DFB-Mannschaftsführerin Angerer Die Nummer eins

Sie ist die wichtigste Spielerin im DFB-Kader: Nadine Angerer hat das deutsche Frauenfußballteam ins EM-Finale geführt. Die 34-Jährige präsentiert sich in Schweden in Bestform. Nach dem Turnier geht sie nach Australien - aber ein Karriereende im Nationalteam ist noch lange nicht in Sicht.

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Vor dem Finale der Europameisterschaft hat Nadine Angerer so eine Art Selbstporträt abgegeben. Sie hat von ihrer Mannschaft für das Endspiel gegen die Norwegerinnen (Sonntag, 16 Uhr ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gefordert, sie müsse "Mut, Leidenschaft und Spaß" an den Tag legen. Mit diesen Begriffen ist die 34-Jährige umfassend beschrieben.

Mut - den hat die Torfrau und Spielführerin der DFB-Frauenelf schon vor Jahren bewiesen, als sie sich öffentlich zu ihrer Bisexualität bekannt hat.

Leidenschaft - wenn man nach 123 Länderspielen immer noch so motiviert ist, wie sich Angerer während der EM-Tage von Schweden präsentiert, dann kann das wohl nicht ohne diese Eigenschaft passieren.

Spaß - den sucht die Noch-Frankfurterin immer noch in ihrem Sport. Nach der EM geht sie erst einmal für ein halbes Jahr nach Australien zum dortigen Erstligisten Brisbane Roar, danach wechselt sie in die USA in die dortige Frauen-Liga. Sie hatte andere, finanziell lukrativere Angebote. "Ich habe mich fürs Abenteuer und gegen das Geld entschieden", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Ohne Angerer wäre das DFB-Team nicht ins Finale gekommen

Davor steht aber noch das Abenteuer EM-Finale. Und dass das Team von Bundestrainerin Silvia Neid es überhaupt erreicht hat, hat es auch und nicht zuletzt seiner Torfrau zu verdanken. Angerer hat im Turnierverlauf zahlreiche gute Paraden gezeigt, sie hat ohnehin erst einmal hinter sich greifen müssen. Das war das 0:1 gegen den Finalgegner Norwegen aus der Gruppenphase - jenes Spiel, das in die Geschichte des deutschen Frauenfußballs eingehen wird. Es war die erste EM-Niederlage einer DFB-Elf seit 20 Jahren.

Eine Niederlage, die Angerer abgehakt hat: "Das Finale wird ein ganz neues, anderes Spiel" - aber auch eine Niederlage, die bis zum Halbfinale für eine deutsche Auswahl stand, die sich in Schweden ohne spielerischen Glanz, ohne Offensivpower, ohne Kreativität durchs Turnier mogelte. Erst als man gegen Schweden im Semifinale so richtig gefordert war, zeigte das Team seine Qualität.

So steht Angerer mit ihren teilweise erheblich jüngeren Teamkolleginnen im Endspiel - wieder einmal. Es ist das mittlerweile elfte große Turnier, an dem die Torfrau teilgenommen hat. Die ersten sechs Erfolge, die sie dort einfuhr - der WM-Titel 2003, die EM-Siege 1997, 2001 und 2005, sowie die olympischen Bronzemedaillen der Spiele 2000 und 2004 errang sie, ohne eine einzige Minute auf dem Platz gestanden zu haben. Torwart-Schicksal, denn ihr vorgezogen wurde Silke Rottenberg.

Ein Gefühl wie Prinz Charles

An Rottenberg - mit ihrer Ruhe, ihrer Routine, ihrer Ausstrahlung - kam Angerer jahrelang nicht vorbei. Sie muss sich zwischendurch schon vorgekommen sein wie Prinz Charles, der seit Jahrzehnten auf die Thronfolge zu warten hat. Elf lange Jahre vergingen seit ihrem Debüt in der Nationalmannschaft. Erst der Kreuzbandriss der Konkurrentin im Vorfeld der WM 2007 änderte alles. Angerer durfte zwischen die Pfosten, und Deutschland wurde Weltmeister, ohne ein Gegentor kassiert zu haben. Im Endspiel gegen Brasilien hielt sie einen Elfmeter von Marta. Sie wurde zur besten Torhüterin der WM gewählt.

Heute ist Angerer in der Rolle, in der Rottenberg jahrelang war. Sie ist jetzt die Queen. Die jüngeren deutschen Torhüterinnen brauchen sehr viel Geduld, um ihre Chancen in der Nationalelf zu erhalten. Angerer wird im Herbst 35 Jahre alt, aber ans Aufhören denkt sie überhaupt nicht. Sie sei vielmehr "überzeugt, dass mir die kommenden Auslandserfahrungen neue Motivation geben", sagte sie der "FAZ". Ein Ende ihrer Karriere sei nicht in Sicht.

Mit einem EM-Triumph wäre dann auch endlich die Erinnerung an jenen unglücklichen Juli-Tag vor zwei Jahren in Wolfsburg gelöscht. Als ein ganzes Land erwartete, dass Angerer und ihr Team unbedingt Weltmeisterinnen im eigenen Land zu werden hatten. Die Japanerinnen machten diesen Plan im Viertelfinalspiel in Wolfsburg zunichte. Beim entscheidenden 0:1-Gegentor machte Angerer keine gute Figur. Das hat sie lange beschäftigt.

