Müller-Ärger nach Bayern-Sieg "Meine Qualitäten sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt"

Hinten verbessert, vorne effizient: Der FC Bayern siegt in Bremen und ist mit sechs Punkten aus zwei Spielen perfekt gestartet. Dennoch droht Ärger. Es geht um Thomas Müller.

Thomas Müller
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Thomas Müller

Aus Bremen berichtet


Es ist auf den Tag genau ein Jahr her, dass der FC Bayern erstmals ein Bundesligaspiel unter Carlo Ancelotti bestritten hat. Der Gegner hieß Bremen, 6:0 gewannen die Münchner, hinterher sagte der Trainer, seine Mannschaft habe "90 Minuten schönen Fußball gespielt", und niemand wollte dem widersprechen.

365 Tage später trafen die Bayern nun erneut auf Werder, doch nach dem 2:0 (0:0)-Sieg kam diesmal niemand auf die Idee, die 90 Minuten in Bremen mit dem Prädikat schöner Fußball zu versehen. "Ich bin glücklich über den Sieg", sagte Ancelotti hinterher und sah dabei alles andere als glücklich aus. Dabei läuft die Saison bislang nach Plan. Die Bayern haben den Supercup gegen den BVB gewonnen und auch die beiden ersten Bundesligaspiele. Dass es nach der Partie gegen Werder rumorte, lag dann auch weniger am zähen Auftritt der Münchner. Sondern an der Causa Thomas Müller.

"Ich weiß nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will. Meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt", sagte der 27 Jahre alte Nationalspieler nach dem Spiel dem Bayerischen Rundfunk. Rumms.

Was war passiert?

Der FC Bayern hatte in Bremen ohne Müller begonnen, dafür spielten Arjen Robben auf dem rechten Flügel und der genesene Thiago im offensiven Mittelfeld. Das klappte mehr oder minder gut. Nach einer druckvollen Anfangsphase mit einigen Gelegenheiten erspielten sich die Bayern immer seltener klare Torchancen.

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"Wir haben in der ersten Halbzeit zu langsam gespielt", sagte der nach überstandener Fußverletzung ins Tor zurückgekehrte Manuel Neuer hinterher. Machte aber nichts, denn da war schließlich noch Robert Lewandowski, der mit zwei hübschen Toren den Sieg sicherte, erst per Hackentreffer (72. Minute), dann, nach Ablage des kurz zuvor eingewechselten Müller, von der Strafraumgrenze (75.).

So früh in der Saison noch nicht am Leistungslimit

Nicht besonders gut gespielt, aber gewonnen. Entsprechend entspannt gaben sich die Bayern nach der Partie, sie lobten die im Vergleich zur Vorwoche gefestigte Defensive, Lewandowskis Effizienz, und überhaupt könne man so früh in der Saison noch nicht am Leistungslimit sein. Alles gut also, wäre da nicht Müller und seine Kritik an Ancelotti.

Mit seiner Aussage erweckte er den Eindruck, der Trainer spreche nicht mit ihm. Oder, schlimmer noch: Als sehe Ancelotti den Münchner Publikumsliebling, den Bayer unter den Bayern, schlicht nicht in seiner Startelf.

Kingsley Coman (l.), Thomas Müller
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Kingsley Coman (l.), Thomas Müller

Im Supercup gegen Dortmund durfte Müller 67 von 90 Minuten spielen, beim DFB-Pokalsieg in Chemnitz waren es 90, beim Ligaauftakt gegen Bayer wurde er nach 61 Minuten ausgewechselt. Nun, in Bremen, saß er bis zur 73. Minute auf der Bank. Das ist zwar keine katastrophale Bilanz. Wäre da nicht die Gewohnheit, dass Müller unter Ancelotti in wichtigen Spielen nicht in der Startelf steht. In der vergangenen Saison erlebte er unter anderem den Anpfiff des DFB-Pokal-Halbfinals gegen Dortmund und drei der vier K.-o.-Spiele in der Champions League von der Bank aus.

