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Ex-Nationalspieler: Thomas Hitzlsperger macht Homosexualität öffentlich

Thomas Hitzlsperger hat im Interview mit der "Zeit" erstmals über seine Homosexualität gesprochen. Er wolle nach dem Ende seiner Karriere eine Diskussion voranbringen, sagte er. Der Ex-Nationalspieler stand zuletzt beim englischen FC Everton unter Vertrag.

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Ex-Fußballprofi Hitzlsperger: "Will eine Diskussion voranbringen"

Hamburg - Er ist der erste prominente Fußballer, der sein Schweigen bricht: Der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich in der Wochenzeitung "Die Zeit" zu seiner Homosexualität bekannt. Er wolle so die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen, sagte er. Vor vier Monaten hatte der 31-Jährige sich aus dem Profifußball zurückgezogen.

Zuletzt war Hitzlsperger in der englischen Premier League für den FC Everton aktiv gewesen. In seiner Jugend hatte er für den FC Bayern gespielt, im Jahr 2000 wechselte er erstmals zum Premier-League-Club Aston Villa. Von 2005 bis 2010 stand er beim VfB Stuttgart unter Vertrag, über Lazio Rom, West Ham United und den VfL Wolfsburg kam er 2012 wieder auf die britische Insel. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte er zwischen 2004 und 2010 52 Spiele.

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Das Bewusstsein, homosexuell zu sein, sei "ein langwieriger und schwieriger Prozess" für ihn gewesen. Erst in den vergangenen Jahren habe er gemerkt, dass er "lieber mit einem Mann zusammenleben möchte", sagt Hitzlsperger. Geschämt habe er sich dafür aber nicht. Während seiner aktiven Zeit sei Homosexualität nie ein offenes Thema gewesen - trotzdem habe er sich häufig über den Umgang der Fußballwelt mit dem Thema geärgert.

Der Profisport sei ein absolut harter Leistungssport: "Kampf, Leidenschaft und Siegeswille sind untrennbar miteinander verknüpft." Das passe nicht zu dem Klischee, das sich viele Leute von einem Homosexuellen machten, nämlich: "Schwule sind Weicheier", sagt Hitzlsperger.

Die Sprüche der Kollegen seien deshalb nicht immer leicht zu ertragen gewesen, gesagt habe er dennoch nichts: "Da sitzen zwanzig junge Männer an den Tischen und trinken. Da lässt man die Mehrheit gewähren, solange die Witze halbwegs witzig sind und das Gequatsche über Homosexuelle nicht massiv beleidigend wird."

Bevor Hitzlsperger das Thema öffentlich machte, informierte er offenbar Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hat Hitzlspergers Aussagen positiv aufgenommen. "Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen, insbesondere für junge schwule Fußballer, dass sie sich zu ihrer Identität bekennen können und kein Versteckspiel führen müssen", sagte Jörg Steinert, Geschäftsführer vom LSVD Berlin-Brandenburg.

psk/dpa

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