Spekulationen nach Bayern-Absage Wohin passt Thomas Tuchel?

Es soll ein Top-Klub sein, aber zu welchem Verein geht Thomas Tuchel denn nun? Paris Saint-Germain, FC Arsenal oder Real Madrid? Wir prüfen fünf Optionen - und kommen zu einem anderen Schluss.

Thomas Tuchel
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Thomas Tuchel

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Thomas Tuchels Absage an den FC Bayern wirft nicht nur die Frage auf, wer den Münchner Serienmeister ab dem Sommer trainieren wird. Sondern auch, wo Tuchel dann ein Auskommen findet. Der 44 Jahre alte Coach hat in Dortmund Überragendes geleistet, auch wenn die Verantwortlichen des BVB nicht müde wurden, die vermeintlichen menschlichen Defizite Tuchels zu betonen.

Ein kleinerer Verein als Borussia Dortmund kommt als nächste Station eigentlich nicht in Frage. Bleiben auf der Welt eigentlich nur rund zehn Klubs übrig. Von denen wiederum scheiden neben dem FC Bayern auch Barcelona, Manchester City, Manchester United, Juventus und Liverpool aus. Überall dort sind die aktuellen Cheftrainer völlig unumstritten. Am ehesten ist ein anstehender Trainerwechsel bei Arsenal, Paris Saint-Germain und Chelsea denkbar.

Und dann gibt es Real Madrid, bei dem es im Fall eines Viertelfinalausscheidens in der Champions League nicht ausgeschlossen ist, dass Zinédine Zidane die schlechte Saison zum Verhängnis wird. Das wiederum könnte in Form einer Kettenreaktion dann auch bei Tottenham Hotspur einen Platz frei werden lassen.

Arsenal

Das wird gesagt: Tuchel trainiert künftig den FC Arsenal, das hat zumindest am Sonntag der "Kicker" vermeldet. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht, und laut "Süddeutscher Zeitung" ist ein Tuchel-Wechsel zu den Gunners eher ausgeschlossen.

Das spricht dagegen: Beim FC Arsenal träfe Tuchel auf Sven Mislintat, mit dem Ex-Scout des BVB hatte sich Tuchel in seiner Zeit als Dortmund-Trainer überworfen. Daran wird der Wechsel Tuchels grundsätzlich nicht scheitern. Dass die Londoner aber erst im November Mislintat verpflichtet haben, zeigt: Tuchel kann noch nicht lange ein Thema beim FC Arsenal sein.

Arsène Wenger
Getty Images

Arsène Wenger

Das spricht dafür: Tuchel kann den FC Arsenal nur besser machen. Das Potenzial für eine höhere Platzierung in der englischen Liga ist vorhanden, allein wenn man die wirtschaftlichen Möglichkeiten betrachtet. Der Verein gehört zu den umsatzstärksten Vereinen Europas (487,6 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016/2017) und bietet Tuchel beste Voraussetzungen, den aktuell überalterten und insgesamt nur soliden Kader nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Mehr Aktivität auf dem Transfermarkt dürfte auch bei den Fans gut ankommen. Wenger steht auch deswegen in der Kritik, weil er in Transferfragen über Jahre zögerlich agierte.

Prognose: Arsenal wäre die für Tuchel attraktivste Lösung. Aber laut Gerüchten wird Tuchel nicht Trainer der Gunners.

Paris Saint-Germain

Das wird gesagt: "Eine deutlichere Fährte führt zu Paris Saint-Germain", schreibt Christof Kneer in der SZ.

Das spricht dafür: Dass die Zeit von Unai Emery sich dem Ende neigt, weil der Coach in der Champions League zum zweiten Mal in Folge gescheitert ist, gilt in Paris als wahrscheinlich. Bei den finanziellen Möglichkeiten von PSG würde kaum ein Trainer dankend ablehnen.

Das spricht dagegen: PSG kann fast jeden Coach der Welt haben. Tuchel könnte ein, aber vielleicht nicht der einzige Kandidat sein. Aus Sicht des Deutschen gibt es, ganz anders als bei Arsenal, außer sehr viel Geld nicht viel zu gewinnen: Als erfolgreich gilt ein PSG-Trainer selbst bei drei nationalen Titeln pro Saison nur, wenn er in der Champions League mindestens das Halfbfinale erreicht. Auch ist fraglich, ob Tuchels größte Stärken, das schnelle Verbessern von jungen Spielern und das Entwickeln eines flexiblen Systems, das ist, was Paris vordringlich braucht.

Prognose: Sollte bei PSG nicht nur auf der Trainerbank, sondern auch im Kader einen grundlegenden Neuanfang planen, wäre Tuchel ein interessanter Kandidat. Andernfalls wäre ein anderer Trainertyp mit mehr internationaler Erfahrung vielleicht besser geeignet.

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Wohin wechselt Thomas Tuchel?

