Drei Thesen zur Bundesliga Namen schießen keine Tore

Bayer Leverkusen lief mit fünf Offensiven auf und blieb trotzdem ohne Tor, weil Gladbach das Zentrum kontrollierte. Mit Spielern, die keiner auf dem Plan hatte.

Julian Brandt
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Julian Brandt

Von und Stephan Spiegelberg


1. Große Namen schießen noch keine Tore

Mit Kevin Volland, Lucas Alario, Julian Brandt, Leon Bailey und Kai Havertz ist Bayer Leverkusen den Namen nach mit einer sehr offensiven Ausrichtung in das Abendspiel gegen Borussia Mönchengladbach gegangen. In der Anfangsphase des Spiels schienen diese Namen auch zu halten, was man sich von ihnen versprach: Während Brandt und Bailey über die Flügel vorstießen, sorgten Volland und Alario in der Zentrale für Unruhe. Aber das nur für eine kurze Phase.

Die Gladbacher auf der anderen Seite verzichteten zunächst auf ihren neuen und teuren Mittelstürmer Alassane Pléa und stellten stattdessen den altbewährten Raffael hoch in die Zentrale. Etwas hinter ihm agierte Thorgan Hazard und etwas tiefer Fabian Johnson. Auf den Halbpositionen ackerten die beiden Achter Jonas Hofmann und der erst 21-jährige Florian Neuhaus. Mit Erfolg: Am Ende gaben die Fohlen 18 Schüsse ab, 16 davon innerhalb des Sechzehners.

Die so offensivstark besetzten Gäste kamen "nur" auf 14 Abschlüsse, von denen lediglich drei in Richtung Tor gingen. Deutlich zu wenig für das Leverkusener Personal und Potenzial. Wenn Bayer in dieser Saison oben mitspielen will, muss auch Sturm und Drang drin sein, wo Sturm und Drang draufsteht.

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2. Gladbach hat seine innere Mitte gefunden

Die beiden Achter waren das größte Plus der Gladbacher. Hofmann und Neuhaus sorgten im Umschaltspiel für eine offensive Wucht, die eigentlich Leverkusen für sich vereinnahmen wollte.

Johnson agierte als Verbindungsspieler, hing mit nur 29 Ballaktionen etwas in der Luft, schaffte durch seine Laufwege aber Platz für die beiden aufstrebenden Mittelfeldasse. Hofmann und Neuhaus kamen auf eine Passquote von über 90 Prozent. Übrigens: Bundestrainer Joachim Löw konnte sich die zwei Spieler im Stadion angucken. Und im Zentrum gibt es seit dem Rücktritt von Mesut Özil Bedarf.

Tobias Strobl machte als einziger Sechser den klassischen Abräumer, konzentrierte sich voll und ganz auf die Defensivarbeit und die Absicherung bei gegnerischen Kontern. Trainer Dieter Hecking hatte sich vor der Partie zwischen Strobl und Christoph Kramer entscheiden müssen, hieß es. Warum er keinen der anderen, offensiveren Spieler opferte, zeigte sich in den 90 Minuten.

3. Frankfurt war nie weg

Eintracht Frankfurt war nach der klaren Niederlage im Supercup gegen den FC Bayern und dem überraschenden Pokal-Aus gegen den SSV Ulm eigentlich schon abgeschrieben - ebenso ihr Trainer Adi Hütter. Der wusste gegen Freiburg aber zu überraschen: Hatte er in der Vorbereitung eine Dreierkette etabliert, die in den beiden ersten Pflichtspielen versagt hatte, stellte er gegen Freiburg um, setzte auf Altbewährtes: Viererkette, zwei Sechser - oder einfacher formuliert: mehr Stabilität.

Adi Hütter
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Adi Hütter

Das gelang in Freiburg derart gut, dass zu bezweifeln ist, ob in Frankfurt in dieser Saison noch einmal die Variante mit den drei Verteidigern zu sehen sein wird. Wobei das eine System nicht gleich das andere ausschließen sollte. Taktische Variabilität könnte ein großes Plus sein - gerade, wenn Frankfurt in der Woche auch noch in der Europa League aktiv ist. Die Eintracht ist nicht zurück - denn sie war niemals weg.



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Klangstof 26.08.2018
1. Die Dreierkette bei der Eintracht...
...unter Kovac lautete meist Abraham-Hasebe-Salcedo. Hasebe als abkippender 6er bzw. als Libero, der den Spielaufbau mit initiiert, hat gestern krankheitsbedingt gefehlt. Abraham ist leicht verletzt und konnte auch nicht auflaufen. "Altbewährt" ist also die Viererkette von gestern nicht, da diese bei der Eintracht unter Kovac eben nicht gespielt wurde, außer mal in einer taktischen Umstellung während eines Spiels. Hütter will grundsätzlich eine Viererkette spielen lassen, von daher war die Formation für ihn gestern schon am Ideal, das hat er mit den YB Bern meist im 4-4-2 gemacht. Wichtig sind Viererkette und zwei Stürmer, dazwischen kann die Grundordnung sicher auch variieren, je nach Spielsituation. Ich habe gestern schon eine Entwicklung in Sachen One-Touch-Fußball gesehen, einige feine Spielzüge (vor allem zum 2:0) sowie das Pressing/Gegenpressing, das eine hohe Laufbereitschaft und Zusammenarbeit erfordert Die Eintracht ist gestern ca. 123 km gelaufen, ich denke, das spricht schonmal für hohes Engagement und dürfte für diesen 1. Spieltag einen Topwert darstellen. Mit N´Dicka, der erst 19 Jahre alt ist und bei Auxerre eine hervorragende Ausbildung genossen hat, hat die Eintracht einen vielversprechenden Jungen geholt, der sicherlich auch jetzt schon mit regelmäßiger Spielpraxis reifen kann. Die Abstimmung defensiv war sicherlich noch nicht auf einem Niveau, das Hütter gerne sehen will, aber die Integration von neuen Spielern dauert nunmal. Dasselbe gilt auch für Lucas Torro, den manche auch direkt abgeschrieben haben. Er hat gestern auch gute Momente gehabt. Auch er hat bei Real eine gute Ausbildung erhalten und muss sich beweisen. Diese Spieler werden besser werden, wenn sie die Bundesliga adaptiert haben, das Niveau, das Tempo, die Spielweise. Ich kann die ganzen Bedenkenträger auch nicht verstehen, für die nach 6 Wochen Training mit neuen Spielern, neuem Trainer sofort alles auf Topniveau funktionieren soll. So läuft das einfach nicht. Zeit und Geduld sind meist Fremdworte. Hütter wird seinen Weg gehen und den Entwicklungsprozess fortführen. Wichtig ist immer, dass man zum Auftakt ein (unerwartetes) Erfolgserlebnis hat, das pusht dann für die neue Trainingswoche. Alle haben Spaß, sind extrem motiviert, wollen lernen, sich verbessern etc. Das ist für mich zunächst mal wichtig,
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