Flucht von Torwart Rensing: Ewige Sehnsucht nach der Nummer eins

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Ehemaliger Bayern-Torwart Rensing: Zu schlecht für die zweite Liga?

Michael Rensing sollte einst Oliver Kahn beerben. Jetzt wollte ihn Zweitligist Fortuna Düsseldorf auf die Bank verbannen. Das war zu viel für Rensings Stolz, er floh vom Trainingsgelände. Welcher Verein will diesen Mann jetzt noch haben?

Michael Rensing hat in der vergangenen Woche einen Satz gesagt, den man immer wieder mal hört im Profifußball, der Satz ist keine Sensation. Doch er eignet sich perfekt als Leitmotiv für die Karriere des 29 Jahre alten Fußball-Torwarts, er drückt eine ewige Sehnsucht aus: "Ich will die Nummer eins werden", hat Rensing gesagt. Darum geht es ihm seit fast zehn Jahren - erfüllt hat sich dieser Wunsch nicht.

Die Karriere von Michael Rensing hat bisher einen eher unglücklichen Verlauf genommen. Mit dem Tiefpunkt am Montag: Vor ein paar Wochen ist er zum Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf gewechselt, doch vor dem ersten Saisonspiel teilte ihm Trainer Mike Büskens mit, dass nicht er, Rensing, beim Saisonstart gegen Energie Cottbus im Tor stehen würde, sondern Fabian Giefer, der Stammtorwart der vergangenen Saison. Rensings Konkurrent.

Zu schlecht für die zweite Liga? Das will Rensing nicht wahrhaben, gleich nach dem Gespräch mit seinem Trainer floh er vom Trainingsgelände. Beim Spiel am Abend saß Robin Heller auf der Bank, der dritte Torwart. Dass die Düsseldorfer durch den 1:0-Sieg vielversprechend in die Mission Wiederaufstieg gestartet waren, verkam in der Nachbesprechung des Spiels zum Randthema: "Klar ist, dass ein solcher Vorgang nicht normal ist. Darüber werden wir im Vorstand sprechen und die Situation bewerten. Danach sehen wir weiter", sagte Sportvorstand Wolf Werner.

Dabei sollte er Nationaltorhüter werden

In Düsseldorf gibt es wohl keine Zukunft für Rensing, noch bis Ende August könnte er wechseln. Doch welcher Verein verpflichtet einen Spieler, der seine Emotionen nicht im Griff hat, der sich von seiner Mannschaft absetzt vor einem wichtigen Spiel und der sich wohl auch selbst überschätzt? Der FC Augsburg dementierte eilig, an Rensing interessiert zu sein. Seine Karriere in Deutschland ist möglicherweise vorbei. Dabei sollte Michael Rensing doch Nationaltorhüter werden.

Das hat Uli Hoeneß gesagt, als er noch Manager des FC Bayern war, nicht Präsident, und als Rensing als zweiter Torwart der Münchner darauf wartete, dass Oliver Kahn seinen Posten freimachte für ihn. Im Februar 2004 spielte Rensing zum ersten Mal für den FC Bayern, doch zum Stammtorwart stieg er erst 2008 auf. Ein halbes Jahr durfte er das Tor des Rekordmeisters hüten, ein halbes Jahr lang schien es, als habe er sein Ziel erreicht: Er war die Nummer eins.

Doch Rensing konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Er machte ein paar leichte Fehler und verunsicherte die Defensive der Münchner. Der bitterste Moment in seiner ersten Saison als Stammtorwart: Nach einem 1:5 gegen den VfL Wolfsburg und vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Barcelona setzte ihn Trainer Jürgen Klinsmann auf die Bank.

Köln steigt ab, Rensing muss gehen

In der Saison danach erhielt Rensing unter Louis van Gaal eine weitere Chance, wieder nutzte er sie nicht. Der FC Bayern ließ Rensings Vertrag auslaufen. Der Torwart hielt sich danach mit einem privaten Trainer fit, er machte ein Probetraining bei einem englischen Zweitligisten. Zur Zusammenarbeit kam es nicht.

Dafür unterschrieb er im Dezember 2010 beim 1. FC Köln in der Bundesliga. In Köln erlebte er seine beste Zeit als Profi. Er war Stammtorwart, bei den Fans war er beliebt. Zum zweiten Mal in seiner Karriere sah es aus, als sei er endlich am Ziel. Als sei er endlich die Nummer eins. Doch 2012 stiegen die Kölner ab und konnten Rensing nicht mehr bezahlen. Er schloss sich Bayer Leverkusen an, wusste aber, dass er an Stammtorwart Bernd Leno nicht vorbeikommen würde. Er machte zwei Spiele für Bayer, kassierte fünf Tore.

In Düsseldorf hat er auf eine neue Chance gehofft. Er dachte vielleicht, dass seine Karriere neu beginnen könnte bei einem Verein, der ebenfalls einen Neustart versucht. Doch mit seiner Flucht vom Trainingsgelände hat Michael Rensing diese Hoffnungen vermutlich selbst zerstört.

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insgesamt 117 Beiträge
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1. Völlig unnötig...
veritaski 23.07.2013
...dieser Artikel. Der Spiegel hat nichts, aber auch gar nichts aus dem Schicksal von Robert Enke gelernt. Auf jemanden herumtreten, der offensichtlich verzweifelt ist und seine Gefühle nicht im Griff hat.....zum Kotzen...echt! Ihr Sensationsgeier!!!!
2. Hmm Gier
robin-masters 23.07.2013
tja wäre er mit Köln abgestiegen und hätte auf Etwas gehalt verzichtet. Dort wäre er jedoch unbestritten die Nummer 1. Der Torwart-"Markt" im deutschen Fussball ist einfach mal super gut besetzt.
3. Parallelen
HPausG 23.07.2013
Zu seinem Kollegen Stefan Wessels tun sich auf. Beide erst bei den Bayern, dann Köln und nie der erhoffte Erfolg. Ach ja, beide kommen auch noch aus der gleichen Stadt: Lingen (Ems).
4. Köln konnte ihn in der 2. Liga nicht bezahlen...
learner78 23.07.2013
... Dann muss man seine Geldgier eben mal zurückschrauben wenn man die Nummer 1 sein will. Nee, da wird sich in Leverkusen lieber wieder auf die Bank gesetzt und dick kassiert. Und in Düsseldorf wird er mit Sicherheit auch nicht schlecht verdienen. Da muss sich der Herr Rensing eben mal entscheiden. Erstklassig verdienen oder zweitklassig spielen.
5. Verständnis
haber100 23.07.2013
Ich kann Rensing gut verstehen. Düsseldorf holte ihn als Erstligisten, als der Weggang von Stammtorwart Giefer drohte. Was dann kam, war der Worts Case: erstens der Abstieg in Liga 2, zweitens der gescheiterte Transfer von Giefer. Der Gipfel war dann das Verhalten des Trainers, ihm nicht schon vor Wochen, sondern erst am Spieltag mitzuteilen, dass er nicht Nr. 1 ist. Nach der Vorgeschichte wäre hier etwas mehr Fingerspitzengefühl gefragt gewesen. Heynckes hat vorgemacht, wie man mit Spielern umgeht, die nicht spielen können. Rensing ist auf oberem Bundesliga-Niveau. Ich hoffe, er findet endlich seinen Verein.
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