Vorstellung bei Paris Saint-Germain Bonjour Tü-chel!

Thomas Tuchel hat sich bei Paris Saint-Germain erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Ein souveräner Auftritt des früheren BVB-Trainers - bei dem er mit gutem Französisch überraschte.

Thomas Tuchel
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Thomas Tuchel

Von Sabrina Knoll


Nach einer kurzen Begrüßung und einigen warmen Worten übergab PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi das Wort an seinen neuen Trainer. Und Thomas Tuchel überraschte bei seiner ersten Pressekonferenz als Trainer von Paris Saint-German mit einem ausgefeilten Eröffnungsstatement auf Französisch. Nur die Nachfragen, da bitte er um Verständnis, die werde er vermutlich auf Englisch beantworten.

In den folgenden 30 Minuten lieferte der 44-Jährige die zu erwartenden vagen Antworten auf die zu erwartenden konkreten Fragen. Gleichzeitig aber ließ der ehrgeizige Coach durchblicken, dass er eine klare Vorstellung von der Zukunft der Pariser hat.

  • Wird er große Titel gewinnen? "Es ist zu früh, darüber zu reden. Vor dem ersten Training, vor dem ersten Spiel. Es geht erst mal darum, eine bestimmte Atmosphäre in der Mannschaft zu schaffen. Die kleinen Dinge sind da die großen Dinge. Aber fragen Sie mich noch einmal im Frühling, dann werde ich Ihnen ganz genau sagen können, ob wir bereit sind oder nicht."
  • Wird er neue Spieler holen? "Wenn das Transferfenster heute schließen würde, wäre ich happy. Ich stelle keine Forderungen. Ich will das Team erst mal kennenlernen. Ich vertraue dem Team und den Leuten, die es zusammengestellt haben. Wenn wir aber feststellen, dass wir noch jemanden brauchen, dann werden wir darüber reden. Erst mal ist es gut, geduldig zu sein."
  • Kommt Gianluigi Buffon? "Er ist eine imposante Person. Im Moment haben wir zwei Keeper. Ich muss mich erst mal an den Gedanken an ein Juventus ohne Buffon, an ein Italien ohne Buffon gewöhnen."

Tuchel weiß um die hohen Erwartungen, die in ihn gesetzt werden. Dafür muss er nur auf die zwei Amtszeiten seines Vorgängers schauen. Unai Emery, der zuvor mit dem FC Sevilla immerhin dreimal in Folge die Europa League gewinnen konnte, hatte in seiner ersten PSG-Saison zunächst den nationalen Titel verpasst, bevor er nun mit dem Double aus Meisterschaft und Pokal abtrat. In der Champions League war für das Starensemble zweimal das Achtelfinale Endstation. Insgesamt zu wenig für die ehrgeizige Klub-Führung.

Und nun also der international relativ unerfahrene Tuchel, dessen Verpflichtung die französische Sportzeitung "L'Équipe" auf ihrer Titelseite als "gewagt" bezeichnete und den 44-Jährigen wie folgt zusammenfasste: "Ein junger Trainer, noch mager an Erfolgen, aber mit extravagantem Stil."

  • Wird er mit dem Stars zurechtkommen? "Herausragende Spieler müssen speziell behandelt werden, das ist doch klar. Meiner Meinung nach sind die besten Spieler aber auch diejenigen, die am härtesten arbeiten. Ich habe keine Angst vor den Stars, denn sie wissen ganz genau, was es braucht, um erfolgreich zu sein."
  • Was denkt er über Neymar? "Ich habe ihn am Sonntag getroffen. Das war wichtig für mich. Wir haben über Fußball gesprochen. Neben mir waren ein Flipchart und ein paar Stifte. Und wenn neben mir ein Flipchart und Stifte sind, dann male ich auch los. Ich habe ein Lächeln auf seinem Gesicht gesehen. Das ist genau das, was ich will."

Es war ein durchaus souveräner Auftritt eines Trainers, den man in Deutschland häufig eher verbissen erlebt hatte. Sein Bestreben, die französischen Fragen auch ohne Ohrstöpsel zu verstehen, seine Versuche, in der Landessprache seines neuen Vereins zu antworten - all das sollte sicher auch zeigen: Ich bin gekommen, um zu bleiben. Und ja, ich weiß, ich bin international unerfahren. Aber ich gebe mir alle Mühe.