Real Madrid

Das wird gesagt: Es sind nur Gerüchte, die Tuchel mit dem aktuellen Champions-League-Sieger in Verbindung bringen.

Das spricht dagegen: A) Real Madrid wird sich von Zinédine Zidane wahrscheinlich nur dann trennen, wenn sie im Viertelfinale der Champions League ausscheiden. B) Mauricio Pochettino. Es heißt, der argentinische Coach von Tottenham sei die Wunschlösung von Real-Boss Florentino Pérez für den Fall eines Trainerwechsels. C) Real hat über seinen künftigen Coach noch nicht entschieden, der neue Verein von Tuchel soll aber bereits feststehen - ein Indiz dafür, dass der 44-Jährige nicht zu Real geht.

Das spricht dafür: Tuchels außergewöhnliche Trainerqualitäten passen auch zu einem der weltbesten Klubs.

Prognose: Sollte Real Madrid den Trainerposten tatsächlich neu vergeben, dann fällt die Wahl eher auf den Spanisch sprechenden Mauricio Pochettino.

Tottenham Hotspur

Das wird gesagt: In der Liste der möglichen Adressen, an denen Tuchel in der kommenden Saison arbeiten könnte, wird von manchen deutschen Medien auch die White Hart Lane genannt, wo Tottenhams neues Stadion ab dem Sommer bezugsfertig ist.

Das spricht dagegen: Die Spurs haben mit Pochettino einen extrem erfolgreichen Coach, unter dem die Londoner vor dem dritten Champions-League-Einzug in Folge stehen - und das mit einer jungen Mannschaft und attraktivem Fußball. Von sich aus würde Tottenham den Argentinier niemals gegen Tuchel eintauschen.

Das spricht dafür: Sollte Real Madrid sich doch noch von Zidane trennen, wäre Pochettino vermutlich einer der ersten Kandidaten für die Nachfolge. Dann würde bei Tottenham auf einmal der Trainerstuhl frei. Als Tuchel 2016 mit dem BVB in London gastierte und Tottenham mit zwei Siegen aus dem Achtelfinale der Europa League warf, beeindruckte er auf der anschließenden Pressekonferenz, indem er in perfektem Englisch erzählte, schon als Kind Tottenham gemocht zu haben.

Prognose: Ganz so viel Geld wie bei Arsenal oder Chelsea könnte Tuchel zwar nicht ausgeben. Aber Tottenham ist ein gut geführter Klub mit sehr guter Infrastruktur. Tuchel hat bewiesen, dass er junge Spieler schnell besser machen kann, was auch Pochettino auszeichnete. Für beide Seiten wäre das eine attraktive Lösung. Denkbar ist eine Einigung aber nur als Ergebnis einer Dominokette von Veränderungen bei anderen Vereinen. Das macht es unwahrscheinlich.

Chelsea

Das wird gesagt: Tuchel soll laut SZ einen Verein übernehmen, der "jederzeit die Champions League gewinnen" könne. Auf den FC Chelsea trifft das zu. Laut "Bild"-Zeitung ist Tuchel jedoch kein Kandidat in London.

Antonio Conte
AP

Antonio Conte

Das spricht dafür: Beim Englischen Meister von 2017 kursiert bereits seit Herbst das Gerücht, Antonio Conte werde nach der Saison als Trainer abgelöst. Es ist denkbar, dass die Verantwortlichen des Tabellenfünften der Premier League sich schon länger mit Kandidaten beschäftigen und auch über den vereinslosen Tuchel diskutiert haben. Sollte Tuchel kommen, dürfte er ein Team seiner Wahl zusammenstellen - der Klub gab in den vergangenen beiden Transferperioden 258 Millionen Euro für neue Spieler aus.

Das spricht dagegen: Im Jahr 2003 hat Roman Abramowitsch den Klub gekauft - und seither zwölf Trainer entlassen. Ob André Villas-Boas, Carlo Ancelotti oder Roberto di Matteo nach dem Champions-League-Sieg 2012 - bis auf José Mourinho durfte kein Trainer langfristig beim FC Chelsea arbeiten. Ob nun Thomas Tuchel in Ruhe ein neues Team aufbauen und ein System entwickeln darf, ist fraglich.

Prognose: Wenn Tuchel nach England wechselt, geht er zum FC Chelsea.



