Gemobbter Fortuna-Profi Tobias Levels: Zu viel Gladbach im Herzen

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Die große Liebe von Tobias Levels hieß Borussia Mönchengladbach. Doch dann wurde der Verteidiger von seinem Verein abgeschoben, die Liebe zerbrach, Levels wechselte nach Düsseldorf. Dort akzeptieren ihn viele Fans wegen seiner Gladbach-Vergangenheit nicht. Jetzt eskalierte das Verhältnis.

Tobias Levels: Früher Borusse, jetzt Fortune Fotos
DPA

Tobias Levels will nicht hochschauen. Während er allein auf die Fankurve zugeht, die seinen Namen ruft, versucht er immer wieder, sein Gesicht mit dem Arm zu verdecken. Damit niemand sieht, was ohnehin schon jeder bemerkt hat. Fortuna Düsseldorf hat 1:2 gegen 1860 München verloren. Und Tobias Levels weint.

Bei den Fans angekommen, schaut er kurz hoch, winkt, tippt sich zweimal an die Brust und bedankt sich mit Tränen in den Augen für die Unterstützung. Dann dreht er ab und geht mit gesenktem Kopf in die Kabine.

Es kommt nicht oft vor, dass Düsseldorfer Fans Levels' Namen rufen, dass sie ihn allein vor die Kurve bitten, um ihn zu feiern. Meist ist es andersrum, so wie ein paar Minuten zuvor.

Da erlebt der 26 Jahre alte Verteidiger den geballten Hass von tausenden Menschen, die ihn doch eigentlich anfeuern sollen. Bei jedem Ballkontakt wird er ausgepfiffen. "Levels raus"-Rufe schallen durch die Düsseldorfer Fußballarena. Weil er kurz zuvor einen Zweikampf verloren und so das entscheidende 1:2 ermöglicht hat. Bereits beim 0:1 sah er nicht gut aus. Und vergangene Woche, beim peinlichen Pokal-Aus gegen den Viertligisten Wiedenbrück, verschuldete Levels ebenfalls das entscheidende Tor.

"Mein Herz hat die Form einer Raute"

Das allein reicht gewöhnlich nicht für einen solchen Wutausbruch der eigenen Fans. Aber dieser Fall hat eine Vorgeschichte. Selbst nach zwei Jahren sind die Düsseldorfer noch nicht mit Tobias Levels warm geworden - obwohl er zum umjubelten Aufstiegsteam gehört. Das liegt an seiner Vergangenheit beim rheinischen Rivalen Borussia Mönchengladbach. Die hatten zwar auch schon andere Fortuna-Spieler, aber niemand fühlte sich der Borussia so verbunden wie er.

Levels kommt aus dem Kreis Viersen, ein klassisches Gladbach-Gebiet. Mit 13 Jahren wechselt er zur Borussia. Sechs Jahre später gibt er sein Startelf-Debüt und spricht hinterher mit dem Borussia-Portal "Torfrabik" fast wie ein Fan, der mal mitspielen durfte. Von "riesiger Identifikation mit dem Verein" und einem "ganz besonderen Ereignis".

Es ist eine Geschichte, wie sie die Fans lieben. Der Junge aus der Nachbarschaft spielt für seine große Liebe. Levels nimmt die Rolle an. Vor dem Derby gegen Köln sagt er via "Bild"-Zeitung: "Ich bin schon zehn Jahre im Club, komme hier aus der Gegend. Ich weiß, was dieses Spiel den Fans bedeutet. Es wird Zeit, dass sie sich mal wieder im Derby über einen Sieg freuen können." Auf einen möglichen Wechsel nach Köln angesprochen, winkt er ab. Er sei "viel zu sehr Gladbacher", um darüber ernsthaft nachzudenken. "Mein Herz hat die Form einer Raute." Kurze Zeit später ist der Sohn niederländischer Eltern Kapitän. Levels ist 22.

In der Mannschaft beliebt, bei den Fans geduldet

Dreieinhalb Jahre später spricht der eloquente junge Mann wieder über sein Herz. Weil er in der Zwischenzeit in Gladbach trotz der Kapitänsbinde aus dem Kader gestrichen worden und nach Düsseldorf gewechselt ist, ist in diesem kein Platz für einen Fußballclub: "Ich habe schon einmal mein Herz an einen Verein gegeben und bin bitter enttäuscht worden. Diesen Fehler mache ich nicht noch mal", sagt er beim Fortuna-Stammtisch, einer bierseligen Talkrunde des "Express". Die fehlende Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Auch nach mehr als 50 Spielen für die Fortuna trägt fast niemand in Düsseldorf ein Trikot mit seinem Namen. In der Mannschaft ist er beliebt, bei den meisten Fans nur geduldet.

Von Beginn an wird Levels extrakritisch beäugt. Kämpferisch kann ihm keiner etwas vorwerfen. Weil er technisch aber nicht zu den Stärksten gehört, gibt es häufig Anlass zur Kritik. Stock- und Stellungsfehler, Fehlpässe, Flanken hinters Tor. Was bei anderen Spielern durchgeht, wird bei ihm mit Pfiffen und Gepöbel auf der Tribüne sowie im Internet quittiert.

Büskens macht Levels zum Abwehrchef

Der Tiefpunkt folgt vergangene Saison beim 1:4 gegen Wolfsburg. Levels sieht bei mehreren Gegentoren schlecht aus, was zu zahlreichen Beleidigungen führt. Als er sich kurze Zeit später verletzt und seinen Stammplatz an Leon Balogun verliert, gehört dieser schnell zu den Publikumslieblingen. Vor allem deswegen, weil er Levels verdrängt hat. Und obwohl der sich wieder in die Mannschaft kämpft, nimmt das Misstrauen nicht ab. Im Gegenteil: Nach dem 1:2 am vorletzten Spieltag gegen Nürnberg wird er während einer Talkrunde im VIP-Raum als "scheiß Gladbacher" beschimpft. Levels brüllt ein "Halt's Maul, Junge" zurück.

