Tuchel-Stellungnahme "Für mich persönlich notwendiger Schritt"

Eigentlich sollte Thomas Tuchel auf einer Pressekonferenz über seinen Abschied aus Mainz sprechen. Er verzichtete - und klärte nun in einem schriftlichen Statement über seine Beweggründe auf. Die dpa dokumentiert die Erklärung im Wortlaut.

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"Im Herbst vergangenen Jahres habe ich die Entscheidung getroffen, dass die Saison 2013/2014 meine letzte Saison als Trainer von Mainz 05 sein wird. In der damaligen, sportlich schwierigen Phase, stand ich für mich zum ersten Mal in meiner Trainerkarriere vor der Frage, ob ich zurücktrete, um der Mannschaft einen neuen sportlichen Impuls von außen zu ermöglichen. Oder ob ich mir selber zutraue, als Trainer noch einmal alle Mittel auszuschöpfen um die Mannschaft zurück zum Erfolg zu führen.

Bei der Beantwortung dieser Frage kam ich zu der Gewissheit, dass ich diesen Weg, mit dem hohen Anspruch, den ich an mich selber stelle, in der laufenden Saison gehen kann, nicht jedoch über die Saison hinaus. Diese Entscheidung, dass dies meine letzte Saison für Mainz 05 sein wird, war ein für mich persönlich notwendiger Schritt, um meine Spieler und mein Mitarbeiterteam wieder positiv beeinflussen zu können, sie vorwärtsgerichtet zu coachen und auf unserem gemeinsamen Weg weiter anzuführen.

Ich habe meine Entscheidung dem Verein im Januar vor dem Beginn der Rückrunde mitgeteilt. In keinem Gespräch mit einem Verantwortlichen von Mainz 05 habe ich um eine Freigabe für einen anderen Verein oder um die Auflösung meines Vertrages gebeten. Stattdessen habe ich immer eine einvernehmliche Lösung mit dem Verein angestrebt, mit dem Wissen, dass in jedem Fall eine vertragliche Bindung bis zum Sommer 2015 bestehen bleiben würde. Meinem Wunsch nach einer einvernehmlichen Lösung ist seit Januar ebenso wenig entsprochen worden, wie die Möglichkeit einer gemeinsamen öffentlichen Erklärung. Beides bedauere ich sehr. Ich hoffe nach wie vor auf eine zeitnahe Lösung.

Auch in der vergangenen Saison wurde ich immer wieder von anderen Vereinen kontaktiert. Gespräche führten, entgegen anderslautender Spekulationen, niemals soweit, dass ich Verantwortliche von Mainz 05 um eine Freigabe oder gar um eine Auflösung meines Vertrages gebeten hätte. Auch habe ich niemals dem Verein gegenüber Wechselabsichten geäußert.

Aufgrund des erfolgreichen Saisonverlaufs konnte ich die Entscheidung meiner Mannschaft erst nach dem gestrigen Spiel mitteilen. Ich hätte das gerne früher getan, wollte aber das Erreichen unserer sportlichen Ziele durch diesen Schritt nicht gefährden. Es fällt mir aufgrund der außergewöhnlichen Charaktere meiner Spieler, ihrer unglaublichen Hingabe für Training und Spiel wahnsinnig schwer bei meinem gefassten Entschluss zu bleiben. Trotzdem vertraue ich meiner Überzeugung und meinem Bauchgefühl als Trainer, dass ich den nächsten Entwicklungsschritt meiner Mannschaft nicht begleiten kann.

Vor 5 Jahren bin ich mit der Vision angetreten, Mainz 05 mit einem wiedererkennbaren Spielstil nachhaltig in der Bundesliga zu etablieren und den Verein zu einer Top-Adresse für deutsche U21-Spieler zu entwickeln. Dieses ehrgeizige Ziel haben wir auch dank der teamorientierten Führungskultur im Verein und den gelebten sozialen Werten erreicht. Ich bedanke mich für das Vertrauen in meiner Zeit als U19 Trainer und Bundesligatrainer von Mainz 05 insbesondere bei allen Verantwortlichen und Fans des Clubs. Während dieser 6 Jahre habe ich jeden Tag versucht, dieses Vertrauen durch meine Arbeit zurückzuzahlen. Für die Zukunft wünsche ich dem Verein nur das Allerbeste."

goe/dpa



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