Zwanziger-Anwalt "Weil nur so die Wahrheit auf den Tisch kommt"

Theo Zwanziger greift Wolfgang Niersbach im SPIEGEL frontal an. Hier erzählt der Anwalt des Ex-DFB-Präsidenten, warum sein Mandant in die Offensive ging: "Die Täuschungsmaschinerie gewisser Herren nahm ihren Lauf", so Hans-Jörg Metz.

Ein Interview von


SPIEGEL: Der DFB steckt in der Krise, erst recht nach dem harten Angriff Ihres Mandanten Theo Zwanziger. Sind Sie in dieser Sache der Krisenmanager von Zwanziger?

Metz: Wir haben keine Krise, ich berate Herrn Zwanziger seit Längerem. Nicht nur in dieser Sache, sondern auch etwa in dem Verleumdungsprozess, den Katar gegen meinen Mandanten angestrengt hat. Aber zugegeben, die Medienanfragen der letzten Tage waren schon etwas Besonderes.

SPIEGEL: Warum haben Sie Theo Zwanziger dazu geraten, mit seiner Sicht der Dinge in den SPIEGEL zu gehen? (Hier die ganze Geschichte im SPIEGEL)

Metz: Weil nur so die Wahrheit auf den Tisch kommen kann, die nun mal zum Schutz meines Mandanten unerlässlich ist. Die offenkundige Täuschungsmaschinerie bestimmter Herren nahm ja ihren Lauf. Es wurde sogar mit einer Strafanzeige gegen meinen Mandanten gedroht. Herr Zwanziger hatte am Dienstag dieser Woche, tief enttäuscht, seinen Urlaub abgebrochen und wollte bereits am selben Nachmittag eine Pressekonferenz geben.

SPIEGEL: Die gab es dann aber nicht.

Metz: Davon habe ich ihn abgebracht, weil es nach unserer übereinstimmenden Auffassung keinen Sinn machte, einen solch komplexen Vorgang vor einem großen Gremium von Journalisten erläutern zu wollen. Zumal es auch auf die Dokumente ankommt, die der Darstellung von Herrn Zwanziger zugrunde liegen.

SPIEGEL: Wie ging es weiter?

Metz: Er hat dann noch am Dienstag sofort Kontakt zu Horst Schmidt aufgenommen, dem ehemaligen Generalsekretär des DFB und Mitglied des WM-Organisationskomitees. Herr Zwanziger wollte eine gemeinsame Erklärung besonders mit Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach erreichen. Darin sollte der gesamte Sachverhalt lückenlos dargestellt werden.

SPIEGEL: Warum gelang das nicht?

Metz: Herr Schmidt teilte mit, dass eine Erklärung von Franz Beckenbauer käme, die zwar mit ihm, Schmidt, und Wolfgang Niersbach abgestimmt sei; auf eine Abstimmung mit Herrn Zwanziger werde aber kein Wert gelegt. Daraufhin hat Herr Zwanziger Horst Schmidt darüber informiert, welche Unterlagen ihm in Kopie zu dem Vorgang vorliegen. Danach hielt es Herr Zwanziger für notwendig, sich mit seinen Erkenntnissen und Dokumenten an die Öffentlichkeit zu wenden.

SPIEGEL: Welche Unterlagen sind das?

Metz: Die Dokumente bezüglich der Überweisung vom 19. April 2005. Damit flossen 6,7 Millionen Euro vom WM-Organisationskomitee zur Fifa, die das Geld aber umgehend an den französischen Unternehmer Robert Louis-Dreyfus weiterleiten sollte. Dann meine gutachterliche Stellungnahme zu dem Vorgang. Schreiben über die Abläufe vom 9. Juni bis 18. September 2015 hinsichtlich der Gespräche mit früheren Mitgliedern des Organisationskomitees. Und das Gedächtnisprotokoll dieses Telefonats mit Horst Schmidt vom Dienstag. Ich habe meinem Mandanten dringend dazu geraten, weil ansonsten die Legendenbildung gegen ihn immer weitergeführt wird und die Wahrheit, um die es ja hier geht, auf der Strecke bleibt.

