Tickets in der Bundesliga: Reise ohne Aufpreise

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Bis zu 150 Euro müssen Fans von Bayern oder BVB zusätzlich pro Saison ausgeben, weil die Spiele ihrer Clubs auch auswärts mit Top-Zuschlägen belegt werden. Hertha BSC verzichtet künftig auf höhere Preise - wenn auch nicht ganz freiwillig.

Olympiastadion in Berlin: "Fußball muss bezahlbar sein" Zur Großansicht
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Olympiastadion in Berlin: "Fußball muss bezahlbar sein"

Ingo Schiller klingt wie ein Fan aus der Kurve, wenn er über die neuen Kartenpreise bei Hertha BSC spricht. Dabei ist er als Geschäftsführer des Vereins für Finanzen und Marketing zuständig, nicht für Fußballromantik. Er sagt: "Das Erlebnis Fußball muss bezahlbar sein, gerade für Auswärtsfahrer, die ohnehin schon hohe Kosten haben. Die Bezahlbarkeit macht den Fußball in Deutschland aus."

Der Aufsteiger führt zur neuen Saison einheitliche Eintrittspreise für die Abschnitte im Olympiastadion ein, in denen sich die treuesten und lautesten Fans aufhalten; in denen die Menschen stehen, obwohl es in der Berliner Arena nur Sitzplätze gibt. 15 Euro kostet künftig eine Karte im Fanblock - unabhängig vom Gegner. Zuschläge für Spiele gegen Spitzenmannschaften fallen in diesen Sektionen des Stadions weg.

Vor allem den Auswärtsfans kommt die Neuregelung zugute. In der Bundesliga ist es Sitte, dass die Fans des Gastvereins den gleichen Preis zahlen mussten wie das Heimpublikum für vergleichbare Plätze. Weil die meisten Clubs auf Spiele gegen Spitzenmannschaften einen erhöhten Preis verlangen, sehen sich Fans dieser Vereine im Nachteil. Anhänger des FC Bayern oder von Borussia Dortmund zahlen auswärts grundsätzlich den Zuschlag, obwohl Partien in Hoffenheim oder Wolfsburg aus ihrer Perspektive keine Spitzenspiele sind. Bis zu 150 Euro mehr geben sie so in einer Saison für Auswärts-Tickets aus als Anhänger des FC Augsburg oder von Greuther Fürth.

Fußball muss für alle Schichten zugänglich sein

Die Verantwortlichen bei Hertha BSC sind nicht von sich aus auf die Idee mit den Einheitspreisen gekommen. Es bedurfte des Drucks der Fan-Initiative "Kein Zwanni", die sich für moderate Eintrittspreise in der Bundesliga einsetzt. Ihr Argument: In den Fanblöcken der deutschen Stadien treffen sich alle Gesellschaftsgruppen: Geschäftsleute, Studenten, Arbeitslose. Das macht die Bundesliga attraktiv. "Fußball muss für alle Schichten zugänglich sein, nicht nur für die Elite oder Touristen wie in England", sagt Leo Lossack von der Berliner Abordnung von "Kein Zwanni".

Es ist eine Weile her, dass Lossack und seine Kollegen dem Vorstand von Hertha BSC ihren Wunsch nach einheitlichen Kartenpreisen für den Gästeblock zum ersten Mal vorgetragen haben. Ihnen war klar, dass die Verantwortlichen nicht gleich Hurra schreien würden. "Die Eintrittspreise sind ein sensibles Thema. Deshalb war von Anfang an klar, dass es ein Preismodell geben muss, bei dem der Verein keinen Verlust macht", sagt Lossack.

Der verabredete Einheitspreis von 15 Euro bedeutet, dass Fans von Spitzenvereinen weniger zahlen als bisher. Für Anhänger von Mannschaften, die bisher in der niedrigsten Preisklasse einsortiert waren, werden die Karten aber teurer. Sie mussten bislang weniger als 15 Euro zahlen. "Einzelne leiden, klar. Aber die Masse profitiert. Wir haben Gleichberechtigung, bezahlbare Preise und eine klare Preisstruktur", sagt Lossack, "damit wird keiner abgezockt: weder die Fans von Bayern und Dortmund noch die Fans kleinerer Vereine."

Treffen alle drei Monate

Und darum geht es: Um erschwingliche Preise, eine festgelegte Obergrenze, die eine willkürliche Preisgestaltung verhindert - und darum, dass die Anhänger aller Vereine gleich behandelt werden. Herthas Geschäftsführer Schiller hat beobachtet, dass "sich die Fanszene in hohem Maße solidarisiert" habe in den vergangenen Jahren: "Unsere Fans finden es nicht gerecht, dass Anhänger von Bayern oder Schalke mehr zahlen müssen als die Fans kleinerer Clubs."

Während viele Anhänger in der Diskussion um das Sicherheitspapier der Deutschen Fußball-Liga auf Abstand zu ihren Vereinen gegangen sind, zeigt das Berliner Beispiel, wie die Zusammenarbeit gelingen kann zwischen den Clubs und ihren Kunden, die nicht wie Kunden behandelt werden wollen. Entscheidend sind regelmäßiger Austausch - die Verantwortlichen von Hertha BSC treffen sich mindestens alle drei Monate mit Vertretern aus der Kurve - und ein Thema, bei dem die Partien nicht grundsätzlich verschiedene Positionen vertreten. Dass sich die Fans in Berlin mit dem Verein auf die Legalisierung von Pyrotechnik einigen, ist eher nicht zu erwarten. Volle Fanblöcke und gute Stimmung sind aber auch im Interesse der Vereine.

Nach Borussia Dortmund ist Hertha BSC der zweite Bundesliga-Club, der auf Zuschläge für Gästefans verzichtet. An drei weiteren Bundesliga-Standorten laufen Gespräche über einheitliche Eintrittspreise für Auswärtsfahrer. Hertha-Fan Leo Lossack fände es "wünschenswert, wenn unser Beispiel den Druck auf andere Vereine erhöht, so dass auch diese ihre Preisstruktur überdenken". Eigennutz kann als Motiv ausgeschlossen werden: Auf die Auswärtspartien von Hertha BSC wird in der kommenden Saison wohl kein Topspiel-Zuschlag erhoben werden.

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