Nach Morosini-Tod in Italien: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Die Staatsanwaltschaft der Adria-Stadt Pescara will den tragischen Herztod des italienischen Fußballprofis Piermario Morosini untersuchen. Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung wurden eingeleitet. Derweil klagen Spieler und Funktionäre im italienischen Fußball über zu große Belastung.

Morosini auf Anzeigetafel in Toronto: Weltweite Trauer über seinen Tod Zur Großansicht
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Morosini auf Anzeigetafel in Toronto: Weltweite Trauer über seinen Tod

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft der Adria-Stadt Pescara hat nach dem tragischen Herztod des italienischen Fußballprofis Piermario Morosini vom Serie-B-Club Livorno Calcio Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Morosini war am Samstag in der 31. Minute des Punktspiels bei Pescara Calcio auf dem Spielfeld zusammengebrochen und hatte eine tödliche Herzattacke erlitten.

Ein DNA-Test soll nun feststellen, ob der Spieler an einem genetisch bedingten Herzfehler litt, den ärztliche Untersuchungen nicht diagnostiziert hatten. Ermittelt wird auch, warum ein Polizeiwagen mehrere Minuten lang den Zugang des Krankenwagens zum Stadion von Pescara verhindert hatte, was zu einer Verzögerung der Rettungsaktion führte.

Am Dienstag soll der Sarg mit dem Leichnam Morosinis nach Livorno überführt werden und Zugang zum Stadion Armando Picchi erhalten. Hier wollen sich Fans und Bürger Livornos versammeln, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Danach wird der Sarg nach Bergamo, die Heimatstadt Morosinis, überführt. Hier wird voraussichtlich am Donnerstag das Begräbnis des Spielers stattfinden.

Spieler kritisieren zu hohe Belastung

Derweil klagen Spieler und Funktionäre im italienischen Fußball über zu große Belastung. "Die Gesundheit der Spieler hat absolute Priorität. Mit derart vielen Spielen im Laufe der Saison wächst die Gefahr der Gesundheitsschäden für die Spieler", sagte der Präsident der italienischen Fußballergewerkschaft AIC, Damiano Tommasi. Vor allem die Serie-A-Spieler seien im Dauereinsatz.

Auch Star-Stürmer Antonio Di Natale, Morosinis ehemaliger Teamkollege bei Udinese Calcio, hat ebenfalls eine zu hohe Belastung beklagt. "Man muss weniger spielen und mehr Ruhetage zwischen den Spielen haben. Ich behaupte dies schon seit langem und habe auch mit unseren Ärzten darüber gesprochen. Ich bin 34 Jahre alt, doch letztes Jahr dachte ich an Rücktritt, weil man einfach nicht pausieren kann. Ich sage es den Ärzten: Fußball ist ein wunderbarer Sport, doch man muss an die Gesundheit der Spieler denken."

Am Montag wurde der Leichnam Morosinis sechs Stunden lang obduziert. Einen Infarkt oder eine Arterienerweiterung schloss Rechtsmediziner Cristian D'Odivio am Abend aus. "Jetzt müssen wir weitere Untersuchung durchführen, auch toxikologische", erklärte der Arzt, der einen genetischen Fehler als Todesursache für möglich hält. Die Staatsanwaltschaft hatte von Anfang an eine Toxikologin einbezogen. "Es ist normal, da es sich um einen Todesfall im Sport handelt", berichtete die Staatsanwältin Cristina Todeschini, die die Obduktion angeordnet hatte.

Die Partie war nach dem Zwischenfall in der 31. Minute beim Stand von 2:0 für Livorno abgebrochen worden. Umgehend wurden sämtliche Profispiele des Wochenendes abgesagt. Die Spiele werden am 25. April nachgeholt.

Die Regierung in Rom will inzwischen mit Italiens Nationalem Olympischen Komitee CONI über den Vorschlag diskutieren, in allen größeren Sportanlagen einen Defibrillator zur Verfügung zu stellen, um Sportler zu reanimieren, die Herzattacken erleiden. Der Direktor der dritten Liga, Francesco Ghirelli, erklärte, dass die Serie-C-Fußballer nicht mehr spielen werden, sollte nicht in jedem Stadion ein Defibrillator zur Verfügung stehen. Dies werde schon ab dem nächsten Match am kommenden Wochenende gelten.

mib/sid

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