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Schwulenfeindlichkeit in Russland: Hitzlsperger outete sich bewusst kurz vor Sotschi

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"Es braucht kritische Stimmen": Thomas Hitzlsperger hat gezielt kurz vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi über seine Homosexualität gesprochen. Er versteht sein Coming-out auch als Engagement gegen die "Kampagnen mehrerer Regierungen".

SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Der frühere Fußballprofi Thomas Hitzlsperger hat den Zeitpunkt für sein Coming-out bewusst kurz vor den Olympischen Winterspielen in Russland gewählt. "Die Olympischen Spiele von Sotschi stehen bevor, und ich denke, es braucht kritische Stimmen gegen die Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle", sagte der Ex-Nationalspieler der Zeitung "Die Zeit".

"Überdies habe ich das Gefühl, dass jetzt ein guter Moment dafür ist", so der 31-Jährige, der nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn nun die Zeit für dieses Engagement habe. "Ich möchte eine öffentliche Diskussion voranbringen - die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern. Ich möchte dazu beitragen, indem ich einmal öffentlich darüber spreche, dass die sexuelle Orientierung eines Sportlers wieder seine Privatangelegenheit wird, weil es auf diesem Gebiet einfach nichts Unnatürliches gibt."


"Wunderbar", "Überfällig", "Respekt", "Danke": Mit seinem Coming-out erntet Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger im Netz viel Anerkennung. Eine Übersicht im Storify.

Warum er sich nicht schon während seiner Profikarriere in der Bundesliga, in England und in Italien öffentlich zu seiner Sexualität geäußert hatte, erklärte Hitzlsperger ebenfalls. "Wer ein Gefühl für die Stimmung in einer Mannschaft hat, der weiß einfach, was angesagt ist. Der Gruppenzwang kann enorm sein. Und genauso ist das in der Verwandtschaft", sagte er und betonte: "Es gibt aber einen Unterschied zwischen Schweigen und Lügen."

Der Frage, ob das Schweigen auch mit Angst vor den Reaktionen seiner Teamkollegen, Trainer und Fans zu tun hatte, wich Hitzlsperger aus. "Homosexualität wird im Fußball schlicht ignoriert. In England, Deutschland oder Italien ist das kein ernsthaftes Thema, nicht in der Kabine jedenfalls", sagte er. "Deswegen ist es nicht einfach, in der Fußballszene überhaupt jemanden zu finden, der sich über seine sexuelle Orientierung öffentlich äußern will."

Viele Jahre lang führte Hitzlsperger eine Beziehung zu einer Frau. "Wir planten schon die Hochzeit. Nach acht Jahren war diese Beziehung aber zu Ende, ohne dass meine Partnerin von meinen Gefühlen für Männer etwas wusste." Das sei vor sechs Jahren gewesen. "Sie blieb die einzige Frau für mich. Ich wollte nach ihr keine andere." In dieser Zeit sei ihm auch seine sexuelle Orientierung bewusst geworden.

In einer Videobotschaft um Mitternacht will sich Hitzlsperger weiter äußern.

Für sein Coming-out hatte Hitzlsperger viel Lob erhalten. Die Bundesregierung begrüßte den Schritt in die Öffentlichkeit, Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen nur aus Angst vor Intoleranz." In den vergangenen Jahren habe Deutschland in dem Bereich schon enorme Fortschritte gemacht.

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Ehemalige Teamkollegen zollten Hitzlsperger Respekt. Lukas Podolski nannte den Schritt seines früheren Nationalmannschaftskollegen ein "wichtiges Zeichen". Es sei eine "mutige und richtige Entscheidung", schrieb Podolski auf Twitter: "Respekt, Thomas Hitzlsperger." Auch Arne Friedrich äußerte sich über den Kurznachrichtendienst zum Thema. "Bin stolz auf dich", so der Ex-Nationalspieler, "gute Entscheidung und aus meiner Sicht richtiger Zeitpunkt."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) versprach Hitzlsperger die Unterstützung des gesamten Fußballs. "Thomas Hitzlsperger war zu seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte - und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: "Er hat sich entschieden, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, und ich stehe zu unserem Wort, dass er von uns jede erdenkliche Unterstützung bekommt."

max/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 212 Beiträge
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1. optional
Yrr 08.01.2014
Er hat nach(!) seiner aktiven Karriere wohl eher den Mut als die Zeit dafür gefunden
2. Bitte Posten
Nairod 08.01.2014
WAYNE???? genau das is a Putins problem. nicht das die jungs homosexuel sind sondern das uns das andauernd erzählen. ich werd ab jetzt auch alle damit nerven das ich hetero bin und mich knapp bekleidet am helllichten tag auf der strasse beim tanzen ablichten lassen. es is schön das ihr schwul und stolz seit aber wir müssen das doch echt nicht immer aufs auge gedrückt bekommen. ich wünsche euch alles gut im leben und ausleben eurer sexuellen ausrichtung.
3. Mutiger Schritt
spon-facebook-10000027820 08.01.2014
Rechtzeitig nach Ende seiner Fussballkarriere macht er reinen Tisch.
4. Respekt!
clausde 08.01.2014
Jetzt noch ein aktiver Fussballspieler und eine der letzen Bastionen der sexuellen Intoleranz bröckelt. Der Fussball hat diesen Weg verdient. Viele Fussballfans haben mit dem Thema überhaupt kein Problem. Es ist wie immer nur eine schreiende Minderheit auf den billigen Rängen die ihre Intoleranz skandieren. Übrigens bin ich Fussball-Fan und hetero.
5. Nationalmannschaft
Vicky P. Dia 08.01.2014
Zitat von sysopGetty Images"Es braucht kritische Stimmen": Thomas Hitzlsperger hat gezielt kurz vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi über seine Homosexualität gesprochen. Er versteht sein Coming-out auch als Engagement gegen die "Kampagnen mehrerer Regierungen". Thomas Hitzlsperger will mit Coming-out vor Sotschi ein Zeichen setzen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/thomas-hitzlsperger-will-mit-coming-out-vor-sotschi-ein-zeichen-setzen-a-942510.html)
Ich wette, er ist nicht das erste, einzige oder letzte schwule Mitglied der Nationalmannschaft. Von der Bundesliga ganz zu schweigen. Mutig wäre er gewesen, hätte er sich zu aktiven Zeiten geoutet, ich verstehe aber, dass und warum er es nicht getan hat.
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