In dieser Saison scheint sich die Situation zunächst zu beruhigen. Beim 1:1 in Köln spielt Levels eine starke Partie in der Innenverteidigung. Trainer Michael Büskens ernennt ihn aufgrund der vielen Verletzten gar zum Abwehrchef. Doch nur zwei Spiele und zweieinhalb Fehler später erscheint diese Zeit rückblickend wie die Ruhe vor dem Sturm.

Besonders das Publikum auf den teureren Plätzen hat es auf ihn abgesehen. So auch beim Spiel gegen 1860. "Nur von der kritischen VIP-Tribüne kamen die Pfiffe", will Manager Wolf Werner beobachtet haben. In der Kurve, wo mehrheitlich die stehen, die den bitteren Gang in die dritte und vierte Liga mitgemacht haben, werden spielerische Defizite eher verziehen. Sie mögen Levels wegen seiner Gladbach-Vergangenheit zwar größtenteils ebenfalls nicht besonders, aber sie haben schon weitaus schlechtere Fußballer gesehen.

So verwundert es nicht, dass es nach dem Spiel vor allem die Kurve ist, die den weinenden Levels mit Sprechchören aufbauen will. Trainer Büskens ist dankbar dafür: "Das war überragend." Auch im Internet formieren sich die Unterstützer. Im Fortuna-Forum haben einige ihr Profilbild in ein Foto von Levels geändert. Ein Publikumsliebling aber wird er wohl nicht mehr werden.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Von diesen Fans nichts anderes erwartet
tizio 11.08.2013
Seit dem Aufstieg und dem ganzen Fan-Zinober habe ich nichts anderes erwartet, so dass der Verein bei mir deutlich an Reputation verloren hat. Was im Kopf nicht drin ist, kann bekanntlich auch nicht rauskommen. Viele der Zuschauer sollten daher vielleicht vorher einmal darüber nachdenken, bevor sie eigene Spieler fertig machen...
2. Fans?
heiwie 11.08.2013
Ich finde so ein Mobbingverhalten keine vier Jahre nach Robert Enke mehr als peinlich. Zuschauer, die eigene Spieler auspfeifen, verunglimpfen und damit verunsichern und folglich zu Fehlern provozieren schlicht hirnlos. Diese Leute sind keine Fans, sie sollten lieber auf den Golfplatz gehen.
3. So ist es!
emmaP10 11.08.2013
Zitat von heiwieIch finde so ein Mobbingverhalten keine vier Jahre nach Robert Enke mehr als peinlich. Zuschauer, die eigene Spieler auspfeifen, verunglimpfen und damit verunsichern und folglich zu Fehlern provozieren schlicht hirnlos. Diese Leute sind keine Fans, sie sollten lieber auf den Golfplatz gehen.
Kopf hoch, Tobias Levels! Diese sog. "Fans" sind hirnlose Typen, mit Fußball und Sportsgeist haben die nichts zu schaffen – und wahrscheinlich haben sie alle, obwohl noch unter 30, eine Bierplautze. Auf dem Golfplatz haben die aber auch nix verloren, da müssten die sich ja konzentrieren, still sein und filigran arbeiten. Nee nee, diese Leute sollten Chappi essen. Das ist Hirn drin. Bitte nicht unterkriegen lassen!
4. Die Oberschicht
goldigolfi 11.08.2013
scheint mittlerweile immer mehr Fussball begeistert. Die Vereine, besonders Bayern München, haben es verstanden mit grosser Unterstützung der Medien aus der Bundesliga ein echtes Event zu erschaffen. Im Moment geht man ins Stadion in eine der Logen, sehen und gesehen werden, eine Zeiterscheinung. Dies heisst jedoch immer noch, dass der Großteil der Fans immer schon und für immer ihr gesamtes Leben auf den jeweiligen Club abstimmen. Teile des Einkommens kommen dem Fußball zu Gute, erst der Club denn die Familie.
5. Levels der Klassendepp in Duesseldorf
grubersam 11.08.2013
Ich habe gerade drei sehr nette Familien aus Duesseldorf bei mir im Hotelresort auf Koh Samui, Thailand. Am Freitag Abend haben wir gemeinsam live das Spiel gegen 1860 Muenchen angesehen. Mir fiel auf, dass sich alle Familienmitlieder von Beginn an auf Levels eingeschossen hatten. Wie im SPIEGEL Beitrag beschrieben hat Levels in Duesseldorf laengst den Status eines Klassen-Deppen verpasst bekommen. Dass dann schwere Fehler passieren und die Motivation und das Selbstbewusstsein im Keller landen, ist nicht verwunderlich. Mein 12 jaehriger Sohn, Fan der 'arroganten Bayern', sagte nach dem Spiel zu mir: Warum machen die das denn? Warum pfeiffen die den eigenen Spieler aus? - Ich habe ihm geantwortet: Maxi, wenn der Sport solche Reaktionen hervorruft, dann ist er nicht mehr schoen. Kein Spiel kann so wichtig sein, dass man darueber einen Menschen kaputt bruellt. Auch mir kam dabei der Name Robert Enke in den Sinn. Wir scheinen nicht viel gelernt zu haben. Mein Rat an Levels: Wechseln. Die Toten Hosen koennen dann einen neuen Song fuer ihn komponieren: Ich wuerde niemals wieder zu Fortuna Duesseldorf gehen...
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