PSG-Präsident Khelaifi überließ seinem neuen Trainer die Bühne. Gegenüber der "L'Équipe" hatte er zuvor bereits Tuchels "spektakulären und offensiven" Spielstil gelobt. Der Trainer sei "eine Persönlichkeit und fordernd in der täglichen Arbeit. Aber wir haben ihn nicht nur wegen seiner Charakterstärke ausgewählt. Seine Philosophie gefällt uns." Gleichzeitig machte der Klub-Chef aber auch klar, was in Paris von Tuchel erwartet wird: "Natürlich wollen wir in der Champions League so weit wie möglich kommen."

Bis es aber so weit ist, hielt der Trainer sogar noch eine für ihn ungewohnt blumige Ausführung über seine neue Wirkungsstätte parat: "Paris ist die Stadt der Liebe, des Lichts, die Stadt der Romantik, des Abenteuers", sagte er zunächst auf Französisch, um dann in Englisch fortzufahren: "Ich will, dass wir so spielen - offensiv und intensiv -, dass sich die Fans auch in das Team verlieben."



insgesamt 48 Beiträge
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RudolfSommer 20.05.2018
1. Großes Risiko für TT
Gewinnt er in den nächsten zwei Jahren die CL, wunderbar dann ist "Monsier Tüchel" der König von PSG. Scheitert er in der CL erst im VF, HF oder Finale und wird Meister: Auch nicht schlecht, er wird wahrscheinlich gefeuert aber für die Bayern/Leipzig/Chelsea/ManUtd etc. wird es immer noch reichen. Wenn er darüber hinaus seine verbissene Art ablegen kann und mit den Stars gut umgehen kann, bringt ihn das auf alle Fälle weiter. Wenn er aber im November schon mit 8 Pkten Rückständ in der Meisterschaft auf Platz 3 aufläuft wird es wohl (vorerst) nichts mit der großen Karriere: Aber für Teams wie Stuttgart, Hamburg (falls sie doch mal wieder aufsteigen) oder Köln passt es auch dann noch.
wunsiedel 20.05.2018
2. Er wird sich durchsetzen
Zum Glück kann er er seine Philosophie einmal in allen ihren Facetten umsetzen, ohne dass hinter ihm ein unfähiger, arroganter Geschäftsführer steht, der alles torpediert. Dann werden sich seine Fähigkeiten zeigen können.
hitcher 20.05.2018
3. @RudolfSommer
Dieses Szenario erinnert mich an Nico Kovacs bei den Bayern. Bei Beiden ist das Scheitern vor Weihnachten programmiert.
muensterneu 20.05.2018
4. wunsiedel, sie haben Recht....
Ich teile ihre Beurteilung; wundere mich schon sehr über den absurdes hier erwähnten Kovacs versus Tuchel. Ich halte Tuchel für ein herausragendes Trainertalent ; unfern von Guardiola. Ein akribisch arbeitender Mann mit Emphatie. Aber auch, mit einem hohen Reflektionsvermögen und der Fähigkeit besondere und außergewöhnliche Ereignisse zu bewerten. Und daraus folgerichtige Ableitungen zu ziehen. Der BVB wird an der Entscheidung entgegen der tuchelschen Ratschläge und Empfehlungen nach dem Busanschlag im vergangenen Jahr noch jahrelange Aufräumarbeiten , Neuentwicklungen des Kaders und somit auch des Wartens auf nternationalen Erfolg ertragen müssen. Tuchel hat die Situation richtig eingeschätzt. Leider haben sich die eitlen Verantwortlichen beim BVB durchgesetzt. Eine sehr kurzfristige Abalyse mit fatalsten Folgen. Von Tuchel werden wir noch eine Menge positives hören. Herr Watzke wird nur noch langweilen. Bis er gefeuert wird.
gibmichdiekirsche 20.05.2018
5.
Zitat von hitcherDieses Szenario erinnert mich an Nico Kovacs bei den Bayern. Bei Beiden ist das Scheitern vor Weihnachten programmiert.
Abwarten. Tuchel hat sportlich einiges drauf und kann einiges erreichen. Natürlich kann er in Paris nicht Spieler als Strafe im Training auf allen Vieren über den Platz robben lassen und sollte sich auch angewöhnen, die Angestellten und Sekretärinnen auf der Geschäftsstelle freundlich zu grüßen statt hochmütig-grußlos an ihnen vorbei zu stolzieren. Und da er dem Vernehmen nach seinen "harten Hund", den Athletiktrainer Rainer Schrey, mitnimmt, sollte er dem besser vorher besser auch mal mores lehren (falls Tuchel selber welche hat). Gut, dass die alle beim BVB nicht mehr nerven.
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