Thomas Doll nach seinem 96-Debüt "Da musste ich ein paar Mal schlucken"

Er sollte Aufbruchstimmung erzeugen, doch daraus wurde nichts: Die Premiere von Hannovers neuem Trainer Thomas Doll ging daneben. Nach der Pleite gegen Leipzig bemängelte er den Zustand seiner Mannschaft.

Thomas Doll
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Thomas Doll


"Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind", es müsse "wieder die Brust rauskommen", und die verbliebenen 15 Partien "sollten sich wie Finals anfühlen": Nach seiner Rückkehr in die Bundesliga versuchte Thomas Doll so einiges, um bei Hannover 96 Aufbruchstimmung zu erzeugen. Nach seinen ersten 90 Minuten an der Seitenlinie ist klar: das erste Endspiel ist verloren. Und das mit dem Stimmungswechsel ist vorerst gründlich misslungen.

0:3 (0:1) unterlag Hannover am Freitagabend Zuhause RB Leipzig. Marcel Halstenberg traf per Foulelfmeter (45.+3 Minute), Willi Orban zweimal (64./85.), weitere Chancen ließ Leipzig ungenutzt. Schussbilanz: 5:19, davon kam bei den Gastgebern einer aufs Tor, bei RB waren es acht.

"Wann springt der Funke über?"

"Ich habe während des Spiels gedacht: Wann springt endlich der Funke über? Da musste ich ein paar Mal schlucken. Das ist zu wenig", sagte Doll nach der Partie. Der Optimismus, um den er seit seinem Antritt am vergangenen Sonntag bemüht gewesen war, schien verflogen.

"Wir müssen zusehen, dass da ein bisschen mehr Power reinkommt. Da muss jetzt Zug rein. Es muss ein kalter Nordwind in die Trainingseinheiten rein", sagte Doll. Diesen Zug ins Training einzubringen, das ist ihm offenbar bislang nicht gelungen. Zumindest war gegen Leipzig von einem Trainerwechseleffekt wenig zu spüren gewesen. Die Köpfe seiner Spieler seien nicht frei, sagte Doll: "Das hat sicher auch mit den ganzen Negativerlebnissen der letzten Wochen und Monaten zu tun".

Profis von Hannover 96: "Keiner mit Dynamik"
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Profis von Hannover 96: "Keiner mit Dynamik"

Doll kritisierte den körperlichen Zustand mancher Spieler. "Bei dem ein oder anderen muss auch am Fitnesslevel gearbeitet werden." Dafür wolle man zunächst die Spieldaten aus der Partie gegen RB analysieren, aber: "Wir haben kein Durchsetzungsvermögen. Keiner geht mit Dynamik nach vorne. Wir müssen es jetzt hinkriegen, dass wir ein anderes Gesicht zeigen, um in der Bundesliga wieder Spiele gewinnen zu können."

Das ist 96 letztmals im November 2018 gelungen, beim 2:1 im Niedersachsenderby gegen Wolfsburg. Aus den neun Partien danach holte das Team zwei Punkte.

Eine noch schlechtere Bilanz weist aktuell nur der 1. FC Nürnberg auf, der seit 13 Spielen auf einen Erfolg wartet. Nur: Nürnberg hat ein Spiel weniger absolviert als 96, am Nachmittag trifft der Club Zuhause auf Werder Bremen (15.30 Uhr; Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky).

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Leipzigs Trainer Ralf Rangnick hatte Hannover 96 einst in die Bundesliga zurückgeführt. Er machte seinem früheren Verein Mut. "Was Hoffnung macht, sind die Ergebnisse und Punktestände der anderen Mannschaften. Vielleicht reichen dieses Jahr sogar 30 Punkte, um Drittletzter zu werden." Das hieße, den direkten Abstieg zu vermeiden und in die Relegation zu gehen.

Dass Doll das noch gelingt, ist nicht unrealistisch. Und dass die Ideen eines neuen Trainers nicht nach nur einer Woche von seiner Mannschaft umgesetzt werden, ist nicht ungewöhnlich. Allzu viel Zeit aber bleibt Doll nicht. Schon am nächsten Spieltag steht aus 96-Sicht ein Schlüsselspiel an. Dann hat Hannover wieder ein Heimspiel. Der Gegner heißt 1. FC Nürnberg.

mon/dpa/sid

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
chaosimall 02.02.2019
1. Doll ist doch
auch nur wieder ein Übergangskandidat und niemand für eine langfristige Perspektive. Bei Hannover muss Ruhe und Konstanz reinkommen. Das gelingt augenscheinlich nicht. Die Gründe liegen bei der Vereinsführung. Schade.
skeptikerjörg 02.02.2019
2. In der Realität angekommen
Was hatte Doll bei Antritt gesagt? Es brauche in Hannover keine personellen Verstärkungen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Gestern hat er dann eine hilflose, saft- und kraftlose Mannschaft ohne Siegeswillen gesehen und ist in der Realität angekommen. Ohne Frage, gegen Leipzig kann man verlieren, aber ohne sich zu wehren? Die ganze Hoffnung liegt nun darauf, dass zwei Teams zumindest noch schwächer sein könnten. Für Nürnberg mag das sogar stimmen, aber wer ist das zweite? Harte Zeiten im Verein, der, ebenso wie der HSV, von Management und Vorstand an die Wand gefahren wurde.
rosabalou 02.02.2019
3. Herr Doll musste......
.....als schlucken. Na ja, wer sich in der Vergangenheit einmal mit der Mannschaft beschäftigt hat, der wird festgestellt haben, dass fast alle Spieler nicht bundesligatauglich sind (Ausnahme Esser). Bei vielen reicht es bestenfalls für die dritte Liga, mit Abstrichen vielleicht gerade noch für Buli 2. Ein großer Erfolg in dieser Saison wäre das Erreichen des Relegationsplatzes. Allein - mir fehlt der Glaube.
mirage122 02.02.2019
4. Ruhe und Frieden
Wie hier schon angesprochen: Die Fehler liegen in der Vereinsführung. Auch ein Thomas Doll kann keine Wunder vollbringen. Abwarten und Tee trinken; Er ist ein starker Charakter und stiftet Ruhe und Frieden in seinem Umfeld, Und ich bin sicher: Er wird es schaffen!
legeips62 02.02.2019
5. Ergo hat
der alte Trainer (Breitenreiter) nicht bzw. falsch trainiert. Ein Profifußballer sollte doch über "Kondition" verfügen.
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