Abschiedsspiel von Torsten Frings: Ausgelutscht

Von Timo Prüfig

Fußball-Bundesliga: Torsten Frings - ein letztes Mal in grün Fotos
DPA

Jetzt ist endgültig Schluss: Torsten Frings lief in der Bundesliga für Bremen, Dortmund und den FC Bayern auf. Nun verabschiedete sich der Mann, den sie "Lutscher" nannten, von seinen Fans in Bremen. Rückblick auf eine Karriere mit Höhen und Tiefen.

Hamburg - Am Ende wurde es noch einmal hochemotional. "Ich musste schon ein bisschen weinen", gestand Torsten Frings. 40.000 Fans feierten den 36-Jährigen in seiner alten Heimat, dem Bremer Weserstadion. Dort, wo der "Lutscher" die längste Zeit als Fußballprofi verbracht hat. Jetzt ist die Karriere des Mannes mit der Mähne, den vielen Tattoos und dem Hang zu großen Autos zu Ende. Es war eine Zeit mit sportlichen Erfolgen - aber auch ständigen Rückschlägen.

Denn die Liste der Verletzungen ist fast doppelt so lang wie die mit den Titeln: Kreuzbandriss, Innenbandriss, Rippen- und Nasenbeinbruch sowie diverse Bänder- und Muskelfaserrisse stehen einer Deutschen Meisterschaft mit Bayern München 2005 und insgesamt drei DFB-Pokalsiegen mit Werder (1999 und 2009) und den Bayern (2005) gegenüber.

International hat Frings viel von seinem guten Kumpel Michael Ballack, der bei der Abschiedsgala natürlich ebenfalls zugegen war: Vize-Weltmeister 2002 nach dem 0:2 im Endspiel gegen Brasilien. Vize-Europameister 2008 nach der 0:1-Final-Niederlage gegen Spanien. Dazu kommt noch eine Niederlage im Uefa-Pokalfinale 2009 mit Werder gegen Schachtjor Donezk (1:2 nach Verlängerung). Aber dafür sind gute Freunde ja auch da - denn dank Ballack hat man den Titel des "ewigen Zweiten" eigentlich nie mit Torsten Frings in Verbindung gebracht.

Unrühmlicher Abschied aus der Nationalelf

Auch bei der WM 2006 im eigenen Land kam es zu einer kleinen Parallele: Nach dem Viertelfinalsieg im Elfmeterschießen gegen Argentinien gab es Tumulte auf dem Platz. Frings wurde später für das Halbfinale gegen Italien gesperrt. Deutschland verlor, wie schon vier Jahre zuvor im Finale gegen Brasilien, in dem wiederum Ballack aufgrund einer Sperre fehlte.

Alles andere als rühmlich war zudem Frings' Abgang aus der DFB-Elf. Und auch hier spielte der Kumpel keine unwesentliche Rolle. Ballack nämlich war es, der öffentlich den Umgang von Bundestrainer Joachim Löw mit verdienten Spielern kritisierte. Zwar kam es zu einer Aussprache unter Männern, doch nach nur einem weiteren Einsatz am 11. Februar 2009 gegen Norwegen (0:1) war für Frings nach 79 Länderspielen mit zehn Toren endgültig Schluss.

Im Sommer 2011 war auch seine Zeit in Bremen abgelaufen - was folgte, war der Abflug über den Teich: Bei Toronto FC lief er noch ein wenig für die Rentenkasse auf, ohne sich zu sehr kaputt zu machen. Eine ebenso logische wie nachvollziehbare Entscheidung.

Nachwuchsförderung bei Werder Bremen

Am Samstagabend dann der große Abschied mit Freunden und alten Weggefährten wie Johan Micoud, Diego, Ailton, Tim Wiese, Naldo, Dieter Eilts, Marco Bode, Frank Baumann, Tim Borowski und Fabian Ernst - Erinnerungen an bessere Werder-Zeiten wurden geweckt. Die Fans dankten ihrem langhaarigen Helden für 402 Bundesliga-Spiele, davon 326 für Werder, 47 für Borussia Dortmund und 29 für die Bayern, in denen er 49 Tore erzielte.

Ganz weg ist Frings aber nicht: An alter Wirkungsstätte sorgt er als Co-Trainer der zweiten Mannschaft inzwischen für den Nachwuchs an der Weser.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. T. Frings war ein guter Fußballer
Veterano48 08.09.2013
Werder hat ihm einiges zu verdanken. Als "Nicht-Ballak-Fan" gebe ich ihm aber Recht mit seiner Kritik an dem "dies kann i au nit sagen" Bundestrainer Löw oder ähnlich. Der kann es nämlich nicht.
2. Idiotische Personalpolitik
Stauss2 08.09.2013
Frings hätte in der Saison 2011/2012 und 2012/2013 Werder Bremen noch enorm helfen können. Ohne ihn gab es so in der Saison 2011/12 den 9. Platz in der Bundesliga und damit keine Internationalen Spiele mehr. 2012/13 endet Werder dann auf dem 14. Platz und entkam nur knapp dem Abstieg. Auch Wiese war gegangen, Mertesacker, Naldo. Der Trainer Schaaf, der ebenfalls grosse Meriten hatte, aber kein Händchen für Perspektivspieler, musste nun gehen. Mit Frings wäre Bremen nie so abgesackt, auch wenn er nur noch eine Halbzeit gespielt hätte. Er war das Rückgrat von Werder. Es gab keinen, der ihn auch nur annähernd ersetzen konnte. Das verlängerte Rückgrat von Bremen hingegen war Allofs.
3. Von gestern
tuffgong 08.09.2013
Wen interessiert den in Zeiten der Götzes und Reus' ein Frings? Gefühlt vor 10 Jahren aufgehört, kommt er jetzt aus der Versenkung mit einem Abschiedsspiel. Für mich war er immer ein langhaariger, wehleidiger Tatoo-Proll, bei dem ich mich bei Interviews immer fremdgeschämt habe. Hatte ihn schnell vergessen.
4. Das verlängerte Rückgrat
widower+2 08.09.2013
Zitat von Stauss2Frings hätte in der Saison 2011/2012 und 2012/2013 Werder Bremen noch enorm helfen können. Ohne ihn gab es so in der Saison 2011/12 den 9. Platz in der Bundesliga und damit keine Internationalen Spiele mehr. 2012/13 endet Werder dann auf dem 14. Platz und entkam nur knapp dem Abstieg. Auch Wiese war gegangen, Mertesacker, Naldo. Der Trainer Schaaf, der ebenfalls grosse Meriten hatte, aber kein Händchen für Perspektivspieler, musste nun gehen. Mit Frings wäre Bremen nie so abgesackt, auch wenn er nur noch eine Halbzeit gespielt hätte. Er war das Rückgrat von Werder. Es gab keinen, der ihn auch nur annähernd ersetzen konnte. Das verlängerte Rückgrat von Bremen hingegen war Allofs.
Ich gebe Ihnen in fast allem Recht. Aber das verlängerte Rückgrat von Werder ist immer noch Lemke (falls Sie damit das meinen, was anfängt, wo das Rückgrat aufhört).
5. Götze und so
newsmen 08.09.2013
Wer sich in Zeiten von Götze & Reus noch an Spieler wie Frings erinnert?! Ich. Denn spontan fällt mir nicht viel ein, was die beiden jungen Herren so geleistet haben - gibt es da irgendwelche Großtaten, die ich verpasst habe? Sicher, das kann sich noch ändern - solange erinnere ich mich aber auch als Nichtbremer gerne an Herrn Frings.
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