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Malshandir 26.03.2018
1. Arsenal
Also ich rechne eher mit Arsenal. Wenger hat keinen Rückhalt mehr bei den fans. nur wenn er die Europa League gewinnt, dann kann er sich in eine neue Saison retten. Arsenal ist eienr der wenigen Clubs, wo ein Trainer langfristig gestalten kann und der Kader muss erneuert werden. daneben trifft er auf zwei Ex-Dortmunder. nachteilig werden ihm die Fans seinen Auspruch zu Tottenham vorhalten.
diewildedreizehn 26.03.2018
2. Sorry, aber ....
.... gleich lache ich mich tot. "Der 44 Jahre alte Coach hat in Dortmund Überragendes geleistet ..." => Überragendes, logisch, kleiner geht's nicht, oder? "Ein kleinerer Verein als Borussia Dortmund kommt als nächste Station eigentlich nicht in Frage. Bleiben auf der Welt eigentlich nur rund zehn Klubs übrig." => Aber klar doch, unter den TopTen macht es ein TT nicht mehr. "Tuchel kann den FC Arsenal nur besser machen." => Klar, logisch, TT kommt und Arsenal wird besser. "Tuchels außergewöhnliche Trainerqualitäten passen auch zu einem der weltbesten Klubs." => Aha, außergewöhnliche Qualitäten und weltbeste Clubs. Logisch. Der Autor scheint ja einen regelrechten Narren an TT gefressen zu haben. Allerdings passt da so nicht ganz ins Bild, dass er sowohl in Mainz als auch in Dortmund verbrannte Erde hinterlassen hat und das er trotz der ziemlich komfortablen Bedingungen beim BVB recht wenig erreicht hat. Die einen haben lieber sein Gehalt weiter gezahlt als ihn freizugeben und die anderen bewerfen ihn verbal heute noch mit Dreck. Pokalsieger sind schon andere geworden - erst recht mit so einem Kader. Mehr hat er noch nicht vorzuweisen. Aber wenn es erst mal einen Hype gibt, dann will halt jeder Teil davon sein. Vielleicht um nachher sagen zu können "Ich habe es damals auch so gesehen". Denn immerhin hat TT ja mal mit Guardiola Salzstreuer schieben gespielt und immerhin hält ja Heynckes auch große Stücke auf ihn. Mag alles sein, mir muss er erst mal beweisen, dass er mehr drauf hat. Denn bisher schien ihm immer etwas im Weg gestanden zu sein.
derdudea 26.03.2018
3.
Bei aller Fabulierlust der Autoren wäre es schon hilfreich, die wenigen bekannten Fakten zu berücksichtigen. Wenn Tuchel abgesagt hat, weil er "bei einem anderen Topklub bereits im Wort steht", heißt das, es gibt einen Vertrag oder ein Gentlemans Agreement mit einem dieser Vereine, dass Tuchel dort in der nächsten Saison Trainer wird. Das heißt aber, Tottenham und Real braucht man gar nicht in Erwägung zu ziehen, wenn dort ein MÖGLICHER Trainerwechsel noch von einem zukünftigen ungewissen Ereignis abhängig ist.
Pless1 26.03.2018
4.
Zitat von MalshandirAlso ich rechne eher mit Arsenal. Wenger hat keinen Rückhalt mehr bei den fans. nur wenn er die Europa League gewinnt, dann kann er sich in eine neue Saison retten. Arsenal ist eienr der wenigen Clubs, wo ein Trainer langfristig gestalten kann und der Kader muss erneuert werden. daneben trifft er auf zwei Ex-Dortmunder. nachteilig werden ihm die Fans seinen Auspruch zu Tottenham vorhalten.
Arsenal würde passen, für beide Seiten. Bitter wäre das natürlich für Sven Mislintat. Und ob Aubameyang sich nach Tuchel sehnt, weiß ich auch nicht. Mit Mislintat, Tuchel und Mertesacker würden drei Deutsche die Zukunft der Gunners gestalten, mit Özil ein weiterer Deutscher das aktuelle Spiel. Wird aus "The Gunners" dann "the Krauts"? Ob Tuchel allerdings die gleiche Machtfülle bekäme wie sie Wenger hat ist nicht unbedingt sicher. Würde Wenger gehen oder eine andere Aufgabe in der Clubleitung übernehmen? Das wäre eher schlecht für Tuchel. Vielleicht nicht sehr wahrscheinlich, aber ein echter Kracher wäre noch eine weitere Möglichkeit für Tuchel. Ein Jahr ist eine lange Zeit, die viel Veränderungen mit sich bringt und auch Neubewertungen. Ich will nicht gänzlich ausschließen, dass da jemand "Den Kopf unter den Arm genommen" und bei Tuchel angerufen hat, der auch einen Trainer für die kommende Saison sucht: Aki Watzke.
sam242 26.03.2018
5. Tuchel ist ein Spitzentrainer
und der BVB war ziemlich schlecht beraten, sich wegen seiner eher mimosen- und divenhaft agierenden Verantwortlichen und trotz der zweifelsfreien Erfolge TTs von diesem ohne sachlich-fachliche Argumente getrennt zu haben. Schade BVB, Glück auf TT! Sie werden es schaffen! Und im Gegensatz zu den überbewerteten Protagonisten des BVB keine schmutzige Wäsche waschen. Auch das zeichnet Sie als hervorragenden Trainer mit Stil aus.
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