rigide ausgelegt werden, dass bei Arbeitsverweigerung eine sofortige Sperre von – sagen wir mal – zwei Jahren greift. Da würden solche Schmarotzer wie dieser Tévez gar nicht erst auf diese Tour kommen.
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Sieger Uefa Champions League
Jahr Verein
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

Financial Fair Play
Das Financial Fair Play (FFP) ist ein Uefa-Reglement zur Lizenzierung der Clubs für die Teilnahme an europäischen Clubwettbewerben. Darin sind unter anderem sportliche, infrastrukturelle, rechtliche und finanzielle Bedingungen aufgeführt, die von den Clubs erfüllt werden müssen. So müssen im Verlauf der letzten drei Jahre beispielsweise die Einnahmen die Ausgaben ausgleichen. Ist das nicht der Fall, kann die Differenz durch private Geldgeber oder Investoren ausgeglichen werden, allerdings bislang nur bis zu einem Betrag von 45 Millionen Euro. Ab 2018 soll neu verhandelt werden, wie hoch dieser Betrag sein darf. Das langfristige Ziel besteht darin, den Betrag auf null zu senken. Bei Verstößen kann die Uefa die Clubs sanktionieren. Dies können Geldstrafen bei kleineren Verstößen sein und sogar der Ausschluss vom Europapokal bei schweren Vergehen gegen das FFP. Die Vereine haben mit der Uefa vereinbart, die Sanktionen zu akzeptieren.

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