Kroos über Özil "Die Art und Weise seines Rücktritts war nicht in Ordnung"

Mesut Özil sei "ein lieber Kerl" - habe aber "Quatsch" verbreitet, sagt sein ehemaliger Teamkollege Toni Kroos: "Ich denke, dass er selbst weiß, dass es Rassismus innerhalb des DFB nicht gibt."

Toni Kroos bei der WM in Russland
AFP

Toni Kroos bei der WM in Russland


Nationalspieler Toni Kroos hat sich in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung zum Fall Mesut Özil geäußert. Der sei grundsätzlich ein verdienter Nationalspieler und ein "lieber Kerl", sagte Kroos. "Die Art und Weise seines Rücktritts war aber nicht in Ordnung."

Am 22. Juli war Özil nach 92 Länderspielen aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Der Star des FC Arsenal hatte in einer dreiteiligen Rücktrittserklärung Rassismusvorwürfe gegen den DFB und dessen Präsidenten Reinhard Grindel erhoben, die der Verband und Grindel selbst zurückwiesen.

Kroos widersprach Özil nun in einem zentralen Punkt: "Ich denke, dass er selbst weiß, dass es Rassismus innerhalb der Nationalmannschaft und des DFB nicht gibt." Özil habe in seiner Rücktrittserklärung auch Gutes und Richtiges angesprochen. Das werde aber "leider durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet".

Vor Kroos hatte sich Timo Werner zur Özil-Affäre geäußert - und sich eine Rückkehr des Mittelfeldspielers in die Nationalmannschaft gewünscht.

Kroos selbst kündigte in dem Interview an, nach dem Debakel bei der WM in Russland seine Karriere in der Nationalmannschaft fortzusetzen. Allerdings sagte der 28-jährige Mittelfeldspieler von Real Madrid, dass er künftig "mehr Ruhepausen brauche als in den vergangenen fünf, sechs Jahren, um auch in den kommenden Spielzeiten auf dem gleichen Niveau zu bleiben". Dies habe er Bundestrainer Joachim Löw bereits mitgeteilt.

Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM im Sommer habe er sich zuerst mit seiner Frau beraten, sagte Kroos. Sie sei die Erste gewesen, "die gesagt hat: 'Schatz, so kannst du nicht zurücktreten'". Auch sein Sohn "wollte unbedingt, dass ich für Deutschland weiterspiele".

Video: Deutsch-Türken in Zeiten des Özil-Rücktritts

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aar/sid

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Proggy 16.08.2018
1.
Aktuell hat Özil auch ein Problem mit den Gunner-Fans auf der Insel. Man kann gespannt sein, in welcher Sprache er sich diesmal erklärt und ob er die Kritik der englischen Fans ebenfalls als Rassismus sieht. Es sind übrigens die gleichen Kritikpunkte, die auch die deutschen Fans äußerten und dafür dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt wurden!
roadcrew 16.08.2018
2. Gesteh deine Fehler ein, Toni...
Toni Kroos ist derzeit ein merkwürdiger Kicker. Bei dieser WM war er einer der deutlichen Underperformer. Bereitete gegen Schweden ein Tor vor (und schoss auch eins) und eins gegen Südkorea. Seinen Patzer gegen Sverige trabte er flockig bis zum 0:1 hinterher, ebenso wie dem Tor der Mexikaner. Impulse nach vorn waren nicht viele bei Kroos. Edler wäre daher gewesen, wenn er nicht über Özil gelabert hätte, sondern über seine schwache WM.
quark2@mailinator.com 16.08.2018
3.
Man würde erwarten, daß bei strukturellem Rassismus nicht so viele Spieler mit Migrationshintergrund in die Nationalmannschaft berufen würden. Die Mischung ist derart vielfältig, daß man wohl schon davon ausgehen darf, daß nach Leistung gewählt und Leistung auch möglichst objektiv beurteilt wird. DFB, UEFA, FIFA sind nun wirklich Organisationen, deren Integrität ich nicht 100%ig für gegeben halte. Aber wenn Özil meint, er wäre Opfer von Rassismus und Nationalismus - wie ist der denn in die Mannschaft gekommen ? Er ist sicher sehr gut, aber nicht alternativlos.
radioactiveman80 16.08.2018
4. Auweia, Toni, das fliegt Dir um die Ohren
Es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis die ersten Tweets oder Artikel erscheinen, in denen Dir erzählt wird warum Du Unrecht hast und dass der Rassismus überall ist, auch und gerade beim DFB. Geschrieben von Menschen die exakt null Minuten auf dem Fussballplatz, im Nationaltrikot oder anderweitig in den Diensten des DFB standen. Sie werden auf Dich eindreschen, sie werden Dir hysterisch ins Gesicht schreien dass Du Teil des Problems bist. Dass Du es ja garnicht nachvollziehen kannst. Dass Du es mitverschleierst. Warum Du die Pflicht hast Özil zu verteidigen. Es ist irrelevant ob Du in der Sache Recht haben könntest - denn hier geht es um moralische geprägte Hoheitsansprüche. Du hast leider die falsche Kritik geäussert...
ncassady 16.08.2018
5. Achso?
Vielen Dank ans Toni Kroos dafür, dass er Mesut Özil erklärt, was Rassismus ist und was nicht. Denn das bestimmen ja wohl immer noch wir selber. So wie Männer bestimmen, wann eine Frau sich sexuell belästigt fühlen darf. Diese Mannschaft gibt wirklich ein erbärmliches Bild ab.
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