Das soll spätestens am Sonntagnachmittag keine Rolle mehr spielen. Auch wenn die Norwegerinnen das Vorrundenspiel 1:0 gewannen - die deutsche Auswahl ist favorisiert. Immer wenn es in den vergangenen Jahren gegen die Norwegerinnen wirklich um etwas ging, gingen die DFB-Frauen anschließend als Siegerinnen vom Platz. Dreimal trafen sich beide Nationen schon in EM-Endspielen: dreimal gewann Deutschland.

Der letzte EM-Triumph über die Skandinavierinnen stammte aus dem Jahr 2005. Nadine Angerer wurde auf der Ersatzbank Europameisterin. In ihrem 124. Länderspiel ist es mal an der Zeit, dass sie ein Finale gegen Norwegen auch auf dem Feld gewinnt. Und danach noch drei Länderspiele - dann hat sie auch Silke Rottenberg überholt.

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Seite 1
carlo02 28.07.2013
1. Das
ist die mit Abstand beste Spielerin der deutschen Nationalmannschaft.
frutsch 28.07.2013
2.
Natürlich gab es persönliche Verfehlungen, aber man muss Menschen auch eine zweite Chance geben. Ich würde gerne auch mal die Frau Sarholz im Tor sehen. Die hat ebenfalls große Klasse. Oder im Sturm. Kann sie m.W. auch. Sie kann übrigens sowohl Elfmeter mit guter Quote halten, als auch welche (sicher) verwandeln. Aber die DFB-Holzköpfe können halt nicht über ihren Schatten springen.
kugelsicher, 28.07.2013
3.
Zitat von carlo02ist die mit Abstand beste Spielerin der deutschen Nationalmannschaft.
Nicht ganz. Es gibt 2 mit Abstand beste im Team. Marozan und Angerer. Natürlich ist Angerer eine sehr gute, und als Kapitänin und Abwehrchef doppelt wichtig. Eine Marozan ist gerade 21 geworden, wird aber sicher mal eine ganz große. Ein Talent wie es D noch nie hatte. Sie am Ball zu sehen ist eine Augenweide. Das ist dann wirklich eine andere Liga zu den technischen Fähigkeiten der Anderen. Wenn die gut aufgebaut wird, und ich hoffe das wird sie, wenn sie noch schneller und physischer wird, dann gehört sie irgendwann zu den Besten der Welt. Belege: Dzsenifer Marozsan - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=9IPyYyJON3Q) Dzsenifer "Maro" Marozsán - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=3vqgGXBC-2M)
kugelsicher, 28.07.2013
4.
Zitat von frutschNatürlich gab es persönliche Verfehlungen, aber man muss Menschen auch eine zweite Chance geben. Ich würde gerne auch mal die Frau Sarholz im Tor sehen. Die hat ebenfalls große Klasse. Oder im Sturm. Kann sie m.W. auch. Sie kann übrigens sowohl Elfmeter mit guter Quote halten, als auch welche (sicher) verwandeln. Aber die DFB-Holzköpfe können halt nicht über ihren Schatten springen.
Bitte aber zur Kenntnis nehmen, was dahinter steckt. Nicht immer ist der böse DFB Schuld. Sarholz: (http://www.framba.de/content/index.php?option=com_content&view=article&id=3496%3Asarholz-ich-habe-meinen-fehler-eingesehen&catid=118%3Abundesliga&Itemid=457)
tomkey 28.07.2013
5. Angerer allein
Zitat von kugelsicherNicht ganz. Es gibt 2 mit Abstand beste im Team. Marozan und Angerer. Natürlich ist Angerer eine sehr gute, und als Kapitänin und Abwehrchef doppelt wichtig. Eine Marozan ist gerade 21 geworden, wird aber sicher mal eine ganz große. Ein Talent wie es D noch nie hatte. Sie am Ball zu sehen ist eine Augenweide. Das ist dann wirklich eine andere Liga zu den technischen Fähigkeiten der Anderen. Wenn die gut aufgebaut wird, und ich hoffe das wird sie, wenn sie noch schneller und physischer wird, dann gehört sie irgendwann zu den Besten der Welt. Belege: Dzsenifer Marozsan - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=9IPyYyJON3Q) Dzsenifer "Maro" Marozsán - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=3vqgGXBC-2M)
Maroszan hat noch gar nichts bewiesen, außer dass sie jung ist und ein paar gescheite Dinge mit dem Fußball anzufangen weiß. Sie ist jung und muss noch sehr viel dazulernen, um eine Führungsspielerin in der Nationalmannschaft zu werden. Grundlagen bringt sie mit. Allerdings braucht sie auch ein Umfeld, dass sie dazu werden lässt. Die Videos beweisen nur, dass sie wie viele andere auch was am Ball kann. Außerdem furchtbare Musik. Conny Pohlers MoMa (http://www.youtube.com/watch?v=x67PVpk0UyM) bei 2:16min .. und am Ende mal nicht D.M. mit Ballzaubereien. Bei youtube gefunden.
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