Thorsten Legat Fauxpas im Kraftraum

Lange Zeit war es still um den bulligen Abwehrspieler. Ständige Verletzungen verhinderten immer wieder ein Comeback des einstigen Modellathleten. Jetzt dürfte sich Legat beim VfB Stuttgart endgültig ins Aus geschossen haben, denn nach rassistischen Ausfällen gegenüber Mannschaftskamerad Pablo Thiam droht ihm die Kündigung.


Stuttgart - Fußballprofi Thorsten Legat steht beim VfB Stuttgart wegen einer rassistischen Tat vor dem Rauswurf. Der 31- Jährige hatte im Kraftraum des Bundesligisten auf ein Poster, dass seinen dunkelhäutigen Mitspieler Pablo Thiam mit einer Trinkflasche zeigt, das Wort "Negersaft" gekritzelt. Dies berichteten am Samstag übereinstimmend der Südwestrundfunk (SWR) und die "Bild"-Zeitung. Der Vorfall hatte sich bereits vor zehn Tagen ereignet. "Wir haben die nötigen Konsequenzen zusammen mit der Vereinsführung gezogen", sagte Trainer Ralf Rangnick, wollte aber keine Details nennen.

Thorsten Legat: Dre Buchstaben stimmten überein
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Thorsten Legat: Dre Buchstaben stimmten überein

Nachdem sich der Täter innerhalb von 24 Stunden nicht freiwillig gemeldet hatte, schalteten die Verantwortlichen des Vereins einen Graphologen ein. Der Wunsch nach Aufklärung, so Rangnick, sei auch aus der Mannschaft gekommen. Alle Spieler mussten das betreffende Wort aufschreiben, bei Legat stimmten drei Buchstaben überein. Der früher bei Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und beim VfL Bochum tätige Fußballer hat sich inzwischen bei Thiam entschuldigt.

"Ich habe die Entschuldigung akzeptiert. Es wäre allerdings erfreulich gewesen, wenn er sich von sich aus gemeldet hätte", sagte der Diplomatensohn aus Guinea. "Ich war natürlich stinksauer." Nachdem er ein, zwei Nächte darüber geschlafen hatte, habe sich sein Ärger jedoch gelegt: "Dass jetzt alles rausgekommen ist, ist bitter für ihn, mir ist es im Grunde egal."

"Solche Dinge gehen nicht, da muss man reagieren", meinte Rangnick, der die Tat von Legat aufs Schärfste verurteilte. Der Pädagoge kritisierte in diesem Zusammenhang das Verhalten der VfB-Profis. "Es hat in den letzten Monaten immer wieder solche Dinge gegeben. Ich habe in der Kabine Sachen erlebt, die unfassbar sind", sagte der VfB-Trainer.

Die Vereinsführung der Schwaben wollte am Samstagvormittag zunächst keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben. "Kein Kommentar", sagte Sportdirektor Karlheinz Förster. Hansi Müller, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, meinte nur: "Ich war die ganze Woche unterwegs und habe keinen Bock, mich über so etwas am Wochenende zu unterhalten." In einer dürren Presseerklärung von sechs Zeilen bestätigte der VfB dann doch den Vorfall und zitierte Förster: "Wir werden in dieser Sache nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern die Fakten prüfen und entsprechend reagieren."

Legat war nach vielen Verletzungen beim VfB zuletzt nicht einmal mehr zweite Wahl. Nach zwei Achillessehnenoperationen gehört er zu jenen Spielern, die Rangnick ausgemustert hatte und denen nahe gelegt wurde, sich einen neuen Club zu suchen. Der Vertrag des Abwehrspielers läuft noch bis zum 30. Juni 2001.

Legat sorgte nicht zum ersten Mal für einen Skandal. 1997 musste sich der Sportler vor dem Amtsgericht Bochum wegen einer Schlägerei in der Silvesternacht 1996/97 verantworten. Gegen die Verhängung einer Geldbuße von 90.000 Mark wurde das Verfahren eingestellt. Bei einem Streit mit einem 54-jährigen Nachbarn soll Legat diesen umgestoßen und mit den Füßen getreten haben. Während seiner Tätigkeit in Frankfurt kam er in die Schlagzeilen, als er sich von den Fans aus der Stadt gemobbt fühlte und von einem angeblichen Hooligan-Überfall in einer Tiefgarage berichtete, den er aber nie beweisen konnte.



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