SPIEGEL: Ihrem Mandanten wird jetzt vorgeworfen, er wolle sich an einem Intimfeind rächen, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Metz: Um Rache geht es doch überhaupt nicht. Ich kenne Theo Zwanziger seit vielen Jahren und arbeite gut mit ihm zusammen; Rache, das passt nicht in seine Vorstellungswelt. Die Meinungsverschiedenheiten, die er mit Niersbach hatte, hat er immer offen ausgetragen und sich damit der Diskussion gestellt. Er hat allen Beteiligten bis zuletzt immer wieder Gesprächsangebote gemacht. Herrn Niersbach sogar über den Chef der "Sport Bild", Alfred Draxler, der bekanntermaßen mit Herrn Niersbach und Herrn Beckenbauer vertraut ist.

SPIEGEL: Über Herrn Draxler?

Metz: Ja. Herr Draxler fühlte sich am 19. Februar 2015 veranlasst, Herrn Zwanziger per SMS seine "private" Meinung zur Auseinandersetzung mit Herrn Niersbach in drastischen Worten mitzuteilen. Herr Zwanziger hatte dann in seiner Antwort angeboten, die Sache mit beiden in einem gemeinsamen Gespräch zu erörtern. Eine Antwort hierauf hat er nie erhalten.

SPIEGEL: Was erwarten Sie jetzt?

Metz: Eine sorgfältige Klärung und eine klare, nachvollziehbare Darstellung der Ereignisse, wie sie nun einmal waren und sind - mit der Wahrheit kommen die Menschen doch immer viel besser zurecht als mit reflexartigem Leugnen, Dummstellen und dem Zünden von Nebelkerzen. Ich erwarte aber auch einen vorsichtigen Umgang mit dem erhobenen Informantenvorwurf gegenüber meinem Mandanten - diesbezüglich ist eine Eidesstattliche Versicherung hinterlegt, da empfehle ich Zurückhaltung in der Gerüchteküche.

Zur Person
  • privat
    Hans-Jörg Metz aus Diez ist Rechtsbeistand des ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.

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insgesamt 185 Beiträge
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Seite 1
linnener 23.10.2015
1. Niersbach nicht haltbar
Herr Niersbach ist nicht mehr haltbar, einfach nur widerlich. Respekt, Herr Dr. Zwanziger, ich ziehe den Hut vor Ihrem Dienst an der Wahrheit!
Currie Wurst 23.10.2015
2. ...
...nein, um Rache geht´s dem Theo nicht. Der will nur die Wahrheit. Na ja, zumindest solange sie Niersbach schadet. Komplett durchschaubar. Wahrscheinlich war die WM gekauft. Und wahrscheinlich ging es nicht anders. Und wahrscheinlich war das schon immer so. Der Havelange war übrigens auch nicht besser als der Blatter. Und wann war der Präses? Siehste, 1974. Also, SPON, wenn jetzt schon exklusiv der zweite Titel hintereinander den Moralisten unter uns gewidmet wird, dann könnt Ihr doch Samstag in einer Woche mal so richtig abräumen, wenn der Skandal um die WM 1974 aufgedeckt wird. War das nicht der Neuberger damals? Dann sollte man den posthum aus seinem Grab in den Zeugenstand rufen. Und Ihr titelt dann: "die zerstörte Wasserschlacht" zum 1:0 über die Polen. Immerhin ein paar glauben Euch ja, dass das Sommermärchen jetzt zerstört ist. Bei soviel Theatralik.
Fürstenwalder 23.10.2015
3.
Herr Zwanziger war über viele Jahre im DFB aktiv. Wieso fällt ihm jetzt erst ein, sich zur schwarzen Kasse zu äußern. Warum nicht schon 2006? Späte Rache? Angst, die eigenen Pfründe zu verlieren?
ichsagemal 23.10.2015
4.
.wenn man mal ehrlich ist: leben wir nicht in einer einfach tollen Zeit, in der 'täuschen, tarnen und verpi...' nicht mehr geht? Am Ende des Tages wird jetzt alles aufgedeckt und -geklärt. Und das ist auch gut so.Einige (viele? ) müssen dieses Neuland noch erkennen.
Tolotos 23.10.2015
5. Eigentlich ist Bestechlichkeit in Deutschland bei Spitzenfunktionären doch etabliert!
Bei Teilen der Ärzteschaft ist es höchstrichterliche als straffrei erklärt worden, und unsere sogenannten Volksvertreter nennen es einfach Lobbyismus, um das Geschäftsmodell zu erhalten. Sind Fußballfunktionäre weniger wert?
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