Dass die Bayern sich so selbst ein Problem schaffen könnten, galt es aus Sicht der Verantwortlichen zu verhindern. Hasan Salihamidzic etwa bemühte sich, die Wogen zu glätten. "Wir haben viele Spiele diese Saison und wissen, was wir an Thomas haben", sagte Bayerns neuer Sportdirektor nach der Partie. Joshua Kimmich sagte, "der Thomas", der werde "nächstes Mal bestimmt wieder spielen." Und Ancelotti selbst? Der erklärte Müllers späte Hereinnahme mit taktischen Gründen.

Und dann ist da noch James Rodríguez

"Der Plan gegen Bremen war, vor allem über die Flügel gefährlich zu werden", sagte er lakonisch. Und dass er Müller nicht auf der Außenbahn sieht, hat er bereits betont. Da das Sturmzentrum an Lewandowski vergeben ist, bleibt Müller daher die Rolle als zweite Spitze hinter dem Polen, wo Ancelotti gegen Werder Thiago den Vorzug gab. Und dann ist da noch Zugang James Rodríguez, gegen Bremen zwar noch nicht im Kader, künftig aber ein Anwärter auf die Müller-Position hinter Lewandowski. Es könnte tatsächlich schwierig für Müller werden mit dem Stammplatz bei den Bayern.

Dass ausgerechnet das Zwischenmenschliche für Ancelotti zum Problem werden könnte, überrascht. Schließlich gilt gerade sein Umgang mit den Stars als seine größte Stärke.

Ganz verloren hatte Müller seine Leichtigkeit übrigens nicht. "Sind wir Tabellenführer?", fragte er nach dem Spiel einen Journalisten. "Knapp, vor dem großen HSV", gab der zurück. Schmunzeln. Für ein paar Sekunden schien alles wie immer. Als ein Reporter Sekunden später über Müllers persönliche Situation sprechen wollte, lächelte der Nationalspieler süffisant und winkte ab. "Guter Versuch", sagte Müller und drehte ab, um davonzuziehen. "Das machen wir zu gegebener Zeit", sagte er noch, ehe er verschwand.

Für manch einen beim FC Bayern konnte das wie eine Drohung klingen.

In einer früheren Version des Artikels hieß es irrtümlich, James Rodríguez habe in Bremen auf der Reservebank gesessen. Auch die angegebene Spielzeit im DFL-Supercup haben wir korrigiert.



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
dr.joe.66 27.08.2017
1. Müllerlé ...
Da kann der Müller ja den Dembélé machen - außer dem FCB fänden das doch alle amüsant. Bei einem Marktwert von 50 Mio. (Transfermarkt.de) gibt es eine Reihe von Clubs, die den sofort kaufen würden. Die beiden letzten Trainer mit einem menschlichen Draht zu den Spielern waren übrigens Hitzfeld und Heynckes - Zufall, dass ausgerechnet mit denen die letzten CL Titel geholt wurden?
diorder 27.08.2017
2. Geh doch noch schnell für 100 Millonen zu KLOPP
Oder ist das zu wenig ?
lasalette13 27.08.2017
3. Ancelotti flascher Trainer und.......
die tollen Einkäufe auch nicht das was man von ihnen erwartet ! Hoeneß hat sich verzockt-trotz seiner Starspieler wird Bayern keinen Titel diese Saison heimfahren ! WER schiesst denn die Tore NUR Lewandoski - das ist das Problem ! Fällt er aus na - dann Gute Nacht Bayern ! Übrigens war es der größte Fehler Hoeneß ihn in diese Position mit aller Macht und Raffinesse zu hieven ! Und dies von Aufsichrtsräten, die in Firmen als Chef tätig sind !!! Da muss man sich fragen, wied diese Firmen noch Gewinn erwitschaften, bei solcher Personalfehlentscheidung !!!
rioreisser 27.08.2017
4. Netter Kerl der Müller ....
.... aber andere Leute haben andere Probleme , als mal nicht 90 Minuten durch zu spielen ! Mein Gott , da wird fast ein ganzer Artikel draus . Lächerlich !
Msc 27.08.2017
5.
Für 20-25 Millionen würde Dortmund ihn wohl nehmen. Das Geld ist ja da. Aber Thomas Müller ist mit jeder Faser seines Körpers Bayer, den kann man sich gar nicht bei einem anderen Verein vorstellen.
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